Pestizid-Cocktail in Schweizer Flüssen

Wasserproben aus einheimischen Flüssen enthalten im Durchschnitt 40 verschiedene Schadstoffe. Viele der Substanzen überschreiten laut einer Studie den zulässigen Grenzwert. Die Forscher sind beunruhigt.

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Pestizidcocktail in Schweizer Flüssen

1:44 min, aus Tagesschau vom 5.3.2014

Alle fünf untersuchten Flüsse seien stark durch verschiedenste Pestizide belastet, teilt das Wasserforschungsinstitut Eawag mit. Vor allem Pflanzenschutzmittel fand das Institut in den Flüssen.

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Bildlegende: Untersucht wurden die Flüsse Salmsacher Aach (SG), Furtbach (ZH), Surb (AG), Limpach (SO) und Mentue (VD). SRF

Die Forscher entdeckten 104 verschiedene Wirkstoffe, 82 davon waren reine Pflanzenschutzmittel. Ein Grossteil der Pestizidbelastung sei den Pflanzenschutzmitteln aus der Landwirtschaft zuzuschreiben, schreibt die Eawag.

In vier Fünfteln der Proben war die Summe aller Pestizidkonzentrationen grösser als ein Mikrogramm pro Liter. Bei 31 Substanzen wurde der Grenzwert der Gewässerschutzverordnung verletzt.

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Belastete Gewässer

Zwei Herbizide haben die Forscher in beinahe allen Wasserproben entdeckt: Mecoprop und S-Metolachlor. Mecoporob wird oft im Garten, bei Getreide sowie bei Belägen von Flachdächern verwendet. Alle drei Quellen tragen laut den Forschern zur Belastung der Gewässer bei. S-Metolachlor wird hingegen nur in der Landwirtschaft genutzt.

Problematisch sind aus Sicht der Forscher zwei Aspekte: der «Cocktail» an Pestiziden sowie die teilweise hohen Konzentrationen pro Stoff. Letztere lagen vereinzelt über einem Mikrogramm pro Liter.

Die kurzfristigen Spitzenkonzentrationen dürften teils vielfach höher liegen; für einzelne Substanzen wohl so hoch, dass sie akut giftig wirken.

Für Wasserorganismen schädlich

Doch selbst wenn die Konzentration jedes einzelnen Stoffes nicht sehr hoch ist, stellt die Kombination der verschiedenen Pestizide ein Problem dar: Es sei zu befürchten, dass die Pestizidmischungen die Organismen im Wasser beeinträchtigten, warnen die Forscher. So zum Beispiel den Bachflohkrebs. Und dieses kleine Tier ist wiederum Nahrung für grössere Fische.

Die Leiterin der Eawag-Abteilung für Umweltchemie und eine der Autorinnen der Studie, Juliane Hollender, zeigen sich überrascht von den neuen Daten. «Ganz so sauber, wie immer wieder betont, scheinen die Schweizer Gewässer doch nicht zu sein», sagt sie.

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