Zum Inhalt springen
Inhalt

Schweiz Pestizid-Verbot in der Schweiz umstritten

Die Schweiz zieht beim Bienenschutz am gleichen Strick wie die EU. Nach der EU-Kommission will auch das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) die Bewilligung von drei Insektiziden zur Behandlung von Raps- und Maissaatgut suspendieren. Umweltschützer und Imker sind jedoch noch nicht zufrieden.

Legende: Video EU und Schweiz gegen Bienensterben abspielen. Laufzeit 02:09 Minuten.
Aus Tagesschau vom 29.04.2013.

Sie verlieren die Orientierung und finden nicht mehr zum Bienenstock zurück. Das bedeutet für die Bienen den Tod. Pestizide haben verheerende Auswirkungen auf das Bienengehirn. Nun hat sich die EU dazu durchgerungen, bestimmte Pflanzenschutzmittel zu verbieten. Die Schweiz will nachziehen und hat angekündigt, die Bewilligung von drei Insektiziden ebenfalls zu suspendieren.

«Wir denken, dass wir die Zeit nutzen können, um noch mehr Abklärungen zu machen», sagt Eva Reinhard, Vizepräsidentin des Bundesamtes für Landwirtschaft zu SRF. Während der Suspendierung sollen Techniken entwickelt werden, mit welchen das Risiko für Bienen reduziert und die Sicherheitsmarge erhöht werden kann.

Das BLW sowie die EU ziehen mit ihren Entscheidungen die Konsequenzen aus einem Gutachten, das die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) Mitte Januar veröffentlichte. Darin sieht die Efsa ein «hohes, akutes Risiko» für Bienen durch die drei Stoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam.

Weitere Massnahmen vom Bund gefordert

Umweltschützer und Imker begrüssen den Entscheid, fordern aber gleichzeitig den Bund auf, weitere Massnahmen zu treffen. «Wir sind erfreut über den Entscheid, aber es ist nur ein Etappensieg», sagt der Präsident des Deutschschweizer Imkerverbands, Richard Wyss, zu SRF.

Das grosse Problem sieht Wyss im Einsatz von Ersatzmitteln. Wenn wieder grossflächig ein Mittel aus vergangener Generation versprüht werde, könne dies zu Problemen führen. «Wir fordern deshalb eine allgemeine Reduktion der Pestizide.»

Auch Greenpeace Schweiz bläst ins selbe Horn. Die Wirkstoffe der drei Pestizide von Bayer und Syngenta schädigten Bienen bereits in geringsten Konzentrationen.

Die Schweizer Regierung müsse jetzt aus ihrer Starre erwachen und diese drei sowie weitere bienengiftige Pestizide sofort verbieten, heisst es auch in der Greenpeace Mitteilung. Die Regierung müsse die Bienen umfassend schützen, nicht die Interessen von Agrar-Konzernen.

Wissenschaftlichkeit der Daten angezweifelt

Der Agrochemiekonzern Syngenta reagiert mit Unverständnis und kritisiert den Entscheid der EU-Kommission zum vorübergehenden Verbot von bestimmten Pestiziden. Der Entscheid basiere auf wissenschaftlich mageren Grundlagen und ignoriere Beweise, dass die Bienen durch die besagten Produkte keine gesundheitlichen Schäden erleiden.

«Die Kommission sollte nun besser die Gelegenheit nutzen, die echten Gründe für den schlechten Gesundheitszustand der Bienen zu ergründen», so Mediensprecher Daniel Braxton in einer ersten Reaktion. Das Bienensterben sei verursacht durch Viren, durch Verlust von Lebensräumen und schlechter Ernährung, schreibt Braxton weiter.

Auch Nadine Degen vom Schweizer Bauernverband ist über die Suspendierung nicht sehr glücklich. «Es gibt im Moment keine wissenschaftlichen Daten, die belegen, dass diese Pflanzenschutzmittel mit dem Bienensterben in Verbindung gebracht werden können.» Bisher habe man auch auf das Zulassungsverfahren vom Bundesamt für Landwirtschaft vertrauen können. Es gäbe zudem Gebiete in welchen es für die Landwirte durch das Verbot zu gravierenden Einschnitten kommen könnte.

Schweiz soll eigenständig entscheiden

Auch der Wirtschaftsverband Scienceindustries zeigte sich überrascht und empört zugleich, zumal das BLW ein allfälliges EU-Verbot schon im Herbst 2013 vollziehen wolle, obschon die EU dies erst auf den 1. Dezember 2013 plant.

«Für die Industrie ist unverständlich, dass die Schweizer Behörden einen allfälligen EU-Entscheid vorziehen, statt wie bisher angekündigt kritisch zu beurteilen», schreibt Beat Moser, Direktor von Scienceindustries. «Die Schweiz soll eigenständig entscheiden, was zu tun ist», so Moser weiter. Für ein Verbot fehlten zum heutigen Zeitpunkt die wissenschaftlichen Grundlagen.

Seit Jahrzehnten nimmt weltweit die Bienenpopulation ab. Die Insekten spielen eine wichtige Rolle bei der Befruchtung von Pflanzen und damit auch für die Landwirtschaft. Eine UNO-Studie aus dem Jahr 2011 geht davon aus, dass Bienen zusammen mit anderen Blütenbestäubern wie Vögel, Käfer oder Schmetterlinge eine Arbeit im Wert von 153 Milliarden Euro verrichten.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

9 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von R. Trösch, Seeland
    Scienceindustries fordert, die Schweiz solle eigenständig handeln, regt sich aber auf, wenn hier die Pestizide bereits im Herbst und nicht wie in der EU erst im Dez. verboten werden. Wegen "mangelnder wissenschaftlicher Grundlagen" auf ein Verbot zu verzichten, würde bedeuten weiter zu gifteln, da die Produzenten offens. keine Grundlagenforschung zu den Auswirkungen ihrer Produkte betreiben. Der Schutz der Bienen müsste allen ein Anliegen sein, denn ohne diese wird die Menschheit verhungern.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von D.Keller, Amriswil
      Glauben sie wirklich, dass bei einem Zulassungsverfahren für ein neues Pflanzenschutzmittel bei dem die Bienen beeinträchtigt werden, eine Bewilligung erteilt wird? Wir sind hier nicht in einem Entwicklungsland!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      "Der Schutz der Bienen müsste allen ein Anliegen sein",wobei Bienen ein zu allg. Begriff ist. Es bestäuben nicht nur Honigbienen, sondern auch Wildbienen, allein in der CH ca. 600 Arten, 1/2 davon stark gefährdet, Schmetterlinge,die wir bis auf ein paar triviale Arten im Mittelland u. zunehmend auch in den Bergen ausgelöscht haben, Aber100e von Wespen-, Käfer-, Fliegenarten usw. Sie alle werden von diesen Giften immungeschwächt, krank gemacht, getötet, genauso wie Mio Vögel jedes Jahr.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von H.-G. Kessler, Reinach
    Biobauern beweisen, dass es auch ohne Beizmittel geht. - Was in dieser Situation auch gesagt werden muss: Die Beforschung naturverträglicher Alternativen für den Umgang mit Schädlingen wird zu einem guten Teil privater Initiative überlassen. Aber weil sich damit nur wenig Geld verdienen lässt, geschieht hier viel zu wenig. Dabei zeigen die Resistenzen bei den synthetischen Pestiziden, dass sie auch aus dem Blickwinkel der Effizienz langfristig ein Auslaufmodell sind.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      Dass der einheim.Biolandbau den richtigen Weg weist, habe ich in meinem untenstehenden Beitrag auch erwähnt. Die Resistenzen zeigen sich im Übrigen nicht nur in Pestiziden, sondern auch in Herbiziden (auch bei GT eingebauten) u.bei Antibiotika. Die Streichung der Tierbeiträge ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Nur müssten endlich auch die Konsumenten nachziehen, ihren Fleisch/Wurstkonsum auf max. 3x/Woche reduzieren, einheim., tier.+pflanzl.Knospenprodukte berücksichtigen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von D.Keller, Amriswil
      Das Fibl wird vom Bund zum Einen pauschal bezahlt, zum andern müssen Projekte vom Bund bewilligt werden, dass weitere Mittel ausgelöst werden können. Funktioniert überall so in der Forschung mit Bundesbeteiligung. Bei Resistenzen von Unkraut und Schädlingen verhält es sich wie in der Humanmedizin: Mit der Forschung entstehen neue Medikamente und mit diesen, neue Resistenzen. Das ist ein ganz natürliches Rennen der Evolution. Ohne diese Forschung hätten wir eine Lebenserw. von vielleicht 50 Jahre
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      "ein ganz natürliches Rennen der Evolution" Würde es so formulieren:"ein unaufenthaltsames Rennen in die totale Degeneration" Wissen Sie, D.Keller, es war hauptsächlich die Erkenntnis der Hygiene, welche uns gesünder und älter werden liess. Wie wir alle mittlerweile feststellen, Praxen und Spitäler sind voll von Zivilisationskrankheiten, Nebenwirkungen von Medikamenten, Allergien durch chron. Umwelt-und Lebensmittelvergiftungen, allenfalls noch Unfälle und psychiatrische Fälle.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Marianne R., Gwatt
    Es ist ein guter Entscheid des Bundesrats. Hier muss endlich die Natur respektiert werden. Der Film "more than Honney" (der Film ist deutsch gesprochen) zeigt höchst eindrücklich welches Wunder die Bienen-Völker auf der Welt vollbringen und wie die Industrie sie mit den Pestiziden rücksichtslos umbringt. Er zeigt aber auch, wie man es machen sollte und kann.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen