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Schweiz Pflegende warten auf den Fachausweis

In der Langzeitpflege fehlt es massiv an Personal. Hoffnung macht seit 2010 die Ausbildung Fachfrau/Fachmann Langzeitpflege. Viele haben die Ausbildung besucht, könnten nun voll eingesetzt werden. Aber sie haben noch immer keinen eidgenössischen Fachausweis – weil es keine Prüfung gibt.

Pfleger hilft Patient im Rollstuhl
Legende: Ausgebildete Pfleger können derzeit wegen Verbandsstreitigkeiten noch nicht zur Prüfung. Keystone

Erika Kirchen leitet das Pflegeheim Hofmatt im bernischen Uettligen. Auch sie hat auf die neue Ausbildung gehofft. Denn ihr fehlt immer wieder qualifiziertes Personal. Sie musste schon Zimmer schliessen, weil sie zu wenig qualifizierte Leute hatte.

100 Ausgebildete warten auf Prüfung

Eine ihrer Mitarbeiterinnen arbeitet schon lange im Heim und wollte den vom Kanton geforderten Ausweis nachholen: «Die Frau hat die Ausbildung gemacht, aber sie kann nicht zur Prüfung. Sie wartet seit 2012 darauf, dass sie diese ablegen kann.»

Auch in anderen Kantonen sind solche Prüfungen für einen Fachausweis nötig. Tatsächlich läuft die Ausbildung seit 2010. Um die 100 Personen haben sie absolviert. «Das heisst, man hat ein Potential an Leuten, die das Niveau erreichten, die das könnten. Aber man lässt sie nicht zur Prüfung», ergänzt Erika Kirchen.

Verbandsstreit blockiert Prüfungsinhalt

Die Ausbildung organisiert der Gesundheitsverband Organisation der Arbeit ODA Santé mit anderen Verbänden. Geschäftsführer Urs Sieber bestätigt, dass noch immer keine Prüfungen abgelegt werden können: «Den Ärger kann ich gut verstehen. Man weiss ja vermutlich auch nicht, wie die Prozesse insgesamt für die Entwicklung einer solchen Berufsprüfung laufen.» Denn es ist kompliziert.

Die verschiedenen Gesundheits- und Sozialverbände waren sich nicht einig, wer über den Prüfungsinhalt mitbestimmen darf. Viele Verbände sind dabei, viele wollen und dürfen mitreden – das erlaubt das Bildungsgesetz.

Erste Fachausweise Ende 2016

Der Bund hat bei diesen eidgenössischen Prüfungen und Fachausweise die Aufsicht. Hätte er nicht mehr Druck auf die Verbände aufsetzen sollen, damit die Pflegenden und die Heime nicht so lange auf die Fachausweise warten müssen?

Josef Widmer, stellvertretender Direktor vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation sagt: «Selbstverständlich kann man Druck aufsetzen. Aber es ist entscheidend, dass es nachher auch funktioniert. Es nützt niemandem etwas, wenn wir drei Jahre eine Prüfung haben, und dann gibt es sie nicht mehr.»

Immerhin ist bei der Ausbildung für Langzeitpflege nun eine Einigung in Sicht. Ende 2016 soll es die ersten Prüfungen geben. Die zahlreichen Abgänger werden kaum Mühe haben, Arbeit zu finden. Sie werden von den Heimen sehnlichst erwartet.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Siegenthaler Katharina, Bern
    DER WEG IST DAS ZIEL!!! Seit JAHREN KLAGT DIE SCHWEIZ ÜBER FACHPERSONAL-MANGEL!! Wo ist das Konzept??? einer solchen Ausbildung? ZIEL +INHALTE, WIE PRAXIS müssen korrespondieren und EIN ABSCHLUSS ist wichtig bei der heutigen Qualitätskontrolle??? Die verantwortliche Frage ist nicht, wie ich mich aus der Affäre ziehe sondern wie eine kommende (oder älter werdende) Generation überleben soll. D.Bonhoeffer Wann erwachen wir zu neuem ZIVIL- COURAGE!! Eines stirbt zuletzt die Hoffnung!!
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  • Kommentar von Peter Patzen, Bonaduz
    Unser Beamtenapparat unterscheidet sich kaum vom griechischen! Höchste Zeit einmal gründlich auszumisten!
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  • Kommentar von Brigitte Ackermann, Murten
    Auch meine Kollegin hat Zeit, Nerven und Geld in diese Ausbildung investiert. Einen Abschluss erst in 2016? Für sie zu spät. Sie ist vor ein paar Tagen verstorben. Den gewünschten Abschluss gibt es nun für sie nicht mehr. Die Querelen unter den Beteiligten verteuern auch das Gesundheitswesen. Leidtragend sind die ausgebildeten Fachkräfte und die Patienten. Wo führt das noch hin?
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