Positive Vorzeichen für Schweizer Korruptions-Meldestelle

Im Kampf gegen Korruption hat das Bundesamt für Polizei diese Woche eine Onlineplattform mit der Möglichkeit für anonyme Meldungen lanciert. Langjährige Erfahrungen mit einer vergleichbaren Melde-Plattform hat das deutsche Bundesland Niedersachsen. Und diese sind für die Schweiz vielversprechend.

Korruptionsbekämpfung per Internet

3:24 min, aus Echo der Zeit vom 19.09.2015

Wer Kenntnis von oder einen Verdacht auf Korruption hat, kann dies seit vergangenem Dienstag bei einer neuen Anlaufstelle des Bundes melden. Da Mitwisser sich aus Angst vor beruflichen Konsequenzen in der Regel scheuen, Anzeige bei der Polizei zu erstatten, hat Niedersachsen bereits vor 12 Jahren ein anonymes Meldesystem eingeführt.

Und die Zahl der eingehenden Meldungen ist für das Bundesland mit einer ähnlichen Einwohnerzahl wie der Schweiz beachtlich: Das anonyme elektronische System erfasse jährlich 50 bis 60 Hinweise, sagt Landeskriminalamts-Sprecher Frank Federau in einem Interview mit dem «Echo der Zeit»: «Sehr häufig ist an den Meldungen etwas dran und wir können damit erfolgreich Korruption bekämpfen.»

Mechanismus gegen Denunziantentum

Analog zur nun vom Bundesamt für Polizei /Fedpol) aufgeschalteten Schweizer Meldeplattform bietet auch das System in Niedersachsen der Polizei die Möglichkeit, die Melder trotz Anonymität zu kontaktieren.

Über einen elektronischen Briefkasten, der auf Wunsch die Identität auch den Ermittlungsbehörden nicht zugänglich macht.

«Das ermöglicht uns, Nachfragen zum Sachverhalt zu stellen und damit auch Denunziantentum zu minimiseren», sagt Federau. Meldungen, die lediglich dazu dienten, jemanden anzuschwärzen, würden so aussortiert.