Postaufsicht vermisst klare Strategie für Filialnetz

Die Postaufsichtsbehörde PostCom ruft den Gelben Riesen zu einer transparenteren Strategie bei der Umwandlung von Poststellen in Agenturen auf. Nötig sei jetzt eine regionale und differenzierte Gesamtsicht zum Schutz der Randregionen. Fast 100 Filialen waren im letzten Jahr betroffen.

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Bildlegende: Immer häufiger anzutreffen: Post im Laden – in der Landi-Filiale im bernischen Oberbalm. Keystone/Archiv

Vor einem Abbau des Service Public warnte die Service-Public-Initiative, die das Stimmvolk vor einer Woche deutlich abgelehnt hat. Ein Dorn im Auge war den Initianten auch, dass Poststellen immer häufiger durch Postagenturen im Dorfladen ersetzt werden.

Im vergangenen Jahr wurden 98 Poststellen abgebaut und deren 75 in Agenturen umgebaut. Für die Kundschaft blieb damit unter dem Strich fast dasselbe übrig. Dieses Argument war auch im Abstimmungskampf immer wieder betont worden.

PostCom fordert klare Strategie

Die eidgenössische Postkommission (PostCom) übt nun zumindest leise Kritik an der Schliessung von Poststellen: Die Gründe für eine Schliessung oder den Umbau einer Poststelle seien zu wenig transparent. Eine Filiale werde beispielsweise geschlossen, weil gerade der Leiter pensioniert wird.

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Bildlegende: Post-Com-Präsident Hans Hollenstein plädiert für den Schutz der Randregionen. Keystone/Archiv

Das genüge nicht mehr, erklärt nun Hans Hollenstein, Präsident der Aufsichtsbehörde. Die Post dürfe künftig nicht mehr quasi nach dem Zufallsprinzip handeln, sondern müsse mehr strategisch denken. Und er appelliert an die Postchefs: «Macht jetzt regionale Gesamtbetrachtungen. Das wird wahrscheinlich viel Staub aufwirbeln. Der Zeitpunkt ist nun aber gekommen, wo wir nicht einfach so scheibchenweise Poststellen umwandeln dürfen.»

«  Der Zeitpunkt ist gekommen, wo wir nicht einfach so scheibchenweise Poststellen umwandeln dürfen. »

Hans Hollenstein
Präsident der Eidgenössischen Postkommission PostCom

Eine weitere Kritik betrifft die Erreichbarkeit. Also die Frage, wie viele Menschen wie schnell Zugang zu einer Poststelle haben. Zwar erfüllt das Unternehmen laut PostCom hier die Vorgaben. Das sei allerdings auch kein Wunder, weil diese gut erfüllbar seien. So müssen 90 Prozent der Bevölkerung innerhalb von 20 Minuten zu Fuss oder mit dem öffentlichen Verkehr eine Poststelle oder eine Agentur erreichen.

Differenzierte regionale Gesamtsicht nötig

Doch auch wenn die Post die 90-Prozent-Schwelle übertrifft, so ist dies auch nur ein Durchschnittswert. Dieser wird über die Jahre sogar noch steigen, da immer mehr Menschen aus abgelegenen Gebieten wegziehen. Von solchen Durchschnittswerten hat als etwa die Bewohnerin nichts, die weiter in ihren Tessiner Seitental bleibt.

Da müsse die Post ein Auge drauf haben, mit Blick auf die Aufrechterhaltung des Service Public, so die Kommission. «Wir müssen die Bevölkerung auch in den Randregionen schützen», betont Hollenstein. Die 90-Prozent Vorgabe soll also regional differenziert werden, statt alles landesweit über den gleichen Leisten zu schlagen.

Was bringt die neue Postwelt?

Der Postmarkt werde sich massiv verändern, hält die PostCom fest: Neue Anbieter liefern Pakete aus, etwa Online-Verkäufer wie Amazon oder der Taxidienst Uber. Auch die Detailhändler, die bereits heute Ware an die Haustüre liefern, werden vielleicht auf einmal Pakete ausfahren.

Das Problem dabei ist, dass die meisten dieser Unternehmen in den meisten Fällen nicht als Postdienstleister registriert sind. Im Gegensatz zu den registrierten Anbietern wie der Post und den privaten Anbietern müssen sie nicht strenge Auflagen erfüllen. Hier will die PostCom nun abklären, ob nicht allenfalls die Gesetz angepasst werden müssen.