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Schweiz Preisüberwacher fordert billigere Medikamente

Stefan Meierhans ist es leid, dass Medikamente in der Schweiz überdurchschnittlich viel kosten. Vor allem bei Generika sieht er Handlungsbedarf. Vom Bundesrat kann er sich nicht allzu viel Unterstützung erhoffen.

Nahaufnahme Hand mit mehreren Tablettenfilmen.
Legende: Bis zu 60 Prozent teurer: Für Preisüberwacher Stefan Meierhans sind die hohen Medikamentenpreise inakzeptabel. Keystone

Generika sind in der Schweiz so teuer wie nirgends sonst in Europa. Nun verliert der Preisüberwacher langsam die Geduld mit der Politik. Es müsse dringend gehandelt werden, um diesen Missstand zu beheben, fordert Stefan Meierhans.

Untersucht hat der Preisüberwacher die Preise der 20 umsatzstärksten Wirkstoffe in der Schweiz und in 15 europäischen Ländern. Stichmonat war der August 2016. In den Vergleichsländern kosten die patentfreien Originalpräparate nur halb so viel wie in der Schweiz, wie der Preisüberwacher in seinem Newsletter mitteilte.

Generika: + 60 %

Noch ausgeprägter sind die Preisunterschiede bei den Generika. Durchschnittlich kostet ein Generikum in den 15 europäischen Ländern rund 60 Prozent weniger als in der Schweiz. Keines der Vergleichsländer weise derart hohe Generikapreise aus wie die Schweiz.

Auslage in der Apotheke mit Generika-Medikamenten.
Legende: Mit einem neuen Vergütungssystem will der Preisüberwacher vor allem Generika attraktiver machen. Keystone

Damit seien Medikamente in der Schweiz rund doppelt so teuer wie in Europa, kritisiert der Preisüberwacher. Angesichts der hohen Preise schlägt er eine Reihe von Massnahmen vor. Als wichtigste fordert er einen Wechsel vom heutigen Vergütungssystem mit Selbstbehalt zu einem Festbetragssystem. Aus seiner Sicht hat sich dieses in zahlreichen Ländern bereits bewährt.

In einem solchen System haben Patienten laut Meierhans verstärkt Anreize, günstige Präparate zu beziehen, die ihnen vollständig vergütet werden. Für die Pharmafirmen könne es sich lohnen, ihre Preise auf oder unter den Festbetrag zu reduzieren, um so für die Patienten attraktiver zu werden.

Neues Modell nicht vor 2019

Es ist nicht das erste Mal, dass der Preisüberwacher die Medikamentenpreise ins Visier nimmt. Bereits seit mehreren Jahren fordert er regulatorische Massnahmen, um die steigenden Kosten in den Griff zu kriegen.

Der Preisüberwacher bedauert, dass der Bundesrat nicht vorwärtsmache. Dieser habe bereits im Sommer 2014 die Einführung eines Festbetragssystems angekündigt. Nach dem Willen der Regierung soll das neue Modell allerdings nicht vor 2019 in Kraft treten.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Kurt Meier (Kurt3)
    Im Ausland kosten patentfreie Originalprodukte 60% weniger als in der Schweiz . Was ist ein patenfreies Originalprodukt ? In der Regel ein älteres Medikament , dass jeder als Generikum verkaufen kann.Es fehlt ein Preisvergleich , mit neuen innovativen Medikamenten , die sind in der Regel im Ausland nicht viel billiger ! Das Grundproblem mit mit den Genericapreisen liegt etwa 40 Jahre zurück . Damals musste ein Generikum nur 25% billiger als das Original sein .
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  • Kommentar von Bruno Hochuli (Bruno Hochuli)
    Leider ist Herr Berset , man könnte sagen"ein Rohrkrepierer". Bis jetzt hat er die Aerzte und die Pharmaindustrie sehr geschont. Ich glaube, er hat gar nicht die Macht dazu, etwas zu bewirken. Das dumme ist nur, die Bevölkerung zahlt sich dumm und dämlich an den bald nicht mehr bezahlbaren Krankenkassen und Aerzte Rechnungen. Leider muss sich auch das Volk selber an der Nase nehmen.
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    1. Antwort von Kurt Meier (Kurt3)
      @ Hochuli , wissen Sie , wie hoch die Medikamtenkosten in den gesamten Gesundheitskosten zu Buche schlagen ? Es sind 9,1% . Aber ich gebe Ihnen Recht. Das Volk muss selbst an der Nase nehmen . Luxusmedizin , viel zu Spitäler , die alle Diagnostik auch in der Kleinstadt anbieten , all das kostet . Klar ist es einfacher , etwas herauszu Picken , auch wenn es weniger als 10% vom Kuchen ist . Man braucht halt einfache Feindbilder fürs Volk .
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Meierhans übt Pflästerlipolitik. Fakt ist, dass die Schweiz de facto Grauimporte verbietet. Das ist nicht nur bei Medikamenten so (Bayer etwa setzt den Einkaufspreis für CH-Apotheken höher an, als in Deutschland den Verkaufspreis), sondern auch bei Autoersatzteilen (Chrysler Blinkerschalter: EU: 68 Euro, Schweiz 892(!!!) CHF), Büchern, etc. Der Hebel muss ganz wo anders angesetzt werden. Vorschlag: EU-Durchschnittspreis + 20%, ansonsten sind Grauimporte erlaubt.
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