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Schweiz Quote für Schweizer Kinder in baselstädtischen Schulen

Ein Drittel der Kinder pro Schulklasse soll Schweizerdeutsch sprechen. Das will eine Motion im Kanton Basel-Stadt. Für eine bessere Integration seien ein Drittel Schweizer Kinder allerdings zu wenig, sagt ein Experte.

Die Idee für den Vorstoss hatte die SP-Parlamentarierin Sibylle Benz Hübner. Sie macht sich Sorgen um die soziale Durchmischung der Schulklassen, darüber, dass es in einigen Schulen kaum Schweizer Kinder und in anderen fast nur ausländische gibt. Optimale Bildungschancen hätten Kinder dann, wenn sie die Sprache ihres Lebensraums möglichst gut sprechen würden, sagt Benz Hübner. «Erreichen kann man das dadurch, dass nicht zu viele Kinder einer Sprachgruppe in einer Klasse zusammen sind.»

Konkret fordert Sibylle Benz Hübner in ihrem Vorstoss zwei Dinge: Erstens, dass in keiner Schulklasse mehr als 30 Prozent der Kinder die gleiche Fremdsprache sprechen und zweitens, dass der Anteil deutschsprachiger Kinder pro Klasse mindestens einen Drittel beträgt. Damit stösst Sibylle Benz Hübner bei den anderen Parteien auf offene Ohren.

Für SVP-Parlamentarier Joel Thüring ist es überraschend, dass der Vorstoss aus der Küche der SP kommt, er stellt sich jedoch vorbehaltlos hinter das Anliegen: «Für eine Integration von Ausländern ist eine solche Quote von maximal 30 Prozent pro Fremdsprache sinnvoll, weil der kleinste gemeinsame Nenner dann Deutsch sein wird.»

Experten nicht überzeugt

In Expertenkreisen ist umstritten, ob eine Quote von 30 Prozent deutschsprachigen Kindern pro Schulklasse Sinn macht. So sagt Stephan Wolter, der Direktor der Koordinationsstelle für Bildungsforschung: «Es sollte verhindert werden, dass mehr als 20, maximal 30 Prozent fremdsprachige Kinder in einer Klasse sind. Das heisst, wenn die Quote von 30 Prozent Deutschschweizer Kindern in einer Klasse erreicht wird, wären immer noch 70 Prozent fremdsprachige Kinder.»

Aus Sicht der Bildungsforschung sei dies immer noch ein zu hoher Anteil fremdsprachiger Kinder in einer Klasse.

Widerstand von Eltern vorprogrammiert

Grundsätzlich positiv steht Beat Zemp einer Quote gegenüber. Er ist der Zentralpräsident des Dachverbandes der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer. Er hält dies für sinnvoll, wenn in einer Klasse Kinder mit mehrheitlich fremdsprachiger Herkunft Schweizerdeutsch lernen sollten.

Zemp hat allerdings auch Bedenken: «Wenn diese Quote in allen Klassen erfüllt sein muss, wird es vermehrt zu Umteilungen von Schülerinnen und Schülern kommen. Es ist auch mit Widerstand der Eltern zu rechnen.»

Die baselstädtischen Behörden möchten sich noch nicht zur Forderung nach einer Schweizerdeutschquote an den Schulen äussern. Sie wollen erst Stellung nehmen, wenn das Thema im Kantonsparlament behandelt wird.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Armin Hug, Kreuzlingen
    Der Widerstand von den Eltern von all den gut behüteten Kinder aus den Einfamiliensiedlungen, die sich bislang um die Probleme der Familien in der Stadt nicht gekümmert haben. Richtig so, erst wenn diese Leute merken, was für Probleme die Familien in den ärmeren Vierteln der Stadt haben, werden gegenüber der ungebremsten Zuwanderung sensibel.
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    1. Antwort von Daniel Griesser, Winti
      Das Land wählt eher rechts, die Stadt links. Ich glaube nicht, dass die Eltern in den Einfamiliensiedlungen die Problematik verkennen. Aber sie würden mit Annahme des Vorstosses mit der Problematik sehr direkt betroffen.
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    2. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      Fromme Wünsche, die kaum Gehör finden können. (smile)
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  • Kommentar von Daniel Griesser, Winti
    Dass dieser Vorstoss aus den Reihen der SP kommt, irritiert. Gerade die Linke steht der der Asylpolitik und der Zuwanderung ja unkritisch gegenüber und verurteilt kritische Einwände als Rechts, oder gar Rechtsextrem. Es ist ein indirektes Eingeständnis der SP, dass ihre bisherige Integrationspolitik gescheitert ist. PS: Mit erbittertstem Widerstand seitens der Eltern müsste bei Annahme gerechnet werden. Die Privatschulen werden die lachenden Dritten.
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    1. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      Man dürfte öffentlich+unverblümt endlich zugeben,die Multikultigesellschaft+Integration,so wie sie seit über einem Jz praktiziert wird,ist gesamthaft als gescheitert zu betrachten.Unkontrolliert,in zu hohem Tempo,zu viele,sowohl mengenmässig,als auch betreffend inkompatible Kultur+falsch verstandene Religionsfreiheit.Ursache:eine kurzsichtige Migrations-,Asyl-+Bildungspolitik,ausgenutzt durch die Wirtschaft. Vorgängige Warnungen aus Politik+Volk wurden als ausländerfeindlich abgetan.
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    2. Antwort von R. Trösch, Seeland
      Dass der Vorstoss von der SP kommt zeigt, dass diese das Problem nicht unkritisch sieht. Sie sollten nicht vergessen, dass es wirtschaftsfreundliche Kreise/Parteien sind, die Zuwanderung von Arbeitskräften fördern (hat wenig mit Asylpolitik zu tun). Dass man eine Quote von 30% CH Kindern sichern muss ist aber wirklich alarmierend, es zeigt deutlich, dass der Multikulti-Globalisierungs-Wahnsinn schlussendlich zum Verlust der eigenen Identität führen wird.
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    3. Antwort von Daniel Griesser, Winti
      @R.Trösch Es sind selten die Kinder von qualifizierten Fachkräften, die unser Bildungssystem belasten. Es sind die Kinder von bildungsfernen Eltern. Kinder von Asylsuchenden werden auch eingeschult - normalerweise in eine ganz normale Regelklasse. Solche Kinder sind eine grosse Belastung & mit einem riesigen Arbeitsaufwand für die Lehrperson verbunden. Aufwand und Ertrag stehen oft in krasem Missverhältnis. Ich stimme überein, wir werden unsere Identität verlieren, wenn es so weitergeht.
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    4. Antwort von Max Bader, Basel
      @R. Trösch, Alleine die Sprachen Kurdisch, Türkisch, Albanisch, Serbokroatisch und Tamilisch werden von 30% der Kinder als Muttersprache benutzt. Diese Gruppen sind praktisch alle geflüchtet, nachher kam der Familiennachzug. Vor 1980 lebten in Basel praktisch nur Schweizer und Südeuropäische Gastarbeiter. Der Familiennachzug aus diesen Ländern muss endlich drastisch zurückgebunden werden, damit man noch reden kann, was zu retten ist.
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  • Kommentar von Beppie Hermann, Bern
    30% Schweizerkinder... umgekehrt müsste es sein, 70% Schweizer und max. 30%, besser noch 10-20% Ausländer. Aber wahrscheinlich gibts in Basel zu wenige oder bald keine CHer Kinder mehr wie hier in der Agglomeration Bern. Das Bevölkerungswachstum ist ja hauptsächlich der Einwanderung und der hohen Geburtenrate der Ausländer zuzuschreiben. Auch eine Folge der PFZ und der verfehlten Asylpolitik.
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    1. Antwort von Max Bader, Basel
      Herr Herrmann, auch wenn die PFZ und das Asylwesen riesen Probleme sind, so ist es in Basel in erster Linie der Familiennachzug. Noch immer kommen Tausende Türken,.Kurden und Albaner jedes Jahr in die Schweiz. Die Integration beginnt damit jedesmal von vorne und diese Familien sind dann noch kinderreich. In Basel-Stadt haben noch rund 50% der Kinder Muttersprache Deutsch. Davon leben viele in Riehen und Bettingen. Eine 70 zu 30 Quote ist deshalb nicht möglich.
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