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Schweiz Rechenspiele mit Folgen: Ein Zinssatz und unsere Rente

Im Herbst legt der Bundesrat den Mindestzinssatz für unsere Renten in der beruflichen Vorsorge fest. Auch davon hängt ab, wie hoch unsere Renten dereinst sein werden. Die Arbeitgeber pochen auf Senkung des Zinssatzes – die Gewerkschaften legen das Veto ein.

Ein älteres Paar sitzt auf einer Parkbank und schaut in die Ferne.
Legende: Kleine Formel mit grosser Wirkung: Wer am Mindestzinssatz schraubt, schraubt an den Renten. Keystone

In die berufliche Vorsorge zahlen Arbeitnehmerinnen und Arbeitgeber gleich hohe Lohnbeiträge ein; als dritter Beitragszahler wird oftmals der Zins bezeichnet. Denn: wenn die einbezahlten Beträge höher verzinst werden, können die Pensionskassen höhere Renten bezahlen. Umgekehrt, wenn die Zinsen tief sind – so wie jetzt – fällt es den Pensionskassen schwerer, genügend Rendite zu erwirtschaften.

Mit sicheren Anlagen, etwa Bundesanleihen, ist derzeit nichts zu holen. Deshalb ist für den Direktor des Arbeitgeberverbandes, Roland Müller, klar: «Man darf nicht übertreiben, denn es geht nicht um einen Wettbewerb der Ertragserwirtschaftung.» «Umfeldbezogen» sei es richtig, den Zinssatz zu korrigieren – und zwar nach unten, konkret um ein halbes Prozent: «Man sollte ihn auf 1,25 Prozent festlegen.»

Denn ein zu hoher Mindestzins würde die Gefahr steigern, dass Pensionskassen in Unterdeckung gerieten und saniert werden müssten, befürchtet Müller.

«Der Mindeszinssatz soll bleiben, wie er ist»

Die Gewerkschaften argumentieren anders: Die Pensionskassen würden viel mehr Rendite erwirtschaften als nur den festgesetzten Mindestzins. In acht der letzten zehn Jahre seien die Erträge deutlich über dem Zielwert gelegen, letztes Jahr zum Beispiel hätten die Pensionskassen im Schnitt fast acht Prozent Rendite erwirtschaftet, dies bei einem Mindestzins von 1,75 Prozent.

Matthias Kuert vom Arbeitnehmer-Verband TravailSuisse nimmt Stellung: «In den letzten Jahren vor allem Immobilien und Aktien zu einer guten Performance bei den Pensionskassen beigetragen.» Die Formel, die der Bundesrat jetzt habe, werde dem nicht gerecht, moniert Kuert: «Und dementsprechend fällt der Mindestzinssatz immer zu tief aus. Wir fordern deshalb: Der Mindestzinssatz soll so bleiben, wie er ist. Und gleichzeitig soll die Formel an sich noch einmal überprüft werden.»

Pensionskassen diversifizieren ihre Anlagen

Die jetzige Berechnungsformel berücksichtigt laut Gesetz in der Tat «insbesondere Bundesobligationen, sowie zusätzlich Aktien, Anleihen und Liegenschaften.» Die meisten Pensionskassen haben aber derzeit ihre Anlagen bereits stärker diversifiziert und neben Bundesobligationen grosse Anteile ihres Vermögens in andere Anlagekategorien angelergt, auch im Ausland.

So erzielen sie im Schnitt deutlich höhere Erträge. Von einem zu tiefen Mindestzins würden in erster Linie die privaten Versicherunsggesellschaften profitieren, sagt Arbeitnehmervertreter Kuert: Diese müssten ihren Versicherten nur den gesetzlichen Mindestzins weitergeben und könnten höhere Gewinne an ihre Aktionäre ausschütten.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Steiner (pcsteiner)
    Zur Erinnerung... Letztes Jahr haben die Pensionskassen eine Rendite von 7.7% erwirtschaftet... Es ist eine Frechheit, was die Versicherungen mit unseren gebundenen Geldern tun können! Ich zweifle langsam aber sicher an unserem Rechtsstaat. Es wird nur noch auf das Wohl der Wirtschaft geschaut. Der Mensch steht hinten an und ist nur noch eine der paar Ressourcen die die Wirtschaft braucht.
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  • Kommentar von Christoph Heierli (help)
    @Peter Schlemihl / Kapstadt Unsere Renten sind und waren nie in Gefahr. Besonder auch wegen dem Umlageverfahren in der AHV. Ich möchte Ihnen nichts unterstellen, könnte es jedoch sein, dass Sie in der Finanz/ Versicherungsbranche tätig sind. Seit wann sind denn Versicherungen und Banken so sehr an.der Sicherung der Renten interessiert? Warum muss denn immer über die Rente gesichert werden? Weil die Privatwirtschaft keine Beitragserhöhungen akzeptiert ...oder?
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  • Kommentar von Peter Schlemihl Wrobel (Peter Schlemihl)
    Es geht darum unsere Renten langfristig zu sichern. Das betrifft vor allem die Jungen. Deshalb ist es wichtig und richtig den Mindestzinssatz zu senken.
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