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Schweiz «Reclaim the Streets»: «Wir nehmen uns, was uns gehört»

Bis zu 200 Krawallmacher zogen gestern Nacht durch die Strassen von Zürich und richteten enormen Schaden an. Zur unbewilligten Demonstration aufgerufen hatte die Bewegung «Reclaim the Streets». Stadtgeographin Sara Landolt über die Gruppierung, die die Strassen zurückerobern will.

Legende: Video «Verletzte und hoher Sachschaden nach Krawallen in Zürich» abspielen. Laufzeit 0:59 Minuten.
Aus Tagesschau vom 13.12.2014.

An der unbewilligten Demonstration zogen in der Nacht auf Samstag gegen 200 grösstenteils vermummte Personen durch Zürich. Mehrere Polizisten wurden verletzt, der Sachschaden ist gross.

Im Protestzug wurde ein Transparent mit der Aufschrift «Reclaim the Streets» («Holt euch die Strasse zurück») mitgetragen. «Wir nehmen uns heute die Strasse, um ein Zeichen zu setzen gegen die fortschreitende Stadtaufwertung» und die Zerstörung alternativer Projekte, heisst es in einem Aufruf auf der Internetseite Indymedia.

Gewalt statt Tanz

«Reclaim the Streets» verstehe sich eigentlich nicht als eine gewaltbereite Bewegung, meint die Stadtgeographin Sara Landolt, die an der Uni Zürich zum Thema Jugend und Stadtleben forscht. Die Bewegung zeichne sich eher dadurch aus, dass sie Musik und Tanzparties mache. Die Idee von «Reclaim the Streets» sei Partizipation, Freude und der Wunsch nach nicht-kommerziellen Ausgangsmöglichkeiten.

In dem Aufruf seien auch die klassischen Anliegen von «Reclaim the Streets» aufgelistet: Mitgestaltung der Stadt, Forderung nach Raum in der Stadt, Proteste gegen zu teure Wohnungen usw. Dass man aber eine Stadt attackieren soll, dieses Wording beinhalte eine gewisse Gewaltbereitschaft.

«Dieses Mal hatte es von Anfang an einen Demo-Charakter. Es war keine Tanzparty», sagt Landolt im «Echo der Zeit». Die Frage sei, ob es sich um Mitläufer handle. Nach ihrem jetzigen Wissensstand sei jedoch die ganze Gruppe gewalttätig gewesen. «Das ist neu und kann nicht so einfach erklärt werden.»

Es ist nicht das erste Mal, dass es bei «Reclaim the Streets»-Veranstaltungen zu Gewalt kommt. Bereits 2010 lief in Zürich eine Veranstaltung völlig aus dem Ruder. Man müsse nun aber aufpassen, dass man nicht von diesen 200 bis 300 beteiligten Personen auf die gesamte Jugend von heute in der Schweiz und in den Städten schliesst, sagt Landolt.

Verletzte und Schäden

Sieben verletzte Polizisten, ausgebrannte Autos, geplünderte Geschäfte und Sachschaden von mehreren hunderttausend Franken: Das ist die vorläufige Bilanz der unbewilligten Demonstration in Zürich in der Nacht auf Samstag. Hier mehr dazu.

88 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Knecht, Torny
    «Reclaim the Streets», «Cops», «Police», waren das wirklich Einheimische die da randalierten oder "einfach" geübte Krawalltouristen aus dem englischen Sprachraum?
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  • Kommentar von Hans Knecht, Torny
    «Wir nehmen uns, was uns gehört» und wer entscheidet was wem gehört? Wie Diebe hingehen, fremdes Eigentum in Besitz nehmen und zerstören ist gesellschaftlich destruktiv.
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  • Kommentar von Rolf von Arx, 4600 Olten
    Ja man kann das nicht gut heissen, aber man kann auch nicht die Abzocker und Steuerhinterzieher gut heissen und noch weniger die das Sozialwesen vernichten wollen und die sitzen im oberen bereich. Dann passieren eben solche Sachen.
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    1. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Wenn ein Pöbel randaliert, plündert, zerstört & mittlerweile in Kauf nimmt, dass dabei Menschen getötet werden, ist es schon ein riesiger Unterschied zu Abzockern, Steuerhinterziehern usw. Klar ärgern Ungerechtigkeiten. Aber man könnte auch friedlich dagegen protestieren. Durch Unrecht gegen Ungerechtigkeiten zu reagieren ist 1. sehr dumm & 2. nicht tolerierbar, sehr primitiv & ein absolutes NO GO!
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    2. Antwort von Rolf Bolliger, Orpund
      Sie "Rolf von Arx", sitzen offensichtlich im ideologisch "richtigen" Boot: Solche Kommentare müssten eigentlich das gesellschaftliche Netiquette im gröbsten Masse verletzt haben und nicht aufgeschaltet werden! Meine 4-fache Empörung und Ruf nach harten Folgen für die Vandalen, landeten ALLE im Papierkorb! Uebrigens: Niemand, nicht einmal die verhasste SVP, will das "Sozialwesen vernichten"! Wer nach besseren Kontrollen im ausufernden Sozialwesen ruft, ist kein "Vernichter", Herr von Arx!
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    3. Antwort von Charles Dupond, Vivis
      @Bolliger - Und wer bestimmt "das gesellschaftliche Netiquette"? Der Papst? Die ketzerische Theokratie? Der "Bischof" der evangelikalen Freikirchen? Der Zentralrat? Der Lohnsklavenhalterverein? Die AllianceF? Die Alliance Sud und die angeschlossenen Zwangsmissionierungs- und sozialen Diktaturvereine? Blocher? oder Sie? Oder eine unheilige Allianz der Genannten, die hinter den Kulissen schon lange verheimlichten statt angeprangerten wirtschaftlichen und politischen Druck auf die Selbstzensoren d
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    4. Antwort von Rolf Bolliger, Orpund
      Ultralinksextreme (wie Rolf von Arx, Charles Dupond, usw.), betreiben hier im SRF-Forum problemlos weitere Attacken gegen unsere Wirtschaft, leistungsbereite Mitbürger(innen) oder gegen politische Parteien! Der einzige Unterschied: Es enstehen dabei keine weiteren Schäden in Millionenhöhe an fremden Eigentum! Unfähigkeit, Neid, Missgunst und fehlende "Kinderstube" sind reale Gründe, dass es in einem wohlhabenden und wirtschaftlich sehr gut laufendem Land, solche marxistische Extremisten gibt!
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