Bereits Ende Mai teilte Mitte-Nationalrat Philipp Kutter mit, dass er gerne Zürcher Regierungsrat werden möchte. «Ja, ich kandidiere», schreibt er auf seiner Website. Jetzt macht es seine Partei offiziell. Die Nomination durch die Mitte-Delegierten am 1. Juli gilt als reine Formsache.
Er habe mit seiner Familie gesprochen und diese stehe voll hinter seiner Kandidatur, sagte Kutter im Mai. Eine Absprache, die in seinem Fall ein besonderes Gewicht haben dürfte. Denn seit einem Skiunfall 2023 sitzt Kutter im Rollstuhl. Obwohl er vieles wieder selbstständig erledigen kann, ist er im Alltag auf Unterstützung angewiesen.
Seinen Traum, nach dem Unfall wieder laufen zu können, musste er aufgeben. Bei seinen politischen Ambitionen brauchte Philipp Kutter hingegen nicht zurückzustecken. Noch während seines Aufenthalts in der Klinik wurde er wieder in den Nationalrat gewählt. Diesem gehört er seit 2018 an. Zuvor war er während elf Jahren Zürcher Kantonsrat.
Es wäre mir eine Freude und eine Ehre.
Sein Amt als Wädenswiler Stadtpräsident hat Kutter im Frühling 2026 nach 16 Jahren abgegeben. Nun wäre er parat für etwas Neues: «Es wäre mir eine Freude und Ehre, mich für die Menschen im Kanton Zürich einsetzen zu dürfen.» Er habe eine breite politische Erfahrung auf allen Ebenen. Ausserdem habe er als Stadtpräsident Exekutiverfahrung sammeln können und für ein grosses Budget sowie mehrere hundert Mitarbeitende Verantwortung getragen. Im Nationalrat präsidierte er zuletzt die Verkehrskommission.
Rollstuhl nicht als Hindernis
Von seinem neuen Leben im Rollstuhl will er sich nicht behindern lassen. Zwar brauche er im Alltag manchmal Hilfe, in der Politik aber nicht. Er nehme Termine selbstständig wahr und arbeite im gleichen Pensum wie vor seinem Unfall. Verändert habe sich nicht sein Einsatz, sondern sein Blick: «Ich weiss heute noch genauer, wie wichtig Selbstbestimmung, Barrierefreiheit und Vertrauen in die Fähigkeiten eines Menschen sind.»
Philipp Kutter möchte den Mitte-Sitz verteidigen, den bis jetzt Bildungsdirektorin Silvia Steiner innehatte, was nicht einfach werden dürfte. In Zürich werden zwar voraussichtlich vier, möglicherweise sogar fünf Sitze frei. Das hängt davon ab, ob Mario Fehr (parteilos) nochmals antritt. Die Mitte ist in Zürich mit einem Wähleranteil von rund sechs Prozent eine kleine Partei. Und die Konkurrenz ist gross.
Darauf angesprochen, sagt Parteipräsidentin Tina Deplazes, sie sei überzeugt, dass der Kanton Zürich auch künftig eine «starke politische Kraft der Mitte» brauche: «Der Kanton Zürich ist auf lösungsorientierte Politik angewiesen, die verbindet statt polarisiert und Verantwortung für die langfristige Entwicklung unseres Kantons übernimmt.»
Ob die Zürcher Wählerinnen und Wähler dies auch so sehen, entscheiden sie am 4. April 2027.