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Reise nach Abu Dhabi Wie Überflieger Pierre Maudet plötzlich ins Zwielicht geriet

Der Genfer Regierungsrat steht wegen einer umstrittenen Reise in der Kritik. Jetzt äussert er sich erstmals dazu.

Legende: Audio Ungemach für erfolgsverwöhnten Genfer Staatsrat Maudet abspielen. Laufzeit 2:31 Minuten.
2:31 min, aus Rendez-vous vom 17.05.2018.

Pierre Maudet ist ein Überflieger. Er strahlte als Bundesratskandidat für die Nachfolge von Bundesrat Didier Burkhalter in die Kameras und gab fleissig Interviews. Und die Genferinnen und Genfer haben den FDP-Politiker kürzlich mit einem Glanzresultat als Regierungsrat bestätigt.

Nun aber holt ihn eine Geschichte aus dem Jahr 2015 ein: Er reiste damals angeblich privat mit seiner Familie nach Abu Dhabi. Wie Recherchen der «Tribune de Genève» zeigen, zahlte Maudet die Reise allerdings nicht selbst und traf sich mit einem hochrangigen Politiker.

Das Schweigen gebrochen

Er sei ohne Zweifel unvorsichtig gewesen, sagt Maudet heute in einem Interview, das in mehreren Westschweizer Zeitungen publiziert worden ist. Er bricht damit sein tagelanges Schweigen. Maudet räumt ein, dass er seine umstrittene Reise nach Abu Dhabi nicht selbst bezahlt habe. Ein Freund eines Freundes, ein libanesischer Unternehmer vor Ort, sei für die Kosten für den Flug, die Hotelübernachtungen und den Besuch des Formel-1-Grand-Prix für ihn und seine Familie aufgekommen.

Ich war ohne Zweifel unvorsichtig.
Autor: Pierre MaudetFDP-Regierungsrat Genf

Der Genfer Sicherheitsdirektor versichert jedoch, dass es kein Gegengeschäft gegeben habe. Er habe im Hotel den Kronprinzen und Verteidigungsminister der Vereinigten Arabischen Emirate getroffen. Diesen habe er einige Monate zuvor bei einem offiziellen Treffen kennengelernt. Anschliessend habe er das Videoüberwachungszentrum des Formel-1-Rennens besichtigt.

4000 Franken für Kirchen

Wohl bei der Sache schien es Maudet aber nicht gewesen zu sein, denn er überprüfte bei der Rückkehr die Preise für die Reservation im Internet und spendete nach eigenen Angaben den Betrag für die Familienreise: je 2000 Franken für die katholische und die reformierte Kirche in Genf.

Pierre Maudet.
Legende: Maudet betont, dass es für seine Reise kein Gegengeschäft gegeben habe. Keystone

Rund um Maudet und seinen Stabschef, der ebenfalls auf der Reise war, ermittelt die Genfer Justiz wegen Vorteilsnahme. Die Staatsanwaltschaft teilt zwar mit, es gebe derzeit keinen Verdacht auf eine Straftat. Trotzdem kratzt diese Geschichte an Maudets Image und könnte Konsequenzen haben.

Kollegen könnten ihn abstrafen

Alles sprach dafür, dass Maudet als amtsältestes Mitglied neuer Präsident der Genfer Regierung wird und aufgrund des Wahlresultats auch das Departement wählen und allenfalls neu zusammenstellen kann. Nun könnten ihn seine Regierungskollegen abstrafen, wenn sie voraussichtlich am Dienstag entscheiden, wie die Kompetenzen für die nächste Legislatur aufgeteilt werden.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Beat Gurzeler (B.Gurzeler, alias Rollstuhlrocker)
    Es hat jeder " Treck am Stecken ", die Frage ist wieviel !!!
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  • Kommentar von Edi Steinlin (Chäsli)
    Er konnte nicht wieder stehen, mit der ganzen Familie business class fliegen, anschliessend in einem der teuersten Hotels der Welt logieren, ein Traum. Das alles bezahlt von einem Freund eines Freundes, das wirft Fragzeichen auf ? Wann hat Maudet die Fr. 4000.-- für die Kirchen gespendet, als er vernahm, dass die Medien Kenntnis hatten ? So nicht Herr Maudet, dass er nun zu seiner teuren Reise steht, stehen muss, ist nur den Medien zu verdanken. Als Bundesrat hat er sich selber qualifiziert.
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  • Kommentar von Peter Boos (Brionese)
    Enttäuschend! Ich finde es dreist was sich Herr Maudet hier geleistet hat. Er hat doch von Anfang an gewusst, dass das nicht geht und hat sich dann nachher mit seiner Spende den ‘Ablass’ erkauft. Einfach nur schäbig. Nur gut dass solch ein Typ nicht BR wurde!
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