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Schweiz Roche-Tower: Vorwürfe wegen Lohndumping

Auf der Baustelle des Roche-Towers in Basel wird offenbar Lohndumping betrieben. «10vor10» liegen Dokumente vor, die belegen, dass polnische Arbeiter auf der Roche-Baustelle für 15 statt 26 Fr. Stundenlohn arbeiten. Die betroffenen Arbeiter sind bei einem polnischen Subunternehmen angestellt.

Legende: Video Lohndumping auf der Roche-Baustelle? abspielen. Laufzeit 03:46 Minuten.
Aus 10vor10 vom 30.06.2014.

Mit 175 Metern soll er der grösste Turm in der ganzen Schweiz werden. Der Roche-Tower ist eines der imposantesten Bau-Projekte der Schweiz. Entworfen haben das Prestige-Projekt, das dereinst Platz für 2400 Mitarbeitende bieten soll, die bekannten Architekten Herzog & de Meuron.

Bei den Löhnen der Bauarbeiter aber: alles andere als Prestige. «10vor10» hatte unter anderem Einsicht in einen Arbeitsvertrag eines polnischen Fassadenarbeiters, der für 15 statt der nach Gesamtarbeitsvertrag geforderten 26 Franken arbeiten muss. Der Fassadenmonteur Piotr Lewandowski sagt: «Ich will normal verdienen, denn ich habe Frau und Kinder. Und ich möchte nicht jeden Tag zwölf Stunden und auch noch am Samstag arbeiten – und nie aufmucken, weil man sonst entlassen wird.»

Gemäss der Gewerkschaft Unia ist eine ganze Gruppe von 27 polnischen Arbeitern vom Lohndumping betroffen. Insgesamt soll so bis zu einer Million Franken zu wenig ausbezahlt worden sein, schätzt die Unia.

Subunternehmer aus Polen

Die betreffenden Arbeiter sind offenbar von einem sogenannten Subunternehmer angestellt. Konkret: Der Pharmakonzern Roche als Auftraggeber hat ein Unternehmen aus Deutschland für Teile des Fassadenbaus angestellt. Dieses wiederum hat die Arbeit einem polnischen Subunternehmer weitergegeben, der mutmasslich Lohndumping betreibt.

Roche als Auftraggeber äussert sich gegenüber «10vor10» wie folgt: «Alle Firmen, die bei Roche unter Vertrag stehen werden vom Arbeitsamt über die arbeitsrechtlichen Anforderungen instruiert.» Zudem könne die paritätische Kommission die Arbeitszeiten und Löhne der Arbeiter auf der Baustelle jederzeit kontrollieren. Roche kündigt ausserdem an, sich der Sache sofort anzunehmen und die Fakten zu überprüfen.

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16 Kommentare

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  • Kommentar von D. Boltz, Basel
    Die Anzahl der Leute die in diesem Artikel zu lesen meinen, dass Roche zu wenig Lohn zahlt ist erschreckend. Es steht doch dort, dass Roche höhere Löhne zahlt. Sonst gäbe es kein Geld das nicht WEITERgegeben wurde. Auch wenn der Artikel reißerisch in Richtung Roche geschrieben ist, was wahrscheinlich die Auflage erhöht. Man pöbelt aber schon mal los, egal ob es passt oder nicht
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  • Kommentar von M.Tisserand, Schweiz
    Fr. 15.-- ist doch ein Top Lohn - oder gibts in Polen mehr? Ich denke da gerade an die 1 Mio. CH die an der Armutsgrenze leben....
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    1. Antwort von Joe Schweizer, Basel
      CHF 15.-/h entspricht ungefähr 3000.-/Mt. was ich nicht wirklich als "Top-Lohn" bezeichnen würde. Solange die Arbeiter in der CH Arbeiten, müssen Sie auch einen für die CH Adäquaten Mindestlohn erhalten. So will es das (vernünftige) Gesetz. Ansonsten wären wir CHer bald alle Arbeitslos und durch Gastarbeiter ersetzt.
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    2. Antwort von Schenker Urs, Feldbrunnen
      Die Menschen arbeiten in der Schweiz, nicht in Polen. Liebe/r Tisserand, dann müssen alle Schweizer-Rentner, die nach Spanien ausgewandert sind, mit tieferen Renten leben?! Es kann nicht sein, das Unternehmer ihren Gewinn auf Kosten ihrer Angestellten maximieren. Diese Löhne sind auch eine Auswirkung der Geiz-ist-Geil-Mentalität!!
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  • Kommentar von Walter Starnberger, Therwil
    Innerhalb der EU ist dieses Vorgehen rechtens und auch gang und gäbe. Es nennt sich Dienstleistungsfreiheit und ist zusammen mit der Personenfreizügigkeit eine der 4 Säulen der EU. Wer den EU-Beitritt befürwortet muss auch das Lohndumping akzeptieren. Freundliche Grüsse an die EU-Befürworter bei Gewerkschaften, Linken und Grünen.
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    1. Antwort von Adrian Flükiger, Bern
      @Starnberger: Unsinn, dazu gehören eben auch die flankierenden Massnahmen. Aber eben, dieses regulatorische Instrument will man auf bürgerlicher und Arbeitgeberseite partout nicht hinnehmen. Deshalb auch die ganze scheinheilige Argumentation dieser Seite: nach aussen für den bilateralen Weg, nach Innen, nur ja weg mit den Schutzmechanismen - damit - ganz normal für unsere Gesellschaft - die Kohle bleibt wo sie ist: bei jenen, die den Hals nie voll genug bekommen. Echt widerlich!
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