Zum Inhalt springen

Schweiz Rotstift bei den Pfadfinderlagern angesetzt

Pfadfinder, Fussballer und Turnerinnen müssen ab August mit einem Viertel weniger Mittel aus dem Topf des Förderprogramms von «Jugend und Sport» auskommen. Der Bund hat angekündigt, die Beiträge für Sport- und Freizeitvereine zu kürzen.

Thomas Rosenblum ist 30 Jahre alt, IT-Spezialist und seit über 20 Jahren begeisterter Pfadfinder. «Meine Geschwister und Kollegen sind schon dort dabei gewesen. Es war irgendwie klar, jawohl, dann geht der Kleinste auch noch in die Pfadi.» Und der Kleine bekam bald einen Pfadinamen: Phönix. Fragt man Phönix, was ihn an der Pfadi so fasziniere, muss Rosenblum nicht lange überlegen.

Die Pfadfinderei ist für ihn die Lebensschule schlechthin: «Man hat zum ersten Mal in ein Lager gehen müssen, weg von zuhause. Da waren keine Eltern, man musste selber das Bett beziehen oder den Schlafsack ausrollen. Das fördert einen.»

Knapp zwei Franken weniger Pro Kind und Tag

Rosenblum alias Phönix hat Pfadilager geleitet und Kurse organisiert. Im Kantonalverband St. Gallen-Appenzell ist er zuständig für die «Jugend und Sport»-Gelder. Diese werden nun gekürzt. Ab August gibt es nur noch 5.70 Franken statt 7.60 Franken pro Tag und Kind. Das findet er nicht nur wegen des Geldes schade.

«Ich bin der Meinung, es kommt bei unserem Programm nicht auf das Geld an. Wir können auch ohne Geld etwas ganz Gutes erreichen.» Ihm gehe es um die Wertschätzung. «Damit habe ich, als einer der das ehrenamtlich macht, Mühe.»

Mehr als eine halbe Million Kinder und Jugendliche werden jedes Jahr aus dem Jugendsporttopf unterstützt. Ob Trainingslektionen des Judoclubs oder des Turnvereins, Leiterkurse des Fussballclubs, Blauring- oder Pfadilager: Hunderttausende von freiwilligen Helfern und Trainern geben ihre Freizeit, ihre Wochenenden, und häufig auch ihre Ferien dafür her.

Sportamt: «Es ist einfach ein schlechtes Zeichen»

Rosenblum, der jede Woche mindestens einen Tag für die Pfadi beschäftigt ist, bekommt dafür keinen Rappen. Das Geld des Bundes wird für die Pfadilager gebraucht. Deshalb hat Patrik Baumer Verständnis für ihn und alle anderen freiwilligen Phönixe. Baumer ist der Leiter des Sportamtes des Kantons St. Gallen.

«Es ist einfach ein schlechtes Zeichen. Es war eine Belohnung, der Betrag ging rauf, und jetzt geht er wieder runter. Kaum hat man mit den erhöhten Sätzen Werbung gemacht, geht man retour», sagt Baumer. Wir seien ein Volk von Stubenhockern, sagte alt Bundesrat und Sportminister Samuel Schmid einmal bei der Vorstellung eines Bewegungsförderungsprogramms.

Erfolgreiche Werbung für mehr Skilager

2012 wurde ein Sportförderungsgesetz verankert. Seither gilt der Grundsatz: mehr Geld für mehr Sport. Die Kantone reagierten und motivierten Schulen und Vereine. Baumer sagt: «Wir konnten das seit zweieinhalb Jahren positiv kommunizieren. Wir haben vor allem für Schneesportlager Werbung gemacht.» Das habe gefruchtet.

«Und kaum läuft das so schön, müssen die Beitragssätze gesenkt werden. Das ist wirklich ausserordentlich bedauernswert.» Das Bundesamt für Sport gibt zu: «Wir haben uns etwas verschätzt.» Man sei Opfer des eigenen Erfolgs geworden.

Man stellte zwar mehr Geld zur Verfügung. Doch dann wurde davon so viel verwendet, dass es nun zu wenig davon hat. Der Bund musste mit millionenschweren Nachtragskrediten aushelfen, und das Bundesamt musste die «Jugend und Sport»-Beiträge wieder senken – was das Gesetz aber ausdrücklich zulasse, sagt Baspo-Sprecher Christoph Lauener.

Hauptmittel gehen weiterhin an «Jugend und Sport»

Der Bund gebe mit der einen Hand Millionen aus für allerlei Bewegungsmotivations- und Gesundheitspräventionsprogramme, um es mit der anderen Hand wieder bei den Freiwilligen wegzunehmen, die Kinder und Jugendliche Tag für Tag gratis bewegen: Dieser Vorwurf nervt Lauener. «Wir haben überhaupt kein Interesse, dort etwas zu kannibalisieren oder Geld abzuzwacken. Unsere Hauptmittel gehen nach wie vor und unbestritten an Jugend und Sport.» Das werde auch in Zukunft so sein.

Nicht immer nur dort viel Geld reinpumpen, wo etwas nicht gut läuft, sondern einmal diejenigen belohnen, die etwas machen, das gut läuft. Das ist der Wunsch des Pfadfinders Phönix. Gleichzeitig zählt für ihn der alte Pfadispruch: Allzeit bereit. Rosenblum ist überzeugt, «dass die Pfadi immer einen Weg finden wird, ihre Programme durchzuführen, egal wieviel Geld zur Verfügung steht».

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

22 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von B. Rosenberg, 8493 Saland
    Von der Logik her nicht nachvollziehbar und echt krank. Milliarden für windige IT Projekte in den Sand setzten, Leuthard schafft prophylaktisch 34 Arbeitsplätze in der Annahme dass die Erhöhung des Vignettenpreises angenommen wird, und so weiter und so fort. Viele, viele Leerläufe und dann will der Bund beim Pfadilager sparen!?!? Das soll mir einer mal erklären! Einfach nur noch erbärmlich.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hans Knecht, Torny
    Der Entscheid finde ich nicht gut, denn gerade die Pfadi und Breitensport für jeden sollte man fördern. Aber was anderes will man erwarten bei unserer Politik die leider etwas Konzeptlos/Strategielos wirkt und bei der scheinbar jeder, der keine einflussreiche Lobby hat, unter die Räder kommt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Max Müller, Wangen
    Bundesamt für Sport, unterliegt das nicht dem Eidgenössichen Departement VBS? Ist da jemand am Trotzen, weil es keine neuen Flugzeuge gab?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Marlies Artho, Schmerikon
      Max Müller dies glaube ich weniger, es könnte vielleicht umgekehrt der Fall sein,man will U. Maurer ein Osterei ins Nest legen, wäre genauso eine Variante. Der Bund hat doch die Kulturförderung gerade erst erhöht, wo Hr. Berset zuständig ist. Karneval in Rio lässt grüssen und noch viele andere fragwürdige Programme. Die Kürzung der J&S finde ich bedenklich, da es der Förderung von Kinder dient, damit sie lernen mit anderen Kameradschaftlich zusammen zu stehen und innovativ mitarbeiten können.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von M. Schenk, Aarau
      @ Max Müller, aus dem Sozialtopf gäbe es viel mehr zum verteilen, die trotzen nicht und bräuchten die Flugzeuge des VBS zum Ausschaffen :-)
      Ablehnen den Kommentar ablehnen