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Schweiz SBB will weniger Suizide auf Bahngleisen

Wenn sich jemand vor den Zug wirft, ist das für den Lokführer ein traumatisches Erlebnis. Die SBB will «Personenunfälle» auf Bahnstrecken deshalb so weit wie möglich verhindern. Dazu setzt sie verstärkt auf Suizidprävention.

Legende: Video Massnahmenplan der SBB gegen Schienensuizid abspielen. Laufzeit 01:54 Minuten.
Aus Tagesschau vom 06.05.2015.

Suizide lösen grosses menschliches Leid bei Betroffenen und Angehörigen aus. Wenn sich eine Person vor den Zug wirft, sind zudem unzählige Mitarbeitende der SBB, der Rettungskräfte und auch Passagiere betroffen; dazu kommen Auswirkungen auf den Bahnverkehr.

Die Bundesbahnen engagieren sich darum verstärkt in der Suizidprävention. An einer nationalen Fachtagung hat die SBB in Zusammenarbeit mit Fachleuten zum Thema Schienensuizid informiert und darüber, wie man diesen bewältigen kann.

Organisation «Intervention» beim Ereignisfall

Bereits Anfang 2014 hat die SBB eine Koordinationsstelle aufgebaut mit dem Ziel, die Massnahmen mit den verschiedenen Organisationen wie Kantone, Bundesamt für Verkehr (BAV), Bundesamt für Gesundheit (BAG) und Fachorganisationen zu koordinieren. Zudem soll der Austausch mit anderen Bahnen und der Forschung sichergestellt werden.

In den letzten Jahren wurde bei der SBB zudem die Organisation «Intervention» schrittweise ausgebaut. Sie ist Teil des Störungs- und Störfallmanagements der SBB und wird bei Ereignissen im Bahngebiet zur Hilfeleistung und zur Unterstützung der Notfallorganisation eingesetzt. Die Intervention ist für eine Ereignisbewältigung auf dem Unfallplatz an über 30 Standorten in der ganzen Schweiz vertreten.

SBB-Mitarbeiterinnen konnten Suizid verhindern

Die SBB hat bereits Massnahmen eingeleitet, die laut ihren Angaben eine gute vorbeugende Wirkung haben. So sei 2014 eine nationale Kommunikationsmassnahme mit der Dargebotenen Hand realisiert worden. Weitere Vorkehrungen sind Patrouillen an den Bahnhöfen. Bauliche Massnahmen sollen den Zugang zu den Gleisen erschweren.

Bis Ende 2014 seien zudem rund 500 Mitarbeitende geschult worden. Zwei Mitarbeiterinnen hätten nach der Schulung eine Person vom Suizid abhalten können. Bis in zwei Jahren sollen es rund 10'000 Mitarbeitende sein.

Leute können zurückgehalten werden.
Autor: Thomas ReischÄrztlicher Direktor Psychiatriezentrum Münsingen

Dass dieses Ansprechen und Abhalten tatsächlich Leben retten kann, zeigte Suizidforscher Thomas Reisch: Er nannte eine Studie, gemäss welcher 515 Menschen davon abgehalten wurden, sich durch einen Sprung von der Golden Gate Bridge das Leben zu nehmen. Innerhalb der nächsten 26 Jahre hätten nur fünf Prozent dieser Personen trotzdem Suizid begangen. 480 Leben hätten also gerettet werden können.

«Leute können zurückgehalten werden», sagte Reisch, der von Beruf ärztlicher Direktor des Psychiatriezentrums Münsingen ist. Viele haderten – und dieses Hadern sei eine Chance.

«Die Verringerung der Verfügbarkeit von Suizidmethoden rettet Leben», sagte Reisch. Zu denken, dass diese Personen dann einfach eine andere Methode wählten, sei falsch. Die meisten wählten keine andere. «Wenn man eine Methode verhindert, verhindert das Suizide», sagte Reisch.

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21 Kommentare

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  • Kommentar von A.Käser, Zürich
    Schon erstaunlich,70 Jahre seit Ende des 2.Weltkrieges,anlässlich welchem ?zig-Millionen Menschen ihr Leben verloren.Z.T.unter grauenhaftesten,fürchterlichsten Bedingungen.Angeordnet,iniziert,durchgeführt von durch und durch kranken Individuen.Solche die zu ihrer Zeit für ganz"normal"und gesund befunden,und oftmals besonders geachtet,wurden(Kirche/Klerus do.)Getötet wurde jeweils der angebl.Feind.Legitim,legal.Wer sich selbst aus einer sehr kranken Gesellschaft entfernen will,gilt als krank???
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  • Kommentar von Alex Bauert, Bern
    Die SBB möchte, dass sich die Leute anderswo umbringen. Das ist mit Sicherheit die Wirkung. Wenn bekannt ist, dass viele Bahnhöfe gesichert sind, gehen diese Leute bisschen auf's Land, wo die Züge mit Vollgas unterwegs sind. Die stehen erst nach paar hundert Meter, also keine Chance den Zusammenstoss zu vermeiden. Zudem: Das Geld könnte ja auch für mehr Lebensqualität ausgegeben werden (anstatt die Baubranche zu subventionieren). Nein, nicht der Lohn für die Chefs ist damit gemeint!!!!!
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  • Kommentar von A.Käser, Zürich
    Wie naiv WOLLEN wir sein?Wieso wollen wir uns partout glauben machen,dass Leben über Regulative geregelt werden kann?Ist nicht dieser Denkansatz bereits in sich"krank"?Entspringt er nicht einem Macht- und Beherrschungszwang?Wäre Zeit unser Denken,unsere Sprache,die damit einhergehenden Denkinhalte analytisch/kritisch zu reflektieren.(2)
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    1. Antwort von A.Käser, Zürich
      (2)Fortsetzung//Würde vermutlich offenbaren,dass eine rationale Sprache eine ebensolche Denkweise fördert und den empathischen,spirituellen Gefühlsbereich des Menschen,nicht ausreichend berücksichtigt.Damit seine Ganzheitlichkeit vernachlässigt und einschränkt.Fördert nicht gerade dieser installierte Verdrängungs-,Einschränkungs-Mechanismus,die Basis für diese,als Krankheit,definierte Gefühlslage?Wer ist aufgrund von was,TATSÄCHLICH krank?
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