Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Video Krankgeschrieben – Was darf ich trotzdem, was nicht? abspielen. Laufzeit 15:10 Minuten.
Aus Puls vom 27.05.2019.
Inhalt

Schneller wieder an der Arbeit Kurswechsel beim Krankschreiben

Arztzeugnisse belegen das Ausmass einer Arbeitsunfähigkeit. Ein neuer Ansatz fokussiert stattdessen auf das, was geht.

Bei Krankheit oder Unfall verlangen viele Arbeitgeber ein ärztliches Attest. Im Alltag sorgt dies aber oft für Unsicherheit: Wer sich aus dem Hause wagt, setzt sich dem unterschwelligen Verdacht aus, krankzufeiern.

«Arbeitsunfähigkeit heisst nicht Hausarrest», hält Arbeitsrechtler Roger Hischier dem entgegen. Herkömmliche Arztzeugnisse vermitteln aber genau diesen Eindruck.

Legende: Video «Arbeitsunfähigkeit heisst ja nicht Hausarrest. In solchen Situationen kommt aber halt schnell einmal Misstrauen auf.» abspielen. Laufzeit 00:25 Minuten.
Aus Puls vom 27.05.2019.

Eine neue Form von Arztzeugnis soll das jetzt ändern. Es heisst explizit Arbeitsfähigkeitszeugnis und legt den Fokus nicht darauf, was man nicht mehr leisten kann, sondern auf das, was noch geht.

Hinter dem Ansatz steckt der Verband der Versicherungsärzte. Dort ist man überzeugt, dass die Rückkehr an den Arbeitsplatz bei Langzeitkranken besonders sorgfältig geplant werden muss.

Legende: Video «Bei Mitarbeitern, die bereits längere Zeit krank sind, muss sorgfältig geplant werden, wie sie wieder an den Arbeitsplatz zurückkönnen. Dafür braucht es einen guten Informationsaustausch.» abspielen. Laufzeit 00:14 Minuten.
Aus Puls vom 27.05.2019.

Im neu entwickelten Arbeitsfähigkeitszeugnis ist detailliert beschrieben, welche Arbeiten wie intensiv und mit welchem Pensum erledigt werden können.

Da die Mediziner nicht immer wissen können, was konkret ihrem Patienten im Job abverlangt wird, füllen Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam einen Online-Fragebogen aus, der unter der Ägide des Arbeitgeberverbandes ausgearbeitet wurde.

Dessen Mitglieder haben naturgemäss kein Interesse an langen Absenzen. «Die sind menschlich schwierig», weiss Martin Kaiser. Dann stellen sich auch viele organisatorische Fragen, und schliesslich gehe es ins gute Geld.

Legende: Video «Arbeitgeber haben kein Interesse an langen Absenzen. Sie sind menschlich und organisatorisch schwierig und gehen ins gute Geld.» abspielen. Laufzeit 00:16 Minuten.
Aus Puls vom 27.05.2019.

Die volkswirtschaftlichen Kosten krankheitsbedingter Absenzen sind erheblich: 2016 waren es 6,9 Milliarden Franken.

Dass Arbeitgeber und Versicherer also ein Interesse an einer raschen Eingliederung haben, ist nicht erstaunlich. Aber auch der Arbeitnehmenden-Dachverband «Travaille Suisse» begrüsst es, wenn prinzipiell mehr auf die Fähigkeiten erkrankter Mitarbeiter gesetzt wird.

Wobei durchaus Vorbehalte bestehen: «Es besteht die Gefahr, dass Arbeitgeber diese Informationen ausnutzen, um auf Arbeitnehmende Druck auszuüben», warnt Präsident Adrian Wüthrich.

Legende: Video «Der Arbeitgeber wird durch das neue Zeugnis mehr Informationen haben. Da besteht die Gefahr, dass auf den Arbeitnehmer Druck ausgeübt wird, möglichst schnell wieder zur Arbeit zurückzukommen, um die Absenz zu kompensieren.» abspielen. Laufzeit 00:18 Minuten.
Aus Puls vom 27.05.2019.

«Das ist sicher ein Punkt, den man im Auge behalten muss», meint Yvonne Bollag. Aber sie vertraut auf die Ärzte: «Die wissen, welche Belastungen medizinisch vertretbar sind und welche nicht.»

Die Verantwortung für langfristige Krankschreibungen bleibt also weiterhin beim Hausarzt. Philippe Luchsinger, Präsident der Haus- und Kinderärzte Schweiz, sieht darin auch Chancen: «Gerade wenn einem Arbeitnehmer gesagt wird ‹komm erst wieder, wenn Du wirklich gesund bist!› kann man darauf hinweisen, dass es schon vorher Möglichkeiten gibt, ihn zu beschäftigen.» Ein guter Schritt für den Wiedereinstieg.

Legende: Video «Das neue Zeugnis erlaubt uns auch, differenzierter mit der Situation umzugehen.» abspielen. Laufzeit 00:24 Minuten.
Aus Puls vom 27.05.2019.

Bis sich der neue Ansatz durchgesetzt hat, müssen aber alle Kantone mitziehen. Denn Arztzeugnisse sind derzeit noch kantonal geregelt. Und viele Kantone haben bereits heute ähnliche Zeugnisse für Langzeitausfälle – jeder sein eigenes.

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

14 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von jean-claude albert heusser  (jeani)
    Wird höchste Zeit, dass Drückeberger zur Kasse gebeten werden!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Diese Thematik nur vom finanziellen Blickwinkel zu beobachten ist falsch. Denn heute arbeiten die meisten AN nicht isoliert, sondern für andere sichtbar. Da in der Schweiz das Arbeitsethos immer noch sehr stark verankert ist, wird in einem Krankheitsfall durch die gleichgestellten MA ganz genau zugeschaut: wie viele Fehlzeiten, wie hat die Person dies abgehandelt, wie viel muss ich von der Person übernehmen. Bzgl. Teamzusammenhalt, Motivation und Mitwirkungswille ist dies nicht zu unterschätzen!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Man kommt heute zu schnell zu einem Arztzeugnis. MA erzählt dem Arzt, dass er gekündigt wurde, fertig ist die posttraumatische Arbeitsunfähigkeit für 2Wo - mehrere Mte. (dadurch verlängert sich das Arbeitsverhältnis). Oder der andere Klassiker ist die Überlastung. Dadurch drängen gerade die Ärzte die MA in eine nicht genüngend resiliente Rolle und machen sich die Ärzte unglaubwürdig. Je häufiger solche Fälle, desto härter geht AG bei echten Krankheitsfällen nach Sperrfristablauf auch vor.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen