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Absenzen wegen Militärdienst Schweizer Armee neuerdings Karriere-Killer?

Ein Rohstoffunternehmen mit Sitz in Genf suchte per Inserat einen Mitarbeiter, der keinen Militär-Dienst leistet. Verteidigungsminister Guy Parmelin zeigt sich irritiert. Aber gemäss Personalvermittlern verliert die Militärerfahrung immer stärker an Bedeutung in der Wirtschaft.

Legende: Video Lebensschule oder Karriere-Killer? abspielen. Laufzeit 3:08 Minuten.
Aus 10vor10 vom 18.05.2017.

Das Inserat des Anstosses ist noch immer online. Darin sucht ein Rohstoffunternehmen mit Sitz in Genf einen Kadermitarbeiter, der aber keinen militärischen Verpflichtungen nachkommen sollte. Der Hintergedanken: Das Unternehmen wünscht keine militärbedingten Absenzen. Dies berichtete gestern die «Aargauer Zeitung».

Das ist eine klare Diskriminierung und widerspricht allen Werten unseres Landes.
Autor: Guy ParmelinBundesrat

Jetzt äussert sich Bundesrat Guy Parmelin gegenüber «10vor10» zum Fall. Für den VBS-Chef ist dies inakzeptabel: «Militär- und Zivildienst sind in unserer Verfassung vorgesehen. Das liegt im öffentlichen Interesse. Vertreter der Wirtschaft sollten sich daran erinnern. Das ist eine klare Diskriminierung und widerspricht allen Werten unseres Landes.»

Militärische Erfahrung verliert an Bedeutung

Doch Personalberater werten das Inserat als dem Zeitgeist entsprechend. Markus Schneider, Mitglied der Geschäftsleitung der Agentur PKS in Basel erklärt, militärbedingte Absenzen würden heute von vielen Arbeitgebern als kritisch betrachtet. Auch der militärische Führungsstil werde in der Wirtschaft eher nicht mehr geschätzt.

Dass militärische Erfahrung im Job immer weniger zählt, beobachtet auch Chiara La Regina, Teamleiterin beim Jobvermittler «Job Impuls»: «Früher wurde die militärische Erfahrung im Lebenslauf erwähnt. Heute sieht man das weder auf Bewerbungsunterlagen, noch erwähnt dies jemand im Gespräch. Auch von den Kunden wird dies nicht gefragt.»

Das ist das erste Mal, dass ich von einem solchen Fall erfahre.
Autor: Guy ParmelinBundesrat

Die Armee selbst preist den Militärdienst in Werbevideos als «Schule des Lebens». Parmelin sagt zum Stelleninserat: «Das ist das erste Mal, dass ich von einem solchen Fall erfahre. Vielleicht ist das nur die Spitze des Eisbergs. Ich hoffe es jedoch nicht.»

Das betreffende Rohstoffunternehmen hat sich inzwischen beim VBS entschuldigt und spricht von einem dummen Fehler.

42 Kommentare

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  • Kommentar von markus aenishaenslin (aenis)
    Ich denke, in den letzten 20. Jahren hat sich Militär Sympathie in der Chef Etage verschoben. Kaum noch etwas ist noch schweizerisch in höchsten Gremien. The global big Money Business, will keine Leute die fürs Vaterland Monate weise von der Arbeit fern bleiben. Das Miliz System wird von den Zusehens untergraben. Unser Boss ist ein Amerikaner, man will nirgends mehr Schweizer im Kader, so sind fasst alle Mitglieder ausländisch.
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    1. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Aber für die Zeit, wo sie Zivildienst leisten, bleiben sie der Arbeit ja auch fern. Oder sind unter diesen keine in Kaderstellen zu finden? Und dass viele ausländische Firmen gleich ihre eigenen Leute mitbringen, ist ja längst bekannt. Und das liegt sicher nicht daran, dass Schweizer Wehrdienst leisten. Man ist halt grad im Kader gerne unter sich, weil man dieselbe Sprache spricht. Das ist eben die Kehrseite u. a. auch der PFZ, was man eben gerne verschweigt.
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  • Kommentar von L. C. (Vespucci)
    Witzig: Während meiner Bewerbungszeit wurde mir der Zivildienst, auch wenn ich ihn noch nicht komplett absolviert hatte, als grosses Plus anerkannt. Bei meinem jetzigen Arbeitgeber fragte ich nach wieso das es so ist. Die Antwort: Freiwillige Leistung für das Allgemeinwohl zeigt Einsatzbereitschaft welche im Unternehmen viel mehr wertgeschätzt wird.
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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    Neuerdings? Nein. In guten Firmen, in welchen eine gewisse soziale Kultur gelebt wird, war es das schon immer. Militärische Karriere und berufl. Führungsanspruch passen nicht zusammen. Mitarbeiter mit strahlender militärischer Laufbahn würde ich nie einstellen.
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