Schweizer Firmen weibeln für Lehrlinge

Immer mehr Schulabgänger in der Schweiz entscheiden sich für die Matura und gegen eine Berufslehre. Die Folge: Den Firmen fehlt der Nachwuchs und sie buhlen um die jungen Leute. Dabei setzen sie auch auf unkonventionelle Methoden.

Ein junger Arbeiter an einer Papiermaschine Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Vor allem Firmen mit technischen Berufen finden nicht genügend Lehrlinge. Keystone

Eine Lehre als Polymechaniker: Da denken viele junge Leute an schmutzige Finger und schlechte Zukunftschancen. Als Folge davon konnten letztes Jahr nicht alle Lehrstellen besetzt werden. Dasselbe gilt für andere technische Berufe. Sie haben bei den Jungen einen schweren Stand. Immer mehr machen eine Matura statt eine Berufslehre. Um das zu ändern, haben sich bereits einige Firmen etwas einfallen lassen.

Gute Schüler für Industrie verloren

Der Firma Bystronic geht der Nachwuchs aus. Der international tätige Maschinenhersteller aus Niederönz im Oberaargau arbeitet rentabel und ist auf Wachstumskurs. Dennoch konnten bis jetzt nur zwei von vier Polymechaniker-Lehrstellen für nächsten Sommer besetzt werden – und auch die nur mit Mühe. «Wenn wir unsere Schnupperlehren anbieten, sind die Schüler mit den guten Noten schon auf der Schiene für den Mittelschulweg und damit für uns in der Industrie verloren», klagt Lehrlingsbetreuer Roland Wyler.

Lieber ins Gymnasium als an die Werkbank also. Das Problem trifft die ganze Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie. Besonders prekär sei die Lage bei den vierjährigen anspruchsvolleren Berufslehren, heisst es beim Branchenverband. Also etwa bei den Polymechanikern, Automatikern, Konstrukteuren und Elektronikern.

Junge vor Berufswahl für Technik begeistern

Diese Entwicklung mache ihm Sorgen, sagt Hans Hess, Präsident von Swissmem. «Eine unserer Kernkompetenzen in der Schweiz sind hervorragend ausgebildete Fachleute. Wenn wir von diesem wichtigen Nachwuchs nicht mehr genügend bekommen, dann muss man sich fragen, ob das noch der attraktivste Standort für unsere Firma ist.»

Deshalb müssten die Kinder bereits vor der Berufswahl für die Technik begeistert werden, ist man sich in der Branche einig. Mit Internetkampagnen, Informationsveranstaltungen und anderen Projekten wird das denn auch versucht.

Werkunterricht in einer Fabrikhalle

Auch der Technologiekonzern Bühler im Kanton St. Gallen hat sich etwas Besonderes einfallen lassen und arbeitet seit einiger Zeit mit der Oberstufenschule Uzwil zusammen: Die Lehrer unterrichten technisches Zeichnen und Werken in den Fabrikhallen der Bühler AG.

«Die Lehrer lernen mit unseren Gerätschaften zu arbeiten. So vermitteln sie aktuelles Wissen mit den neusten Technologien bei uns», sagt Andreas Bischof, Leiter Berufsbildung bei der Firma. Dadurch würden Schwellenängste abgebaut, die Jungen hätten so schon Zugang in ein grosses Industrieunternehmen. «Wir erhoffen, dass sie dann auch eine Schnupperlehre bei uns machen und das Interesse für eine Lehre geweckt wird.»

Auch ein Auslandaufenthalt während der Lehre soll Lehrlinge anlocken. Die vielen Projekte zahlten sich aus, heisst es bei der Firma Bühler. Das Unternehmen konnte letztes Jahr alle Lehrstellen besetzen.

Eltern müssen von Lehre überzeugt werden

Trotzdem gebe es noch viel Arbeit sagt Swissmem-Präsident Hess. «Rein aus demografischen Gründen wird sich die Situation verschärfen. Wir hoffen aber, dass es uns gelingt mit diesen vielen Massnahmen die Jungen davon zu überzeugen, dass eine Lehre eine gute Sache ist.»

Insbesondere gelte es auch die Eltern zu überzeugen, dass ihre Kinder dank dem durchlässigen Bildungssystem in der Schweiz mit einer Lehre genauso gute Berufschancen haben wie mit einer universitären Ausbildung.