Schweizer Imagekorrektur in Brasilien

Viele Brasilianerinnen und Brasilianer halten die Schweiz für den Ort, wo ihre korrupten Politiker ihr Schwarzgeld verstecken. Dieses Image will Präsenz Schweiz korrigieren – mit dem House of Switzerland, das kurz vor dem Beginn der Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro eröffnet worden ist.

Eine Frau läuft Schlittschuh. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Eislaufbahn aus Kunststoff ist der Publikumsmagnet im House of Switzerland in Rio. Reuters

Das House of Switzerland ist kein Haus, sondern ein Dorf am Wasser, beim Austragungsort der olympischen Ruderwettbewerbe. Am Eröffnungstag gestern waren im Stimmengewirr Portugiesisch, Englisch und einige Brocken Schweizerdeutsch auszumachen. Tausende neugierige Brasilianerinnen und Brasilianer starteten ihre Entdeckungsreise durch die Mini-Schweiz.

Für Botschafter Nicolas Bideau vom Veranstalter Präsenz Schweiz ist der Start gelungen. Das sei aber erst der Anfang gewesen. «In den sieben Wochen erwarte ich 450‘000 Besucher im House of Switzerland.»

Virtual Reality und Eislaufbahn

Man hat sich viel vorgenommen und bietet entsprechend viel im Schweizer Dorf. Mit Virtual-Reality-Brillen können Gross und Klein per Zahnradradbahn auf das Jungfraujoch fahren. Auf einer Rennstrecke erhält jeder ein Zielfoto, und es gibt Anschauungsunterricht in der urbanen Gemüsezucht.

Ein Knabe spielt in künstlichem Schnee. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das House of Switzerland will Gross und Klein für die Schweiz begeistern. Reuters

Publikumsmagnet ist eine Eislaufbahn. Diese besteht nicht aus gefrorenem Wasser, sondern aus Plastikverbundstoffen, die das Gleiten darauf ermöglichen. Die Schweiz treibe diesen Aufwand, weil es grossen Nachholbedarf gebe, sagt Bideau. «Wir haben vor der Fussball-Weltmeisterschaft eine Studie über die Wahrnehmung der Schweiz gemacht – sie war quasi null.»

Zusammenhang mit Schwarzgeld

Mit über 200 Millionen Einwohnern ist Brasilien ein interessanter Markt. Bei breiten Schichten, die keine Zeitungen lesen oder Nachrichten konsumieren, ist die Schweiz praktisch unbekannt. Halbwegs informierte Brasilianer begegnen dem Stichwort Schweiz hingegen öfter, als ihnen lieb sein kann: im Zusammenhang mit der Korruption und Schwarzgeldkonten in der Schweiz.

Ricardo Resende, der sich mit seinem kleinen Sohn unter das Publikum im House of Switzerland gemischt hat, braucht jedenfalls nicht lange zu überlegen: «Die Schweiz ist bekannt für Banken, bei denen viele ihr Geld deponieren – auch die Korrupten in der brasilianischen Politik.» Es ist also nachvollziehbar, dass die Schweiz ihr Image in Brasilien aufpolieren will. Statt mit Schwarzgeld und Korruption soll die Schweiz etwa mit Themen wie Technologie und Forschung in Verbindung gebracht werden.

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