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Schweiz Schweizer Juden: Beten und Bangen

Nach den Anschlägen in Dänemark rücken die jüdischen Institutionen wieder in den Fokus. Manche werden wie eine Botschaft bewacht, andere sind frei zugänglich. Eine gemeinsame Sicherheitspolitik ist nicht erkennbar.

Legende: Video Schweizer Juden zunehmend beunruhigt abspielen. Laufzeit 1:56 Minuten.
Aus Tagesschau vom 16.02.2015.

Nur schon in Zürich existieren mehr als zehn Synagogen oder kleinere Betstuben. Aussenstehende kommen entweder sehr leicht oder sehr schwierig in das Gotteshaus. Denn es gibt Synagogen, die bewacht werden wie eine Botschaft: Sicherheitspersonal mit Stöpsel im Ohr patroullieren auf der Strasse. Ihre Kollegen sitzen im Kommandoraum und überwachen das Geschehen über mehrere Monitoren. Gäste müssen sich ausweisen und den Fragen der Wachleute stellen.

Dann gibt es aber auch Synagogen und Betstuben, da klingelt man einfach an der Türe. Plötzlich wird die Türe aufgerissen, ein Kind steht da und guckt den Fremdling mit grossen Augen an.

Gott schützt die Frommen

Woher stammt diese unterschiedliche Sicherheitsauffassung? Eine mögliche Antwort liegt im Gottesvertrauen einiger Gemeinden. So gehen die jüdisch-orthodoxen Gemeinden davon aus, dass Gott die Welt lenkt und die Frommen schützt. Diese Sichtweise verhindert dann das Hochfahren intensiver Sicherheitsmassnahmen.

Im Gespräch mit den einzelnen Vertretern wird aber immer wieder betont, dass man die Gefahrenlage permanent überwacht und die nötigen Schlüsse daraus zieht. Konkretes erfährt man nicht, niemand lässt sich in die Karten schauen.

Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund , Link öffnet in einem neuen Fenster(SIG) ist die Dachorganisation der jüdischen Gemeinden in der Schweiz. Der Generalsekretär, Jonathan Kreutner, zeigt sich im Gespräch schockiert über die Anschläge in Europa: «Bei den Übergriffen in Frankreich und Dänemark wurden Juden angegriffen, nur weil sie Juden sind.»

Der Genralsekretär lacht in die Kamera
Legende: Dr. Jonathan Kreutner, Generalsekretär Schweizer Israelitischer Gemeindebund (SIG) SIG

Diese Dimension sei neu. Die Ängste der jüdischen Bevölkerung zeigen sich auch darin, dass der SIG täglich Anrufe von verunsicherten Juden erhalte. Seine Forderung an die Schweiz fasst er demnach so zusammen: «Wir erwarten von den Behörden, dass sie alles tun, um die Sicherheit der jüdischen Gemeinschaft zu gewährleisten.»

Kantönligeist verhindert gemeinsame Sicherheitspolitik

Doch ist die Sicherheitslage für Schweizer Juden prekärer geworden? Jemand, der sich mit sicherheitspolitischen Fragen auskennt, ist der versierte Nahost-Journalist Shraga Elam. «Die Gewalttaten in Antwerpen, Paris und Kopenhagen waren offensichtlich Einzelinitiativen. Ob die Schweiz das Ziel des nächsten Anschlages sein könnte, ist Spekulation.»

Für die Sicherheit zuständig ist in erster Linie die Polizei. Der Schutz seiner Bürger gehört zum polizeilichen Grundauftrag. Dass nicht vor jeder Synagoge in der Schweiz ein Polizist steht, hat laut Kreutner auch damit zu tun, dass in der föderalistischen Schweiz 26 verschiedene Kantonskorps existieren. Massnahmen zur erhöhten Gefährdungslage obliegen der jeweiligen Kantonspolizei.

Als zweite Präventivmassnahme wird in vielen jüdischen Gemeinden eigenes Wachpersonal ausgebildet. In manchen Synagogen arbeiten auch ehemalige Soldaten der israelischen Armee. Die Kosten dieses Personals müssen die jüdischen Gemeinden aber selber stemmen. Und das vermögen nur die wenigsten Gemeinden.

Shraga Elam blickt in die Kamera
Legende: «Glücklicherweise ist in der Schweiz die Hemmschwelle für Gewaltexzesse recht hoch», so Shraga Elam. zvg

Shraga Elam versucht allerdings die aktuelle Sicherheitslage zu relativieren: Glücklicherweise ist in der Schweiz die Hemmschwelle für Gewaltexzesse recht hoch. Im Vergleich ist die Gefahr von Verkehrsunfällen viel grösser. Überreaktion und Panik sind nicht angebracht, sondern sogar kontraproduktiv. Der Brandanschlag auf eine Synagoge in Lugano (vom 14.3.2005) beispielsweise hat bis jetzt keine Nachahmer gefunden.

Sicherheit der Juden in Europa

Israel hat die Juden in Europa dazu aufgerufen, aufgrund der Terrorwelle nach Israel zu fliehen. Die europäischen Regierungen halten jedoch dagegen und wollen alles dafür tun, dass Menschen jüdischer Herkunft sich sicher fühlen können. Mehr dazu hier.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von D. Eber, Rheinfelden
    Das Problem mit dem Islamistischen Staat ist nicht nur mit Juden, sondern mit allen die nicht Islamisten sind. Somit sind alle Gefährtet.
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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    "Gott schützt die Frommen". Dieser etwas merkwürdige Behauptung stammt nicht nur von der jüdischen Religion, sondern auch aus der fundamentalistischen Ecke des Katholizismus. Dieses angebliche Sicherheitsgefühl erfahre ich immer wieder in Gesprächen mit strenggläubigen Katholiken aus meinem Bekanntenkreis. Sie wollen nicht wahrhaben, dass sich Jesus auch den weniger frommen, ja, den an Glauben zweifelnden Menschen annahm, sie ebenfalls unter seinen Schutz stellte.
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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Die Angst vor dem erneuten Ausbruch des Antisemitismus ist berechtigt. Doch man muss unterscheiden, In zweiten Weltkrieg waren es die Europäer, welche den Antisemitismus praktizierten. Heute sind es die islamischen Extremisten, welche Anschläge auf jüdische Einrichtungen verüben und so ihren Hass auf die Juden ausleben. Angesichts der drohenden Gefahr vor den IS müssen wir Christen und unsere jüdischen Mitbürger/innen zusammenstehen und uns gegenseitig moralisch unterstützen.
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