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Schweizer Kunstgeschichte «Kleine Sensation»: Riesiges Retro-Wandbild in Zug aufgetaucht

Beim Abriss eines Gebäudes in Zug ist ein Wandbild aus dem Jahr 1941 aufgetaucht. Ein Grafiker ist begeistert.

Worum geht es? Nach dem Abriss eines Gebäudes an der Alpenstrasse beim Zuger Bahnhof ist an der angrenzenden Fassade ein Wandbild aus dem Jahr 1941 aufgetaucht: eine Reklamemalerei für eine Bernina-Nähmaschine. Der Standort an der Alpentrasse eignete sich damals, weil Eisenbahnreisende in Richtung Süden an der Fassade vorbeifuhren. Aktuell kann das Wandbild wieder bestaunt werden, irgendwann wird es jedoch hinter einem Neubau verschwinden.

Weshalb ist das relevant? Der Zuger Grafiker Ueli Kleeb ist begeistert von der Entdeckung. So begeistert, dass er eine fünfseitige Abhandlung über das Bild zusammenstellte. «Als ich es zum ersten Mal sah, fühlte ich mich 100 Jahre zurückversetzt.»

In den nächsten ein bis zwei Jahren wird das Bild also wieder verdeckt sein.
Autor: Ueli Kleeb Grafiker

Kleeb recherchierte zu den Ursprüngen und der Geschichte der Wandmalerei. Es sei «ein seltenes Beispiel für die hohe Qualität der damaligen Reklamegrafik an Hausfassaden», schreibt er in seiner Abhandlung. Solche alten Fassadenreklamen gebe es in der Schweiz praktisch keine mehr. «Es ist eine kleine Sensation, dass sie noch steht. Besonders in Zug, wo so viel abgerissen und gebaut wird.»

Was war die Vorlage? Als Vorbild diente das Plakat «Näh’ mit Bernina» des Zürcher Grafikers Arnold Bosshardt aus dem Jahr 1933. Dieses gehöre zur Blütezeit der Schweizer Werbegrafik in der Zwischenkriegszeit, schreibt Kleeb in seinem Text. «Mit dem fotorealistischen Produktbild und dem prägnanten Spruch ist es eine typische Werbegrafik aus jener Zeit.» Das minimalistische Plakat mit der gut lesbaren Typografie habe sich gut für die Adaption zum Wandbild geeignet.

Werbung für eine Nähmaschine mit rotem Hintergrund und weissem Kreuz.
Legende: Dieses Plakat des Zürcher Grafikers Arnold Bosshardt diente laut Ueli Kleeb als Vorlage für die Fassadenreklame. Diese Sachplakate damals waren inspiriert vom Kunststil der «Neuen Sachlichkeit». Wikimedia Commons

Welche Reaktionen löste das Bild aus? Die damaligen Politiker waren vom Wandbild weniger begeistert als Ueli Kleeb heute. Die Reklame war Thema an der Stadtratssitzung vom 2. Mai 1941, wie Kleeb in den Protokollen lesen konnte. Der Stadtpräsident störte sich an der Fassadenmalerei und bezeichnete sie als «geschmacklos und verstossend gegen den Heimatschutz». Das Stadtbauamt erhielt den Auftrag, sich mit den Grundstücksbesitzern in Verbindung zu setzen. Nach einigem Hin und Her durfte die Reklame in abgeänderter Form stehen bleiben.

Altes Haus mit Werbeschildern, zwei Kinder stehen vor dem Zaun.
Legende: In Auftrag gegeben hatte das Wandbild der lokale Velo-, Motorrad- und Nähmaschinen-Händler Willy Blättler. Er sandte ein Gesuch an das Finanzamt der Stadt Zug. Das Bauamt kontaktierte er nicht, weshalb es später Probleme gab. Chamapedia/Privatarchiv Ida Gyr

Wie geht es weiter? Ueli Kleeb hat sich mit der kantonalen Denkmalpflege in Verbindung gesetzt, um sie auf den Wert des Wandbildes aufmerksam zu machen. Das Gebäude selbst ist im Denkmalinventar bereits als «schützenswert» eingestuft. Nun wird auch das Fassadenbild fotografisch dokumentiert, bevor dann der Neubau kommt. Dieser sei bereits bewilligt, weiss Ueli Kleeb. «In den nächsten ein bis zwei Jahren wird das Bild also wieder verdeckt sein.» Im Verborgenen, zwischen den beiden Häusern, bleibt es aber erhalten.

Regionaljournal Zentralschweiz, 13.07.2026, 12:03 Uhr ; 

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