Schweizer Moscheen: Heikle Frage der Finanzierung

Das Misstrauen gegenüber der Finanzierung von Moscheen in der Schweiz wächst. Politiker fordern ein Verbot ausländischer Gelder an islamische Gotteshäuser und eine bessere Kontrolle ausländischer Imame. Doch woher kommt das Geld wirklich und wer kontrolliert die Finanzströme?

Bild von den Händen zweier knienden Muslime beim Gebet. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Insbesondere bei der albanischen Diaspora fliesst das Geld fast ausschliesslich von den Gläubigen selber. Keystone/Archiv

In der Schweiz gibt es etwa 250 muslimische Gebetsstätten. Etwa ein Fünftel davon ist in der Hand der türkischen Gemeinschaft. Die Zahl der Imame, die aus der Türkei kommen dürfen, ist von den Behörden vor vier Jahren angehoben worden, seither ist sie von 20 auf 35 gestiegen.

Konservativer seien diese Imame aber nicht geworden, sagt Ender Günesh, Generalsekretär der Schweizerisch-Islamischen Gemeinschaft. Er ist selber türkischer Herkunft. «Es wird der gleiche Islam gepredigt, wie schon immer, seit Imame in die Schweiz gesandt werden», sagt er. Dabei handle es sich nicht um einen konservativen, sondern um einen eher liberal ausgerichteten Islam.

Gläubiger bezahlen Obulus

«Aber ja», bestätigt Günesh, «seit Jahren werden diese Imam-Stellen von der Stiftung Diyanet finanziert». Dahinter steckt direkt der türkische Staat. Daneben zahlten aber auch die praktizierenden Gläubigen ihren monatlichen Obulus von 20 bis 100 Franken. In vielen Moscheen gibt es öffentliche Listen in denen eingetragen wird, wer wieviel bezahlt hat. Es bestehe aber kein Zwang, sagt Günesh. Die Listen dienten lediglich als Motivation, seinen Beitrag auch noch zu bezahlen.

«  Viel Geld fliesst nicht. Das lässt sich schon nur daran sehen, dass die meisten Moscheen relativ bescheiden und ärmlich aussehen. »

Andreas Tunger-Zanetti
Islamwissenschaftler vom Zentrum für Religionsforschung an der Uni Luzern

Der Islamwissenschaftler Andreas Tunger-Zanetti vom Zentrum für Religionsforschung an der Universität Luzern bestätigt dies. Insbesondere bei der albanischen Diaspora, die fast die Hälfte der hiesigen Muslime ausmacht, fliesse das Geld fast ausschliesslich von den Gläubigen selber. Viel Geld sei das nicht. «Das lässt sich schon nur daran sehen, dass die meisten Moscheen relativ bescheiden, ärmlich und auch beengt aussehen», sagt er.

Aber einen genauen Überblick über die Finanzströme gibt es – wie auch bei den anderen Religionen – nicht. Nur die wenigsten Moscheen seien über Stiftungen organisiert, die der Stiftungsaufsicht unterliegen, sagt Tunger-Zanetti. «Die meisten Moschee-Vereine sind wirklich Vereine nach dem Zivilgesetzbuch», sagt er. Nur etwa ein Zehntel seien Stiftungen, oder aber es bestehe eine Stiftung parallel zum Verein.

SEM überprüft Imame

Kontrolliert werden hingegen die Imame, die von der Türkei oder aus Bosnien und Albanien in die Schweiz kommen. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) überprüft, ob die religiöse Gemeinde für deren Bezahlung aufkommen kann, ob sie genügend vertraut sind mit der hiesigen Kultur und ob sie ausreichend Deutsch sprechen. Ist das nicht der Fall, so müssen sie sich mit einer Integrationsvereinbarung verpflichten, ihre Deutschkenntnisse zu verbessern.

«  Es ist nicht nötig, Imame aus dem Ausland zu importieren. »

Mustafa Mehmeti
Imam vom Haus der Religionen in Bern

Da die meisten Imame die Schweiz aber nach wenigen Jahren wieder verlassen, bleibt die Integration mangelhaft. Es gibt deshalb auch muslimische Stimmen, die fordern, das Potential hier in der Schweiz besser zu nutzen. Es sei nicht nötig, Imame aus dem Ausland zu importieren, sagt der Berner Imam Mustafa Memeti vom Haus der Religionen in Bern. Es gebe genug Leute hier, welche die religiösen Zeremonien durchführen können.

Eine universitäre Ausbildung von Imamen an der Schweiz ist zwar oft diskutiert worden. Die diesbezügliche Zusammenarbeit mit den muslimischen Gemeinschaften kam bisher aber nicht zustande.