Schweizer Presse rückt weiter nach rechts

Die Schweizer Medienlandschaft hat sich in den vergangenen Jahren nach rechts bewegt, sagen Beobachter, und verweisen auf Rogel Köppel und seine «Weltwoche» sowie auf Markus Somm und die «Basler Zeitung». Doch haben diese beiden Blätter wirklich eine konservative Wende eingeläutet?

Somm und Köppel (rechts) an der Albisguetlitagung der SVP am 15.01.2016. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Vor 10 Jahren übernahm Roger Köppel (r.) die «Weltwoche». Vor 6 Jahren wurde Markus Somm (l.) Chefredaktor der «BaZ». Keystone

Seit 27 Jahren betreut Rainer Stadler in der «Neuen Zürcher Zeitung» die Medienseite. Er ist also ein genauer Beobachter der Schweizer Medienlandschaft. Für ihn ist klar, dass die Medien sich in den letzten zehn Jahren nach rechts bewegt haben: «Die Journalisten haben darauf reagiert, wie die Bevölkerung die Weltlage einschätzt, und haben sich entsprechend auch ein bisschen angepasst.»

Die Medien seien ein Spiegel der Gesellschaft, und diese sei konservativer geworden, so Stadler. Diese Einschätzung teilt der Medienwissenschaftler Roger Blum, emeritierter Professor an der Universität Bern und Ombudsmann der SRG Deutschschweiz.

Die unsichere aussenpolitische Lage führe dazu, dass sich die Bevölkerung Stabilität wünsche – nicht Veränderung, sagt Blum: «Man hat im Zusammenhang mit der 1968er-Bewegung sehr viele Reformen auf den Weg gebracht. Es gibt dann vielleicht auch einmal so etwas wie eine Reformmüdigkeit. Diese Wellenbewegungen in der Entwicklung spielen schon auch eine Rolle.»

Mehr redaktioneller Inhalt anstatt Inserate

Profitiert vom konservativen Zeitgeist haben die bürgerlichen Parteien, speziell die SVP. Noch vor 15 Jahren sei es so gewesen, dass die Volkspartei ihre Positionen vor allem über Inserate in die Zeitungen gebracht habe.

Rechtsrutsch in der Schweizer Presse?

3:38 min, aus Echo der Zeit vom 21.07.2016

Heute, mit der «Weltwoche» und der «Basler Zeitung», sei die SVP auch in den redaktionellen Spalten gut vertreten, sagt Politik- und Medienwissenschaftler Lukas Golder vom Forschungsinstitut gfs.Bern. Und die Themensetzung der «Weltwoche» beeinflusse auch die anderen Zeitungen, sagt er: «Sie nehmen diese Position der ‹Weltwoche› deutlicher wahr. Das inspiriert. Und diese Inspiration wird aufgenommen.»

SVP-Themen kämen nun auch in den anderen Zeitungen häufiger zur Sprache, zum Beispiel die Kritik an der Zuwanderung und an einer aussenpolitischen Öffnung. Ein gutes Beispiel dafür ist die Berichterstattung über die Masseneinwanderungs-Initiative: Eine Untersuchung der Universität Zürich zeigte, dass etwa der traditionell links-liberale «Tages-Anzeiger» mehrheitlich positiv über die SVP-Initiative berichtet hatte.

Gegengewicht «WoZ» fehlen die Ressourcen

Natürlich gibt es daneben auch Zeitungen mit einer linken Ausrichtung – insbesondere «Die Wochenzeitung» («WoZ»). Doch um ein echtes Gegengewicht zur «Weltwoche» zu sein, fehlten ihr die Ressourcen, sagt Golder: «Ich nehme die ‹WoZ› selten als meinungsbildend wahr. Sie bedient ein Milieu. Darüber hinaus schafft sie es weniger, wirklich Wellen zu schlagen.»

So bleiben die grossen Titel wie der «Blick», die «Aargauer Zeitung», die «Neue Zürcher Zeitung» oder der «Tages-Anzeiger», um für ein grosses Publikum die Positionen der anderen Parteien abzubilden.

Dass auch sie sich in eine konservativere Richtung bewegen, zeigen die jüngsten Wechsel der Chefredaktoren. Keine der grossen Zeitungen hat einen linken Chefredaktor – und bei der «NZZ» versuchten rechts-konservative Kreise, den rechts-bürgerlichen Markus Somm als Chefredaktor zu installieren.

Unterschiede zwischen Chefs und Redaktoren

Gemäss Politik- und Medienwissenschaftler Golder geben die Chefredaktoren so den politischen Kurs einer Zeitung vor: «Die Chefredaktionen sind bekanntermassen eher etwas mehr in der Mitte oder rechts, als die jeweiligen Mitglieder der Redaktionen.» Also nicht nur in der «Weltwoche» und der «Basler Zeitung» haben rechte Positionen in Schweizer Zeitungen momentan Hochkonjunktur.