Schweizerische Hochschulkonferenz: Aufbruch mit Misstönen

Heute betreten Bund und Kantone Neuland: In der Schweizerischen Hochschulkonferenz soll künftig gemeinsam über die Geschicke des hiesigen Hochschulstandorts entschieden werden. Zur neuen Struktur gibts nicht nur Applaus.

Unter der Leitung von Bundesrat Johann Schneider-Ammann ist die Schweizerische Hochschulkonferenz künftig das höchste Gremium in der Hochschullandschaft der Schweiz. Sie soll Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogische Hochschulen koordinieren – von A wie Angebot bis Z wie Zulassung. Die Hochschulkonferenz wird geprägt vom Hochschulrat. Darin sind neben dem Bildungsminister Schneider-Ammann 14 kantonale Erziehungsdirektorinnen und -direktoren vertreten.

Ohmächtiges «Organisationsmonster»?

Das kann nicht funktionieren, befürchtet Bildungsexperte Rudolf Strahm: «Die Regierungsräte aus den Kantonen werden natürlich vor allem an ihren Kanton denken. Ein einziger Bundesrat wird sich nicht durchsetzen können», gibt sich der ehemalige SP-Nationalrat und Preisüberwacher skeptisch. «Das Ganze ist ein Organisationsmonster, das kaum wirkliche Führungsentscheide in der Hochschullandschaft treffen kann», schliesst Strahm.

«  Das Ganze ist ein Organisationsmonster, das kaum wirkliche Führungsentscheide in der Hochschullandschaft treffen kann. »

Rudolf Strahm
Ehemaliger SP-Nationalrat und Bildungsexperte

Das Hauptgebäude der Universität Bern, darüber schweben weisse Wolken Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Trotz jahrelanger Sondierungen wird weiter über die Struktur der neuen Hochschulkonferenz debattiert. Keystone

Wer im Hochschulrat sitzt, erhitzt die Gemüter in den Kantonen ohne Universität. Denn die Universitätskantone haben einen Sitz auf sicher – Basel-Stadt, Bern, Freiburg, Genf, Luzern, Neuenburg, St. Gallen, Tessin, Waadt und Zürich.

Bleiben vier Plätze für die restlichen Kantone, die sich konkurrenzieren. Im Baselbiet sagt etwa Bildungs-Direktor Urs Wüthrich: «Die Konstruktion wurde nach unserem Verständnis nicht zukunftstauglich gewählt», moniert er.

Aus Partnern werden Konkurrenten

Weil der Kanton Basel-Landschaft keinen festen Sitz hat, komme es zu der «unerfreulichen und ungeschickten Situation», dass man als Konkurrent zum Kanton Aargau antreten müsse. Zu eben jenem Kanton, der eigentlich Partner bei der Fachhochschule Nordwestschweiz ist.

Der Aargauer Bildungsdirektor Alex Hürzeler geht seinerseits davon aus, dass sein Kanton Aufnahme in die neue Hochschulkonferenz finden wird: «Als grösster Nicht-Universitätskanton gehe ich davon aus, dass uns dies auch aufgrund der finanziellen Optik zugestanden wird.» Das Rennen um die restlichen vier Sitze im Hochschulrat wird heute entschieden.