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Sechseläuten 2026 12 Minuten und 48 Sekunden: Böögg prophezeit milden Sommer

  • Am Zürcher Sechseläuten ist der Kopf des Bööggs nach exakt 12 Minuten und 48 Sekunden explodiert.
  • Das Zürcher Wetterorakel verspricht damit einen guten Sommer 2026.
  • Ob es tatsächlich ein so guter Sommer wird, bleibt jedoch offen. Als Wetterfrosch ist der Böögg nicht immer sehr zuverlässig.
  • Die Glut des Feuers nutzen Zürcherinnen und Zürcher danach traditionellerweise, um auf dem Sechseläutenplatz Würste zu braten.

Um Punkt 18 Uhr, beim sechsten Schlag der Glocken, entzündete der Bündner Regierungspräsident Martin Bühler den Holzstoss unter dem Böögg. Noch nicht ganz alle Zünfte waren da auf dem Sechseläutenplatz angekommen. Mit seinem bei SRF geäusserten Tipp von 18 Minuten lag Bühler leicht daneben.

Während die Reitergruppen der Zünfte zum «Sechseläutenmarsch» den Böögg umrundeten, schien die Sonne, der Wind ging nur leicht. Nach 10 Minuten explodierten die erste Böller, die Flammen schlängelten sich zum Böögg hoch. Während der Holzstoss noch länger brannte, ging die Winterfigur schnell in Flammen auf.

Zahlen und Geschichten zum Böögg

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Manchmal lässt sich der Böögg Zeit – sehr viel Zeit. 2023 stellte er einen Rekord auf und brauchte ganze 57 Minuten, bis sein Kopf explodierte. Am schnellsten ging es 1968 und 1971: Damals dauerte es jeweils nur fünf Minuten. 

Dauert es bis zu sechs Minuten, verspricht man sich einen schönen Sommer. Explodiert der Böögg erst nach mehr als 15 Minuten, gilt der Sommer als schlecht. Alles dazwischen deutet auf ein durchzogenes Jahr hin.  

Ob schnell oder langsam, mit dem Wetter des Sommers hat das trotz des Brauchs nur wenig zu tun. Eine Analyse von MeteoSchweiz zeigte: Der Böögg taugt kaum als Wetterfrosch. Die Brenndauer und Sommertemperaturen im Mittelland hängen nicht nachweisbar zusammen. Jahre wie 2003, als der Kopf schon nach 5 Minuten und 42 Sekunden platzte und ein Hitzesommer folgte, gelten als Zufall. 

Auch sonst lief nicht immer alles nach Plan: 1921 zündete ein Knabe den Böögg schon am frühen Nachmittag an. Mehrfach, etwa 1950, 1960 sowie 1993 und 1994, kippte der Böögg sogar vom Holzstapel, bevor der Kopf explodierte. Dann warf man ihn kurzerhand ins Feuer, damit es doch noch knallte. Und 2006 verschwand der Böögg sogar ganz; er wurde wenige Tage vor dem Fest gestohlen. Am Sechseläuten kam ein Ersatz zum Einsatz, der nach gut zehn Minuten explodierte. 

Am Nachmittag hatte der traditionelle Umzug durch Zürich stattgefunden. Tausende säumten die Strassen am Zürcher Frühlingsfest. Unter den 120 Ehrengästen liefen in diesem Jahr neben Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider auch Sängerin Beatrice Egli, die Eishockeylegenden Mark Streit und Andres Ambühl sowie der Churer Bischof Joseph Maria Bonnemain mit.

Vom Bundesrat war ausser Baume-Schneider niemand vertreten. 2025 waren noch vier Bundesräte dabei. Der Präsident des HC Davos, Gaudenz Domenig, gönnte sich den Ausflug nach Zürich, bevor sein Verein am Abend das zweite Finalspiel gegen Fribourg-Gottéron bestreitet. Auch Armeechef Benedikt Roos nahm den Marsch zum Sechseläutenplatz auf sich.

Gastkanton Graubünden

Besonders viele Ehrengäste kamen aus dem Gastkanton Graubünden, unter anderem war der gesamte Regierungsrat vertreten. Auch Ständeratspräsident Stefan Engler, Schauspielerin Tonia Maria Zindel, Ex-Mister-Schweiz Renzo Blumenthal und Ex-Langläufer Dario Cologna waren dabei. Während Schwingerkönig Armon Orlik bei den Bündnern mitlief, war sein Bruder Curdin, dreifacher Eidgenosse, Ehrengast bei der Zunft zum Weggen.

Auf dem Lindenhof gibt es ein kleines Festzentrum. Hier probiert man Bündner Spezialitäten, entdeckt traditionelles Handwerk und bewegt sich durch die Vielfalt der Täler. Rund eine halbe Million Franken investiert der Bergkanton in den Auftritt, wie OK-Chef Marcus Hassler sagte. 

Hochräder und Roboter

Eine Premiere gab es dank der Bündner zu bestaunen: Ein humanoider Roboter lief am Umzug mit. Er machte auf den «Tech Summit» in Davos im Sommer aufmerksam und konnte mit den menschlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern mithalten. Einige Mitglieder der Stadtzunft waren auf Hochrädern unterwegs, einem nicht ungefährlichen Fortbewegungsmittel zwischen den Tramschienen. Bei den Reitern sah das doch etwas sicherer aus.

Tradition und Moderne aus Graubünden

Am Sonntagnachmittag fand bereits der Kinderumzug statt. Etwa 3000 Kinder liefen mit, 211 aus Graubünden. Sie waren als Heidi, Geissenpeter oder Schellenursli verkleidet. Für die Zuschauerinnen und Zuschauer gabs Nussstängeli und Nusstörtli. 

SRF Regionaljournal, 14.4.2026, 17:30 Uhr ; 

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