Nervige Roaming-Gebühren Selbst im Ländle profitiert man – nun erhöhen Politiker den Druck

Die Roaming-Gebühren fallen ab Donnerstag in der EU weg, auch in Liechtenstein. Was bedeutet das für die Schweiz?

Video «Die Schweizer zahlen nach wie vor drauf» abspielen

Die Schweizer zahlen nach wie vor drauf

3:02 min, aus 10vor10 vom 13.6.2017

Das Wichtigste in Kürze:

  • Roaming-Gebühren fallen ab dem kommenden Donnerstag in der EU weg, auch im Nicht-EU-Land Liechtenstein.
  • Das Fürstentum ist Mitglied vom europäischen Wirtschaftsraum (EWR) ist, auch dort werden die Gebühren abgeschafft.
  • Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter will eine parlamentarische Initiative einreichen, welche eine schrittweise Abschaffung der Roaming-Gebühren in der Schweiz verlangt.

Bye bye Roaming für Telefonie, SMS und Internet. Auch in unserem kleinen Nachbarland Liechtenstein sind die Roaming-Gebühren ab Donnerstag Geschichte. Denn die Gebühren werden nicht nur in der EU, sondern auch im EWR abgeschafft.

Der Chef von Telecom Liechtenstein ist deshalb verpflichtet, die EU-Regelung zu übernehmen. «Wir haben dies in unseren Tarifen bereits umgesetzt. Für unsere Kunden bedeutet das Roaming-freies EU-Ausland. Wir machen etwas weniger Einnahmen, dafür haben die Kunden einen grossen Gewinn», sagt Mathias Maierhofer, CEO der Telecom Liechtenstein.

Kein Wille da in der Schweiz

Auch die Schweizer Anbieter Swisscom und Salt sind auf dem Markt in Liechtenstein mit Tochterfirmen präsent. Bei ihnen entfallen die Roaminggebühren ebenfalls – sofern die Vorwahl mit +423 beginnt.

Ganz anders verhalten sich die gleichen Firmen in der Schweiz. Hier muss man weiter Roaming bezahlen. CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter will, dass die Gebühren auch hier wegfallen. «Man hat noch nicht realisiert, was das für unsere Konsumenten bedeutet, aber auch für den Wirtschaftsstandort Schweiz», so die Nationalrätin aus dem Kanton Baselland.

Deshalb arbeitet Schneider-Schneiter an zwei Vorstössen, die sie übermorgen einreichen will. Die einfachste Lösung wäre auf den Zug der EU aufzuspringen. «Es braucht einen Staatsvertrag und ein bilaterales Abkommen. Das können wir im Moment nicht verhandeln, weil sehr viele Fragen über das weitere Vorgehen zwischen der Schweiz und der EU noch offen sind. Aber in einem meiner Vorstösse beauftrage ich den Bundesrat, das sektorielle Abkommen betreffend Roaming-Gebühren mit der EU anzugehen.»

Was ein solches bilaterales Abkommen für die Swisscom als grösste Anbieterin hierzulande heissen würde, kommentiert das Unternehmen nicht. Aber: «Aus Swisscom-Sicht besteht kein Bedarf für eine Regulierung. Die Preise sinken laufend, und ein Grossteil unserer Kunden zahlt nicht mehr separat für das Roaming. Für sie ist es kein Thema, darum sehen wir da keinen Bedarf», so Swisscom-Sprecherin Annina Merk.

«  Die Schweiz ist nicht Teil der EU, daher profitiert die Swisscom auch nicht von den regulierten Einkaufspreisen für unsere Kunden. »

Annina Merk
Sprecherin Swisscom

Trotzdem: Für die Schweizer Mobilfunkanbieter bleibt das Roaming ein gutes Geschäft. Die Schweizer würden von tieferen Roaming-Gebühren am schnellsten profitieren, wenn die Anbieter mit den Margen noch mehr runtergehen würden – auch das ist eine Forderung im Parlament.

«Die Schweiz ist nicht Teil der EU, daher profitiert die Swisscom auch nicht von den regulierten Einkaufspreisen für unsere Kunden. Wir verhandeln mit jedem Anbieter einzeln, damit man diese Preise auch wirklich senken kann», erklärt Merk.

In Liechtenstein hofft man derweil, dass es in der Schweiz beim Thema Roaming noch länger nicht vorwärts geht. Dadurch, dass wir einen erheblichen Neukunden-Zustrom haben, können wir die wegfallenden Umsätze aus dem EU-Roaming kompensieren und überkompensieren, so Maierhofer von der Telecom Liechtenstein.