«Es ist eine gerechte Besteuerung aller natürlichen Personen»

Verkauft ein Bauer künftig sein Land, muss er auf den Gewinn keine Bundessteuer bezahlen. So will es der Nationalrat. Mit diesem Beschluss vom Mittwoch führt er ein Steuerprivileg wieder ein, das vor sechs Jahren aufgehoben worden ist. Bauernpräsident Markus Ritter verteidigt den Entscheid.

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Markus Ritter ist Präsident des Bauernverbandes (sbv) und CVP-Nationalrat.

SRF News: Wenn ein Bauer künftig sein Land verkauft, soll er auf den Gewinn keine Bundessteuer bezahlen müssen. Haben Sie kein schlechtes Gewissen?

Markus Ritter: Es war ein guter Entscheid des Nationalrates. Die Regelung bedeutet nichts anderes als eine gerechte, gleichmässige Besteuerung aller natürlichen Personen: Private, Erbengemeinschaften und Landwirte.

Profitieren vom Entscheid des Nationalrates werden vor allem die Grossbauern. Wie erklären Sie das den Kleinbauern?

Hören Sie hier das ganze Gespräch mit Markus Ritter

7:10 min, aus SRF 4 News aktuell vom 28.04.2016

Das stimmt nicht. Alle können Bauland verkaufen, nicht nur die Grossen. Ausserdem betrifft das neue Steuersystem auch Bauern, die ihren Betrieb aufgeben: Die Grundstücke und vor allem das Wohnhaus müssen vom Geschäfts- ins Privatvermögen überführt werden. Erhält ein Wohnhaus einen Mehrwert von beispielsweise 400‘000 Franken, ohne dass Geld fliesst, werden Steuern und Abgaben von 200‘000 Franken fällig. Das können viele gar nicht bezahlen. Jährlich gibt es über 1000 solche Fälle.

Haben Sie keine Angst, dass die Forderung des Bauernverbandes nach mehr Schutz des Kulturlandes in Zukunft vielleicht nicht mehr so ernst genommen wird?

Nein, denn wir haben das Raumplanungsgesetz mitgetragen und damit bewiesen, dass wir bereit sind, aktiv etwas für den Schutz von Kulturland zu tun. Wir haben zugunsten einer 20-Prozent-Mehrwertabgabe entschieden und damit gezeigt, dass wir bereit sind, sehr viel Geld für den Kulturlandschutz einzuschiessen. Ich kenne keinen anderen Berusfverband, der sich für eine Steuererhöhung eingesetzt hat, die auch einen beachtlichen Teil seiner eigenen Mitglieder betrifft.

Das Gespräch führte Tina Herren.