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Session Experten: Die Schweiz ist ernährungssicher

Der Nationalrat berät heute die Initiative für Ernährungssicherheit des Schweizer Bauernverbandes. Der Bundesrat lehnt die Initiative ab – die Ernährungssicherheit sei bereits hoch. Experten pflichten ihm bei.

Ein Bauer in seinem Legehennen-Stall.
Legende: In der Schweiz konsumierte Nahrungsmittel stammen zu rund 55 Prozent aus einheimischer Produktion. Keystone

Die Initiative für Ernährungssicherheit des Schweizer Bauernverbandes will die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln aus einheimischer Produktion stärken. Experten und der Bundesrat sind sich jedoch einig: Die Ernährung der Schweizer ist schon heute sicher. «Wir haben eine stabile Produktion im Inland, und wir können fehlende Nahrungsmittel von einem internationalen Markt beziehen», sagt etwa Agrarökonom Simon Peter. «Die Schweiz ist deshalb derzeit ernährungssicher.»

Im internationalen Vergleich liegt die Schweiz jedoch zurück, wenn es um die einheimische Produktion geht. Rund 55 Prozent der hierzulande konsumierten Nahrungsmittel werden in der Schweiz produziert. In Deutschland liegt der Selbstversorgungsgrad bei über 80 Prozent, in Frankreich gar bei über 100 Prozent.

Hohe Bevölkerungsdichte

Dass die Schweiz nicht mehr produziert, ist auf die Topografie zurückzuführen. Es gibt wenige sehr ertragreiche Landwirtschaftsflächen. Gleichzeitig sei die Bevölkerungsdichte sehr hoch, sagt Bernard Lehmann, Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft. «Pro Quadratmeter landwirtschaftliche Nutzfläche leben bei uns fast doppelt so viele Menschen wie in den umliegenden Ländern.» Die Schweizer Landwirtschaft produziere gleich intensiv wie jene in Frankreich, Deutschland oder Belgien.

Umzug von Bäuerinnen und Bauern in Bern.
Legende: Bäuerinnen und Bauern reichten im Juli 2014 die Unterschriften für die Initiative für Ernährungssicherheit in Bern ein. Keystone

Würde man den Selbstversorgungsgrad bei einer wachsenden Bevölkerung erhöhen, ginge dies derzeit nur auf Kosten der Umwelt, ist Agrarökonom Peter überzeugt: «Mehrproduktion bedeutet den Einsatz von mehr Dünger, mehr Spritzmitteln und mehr Kraftfutter.» Bei einer solchen «sehr intensiven» Produktion würden Umweltanliegen, wie sie heute umgesetzt seien, wahrscheinlich auf der Strecke bleiben.

«Lebensmittelversorgung sichern»

Der Bauernverband hingegen will mit seiner Initiative eine «nachhaltige und vielfältige» Produktion von Lebensmitteln erreichen. Der Vorschlag sichere die Lebensmittelversorgung für heutige und künftige Generationen. Experten betonen jedoch: Solange die internationalen Märkte funktionierten, könne sich die Schweizer Bevölkerung ernährungssicher fühlen.

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20 Kommentare

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  • Kommentar von Otto Murbach (OttoMurbach)
    Sollte es, und es könnte auch wieder passieren, dass wir feststellen müssen, unsere Lebensmittelproduktion reicht nicht mehr aus, die Bevölkerung zu ernähren, (Einfuhrausfall). Dann könnte man ja Lebensmittel rationieren und eine "Anbauschlacht", wie im zweiten Weltkrieg verhängen. Wäre dann interessant zu sehen, wie ein Grossteil der Bevölkerung sich verwundert die Augen reiben würde. Hätten wir eigentlich noch genügend Anbauflächen?
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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    Bei einem erbärmlichen Selbstversorgungsgrad von 55% von Ernährungssicherheit zu sprechen und gleichzeitig die Zersiedelung und das Bevölkerungswachstum vorantzutreiben, ist einebewusste Täuschung des Bürgers. Es ist unsäglich, wie man unser Land an die Wand fährt. Spätestens, wenn unser Trinkwasser breit chloriert werden muss, weil wir zuviel davon ziehen, ist es komplett kaputt!
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  • Kommentar von Christian Walther (Ch. Walther)
    Zu all den Kritikern von tierischen Produkten: Ich bin mit Ihnen einverstanden, dass das Verfüttern von Soja, welches aus schlechten Anbaugebieten stammt, problematisch ist. Sie vergessen aber, dass die Schweiz aufgrund klimatischen Voraussetzungen ein Grasland ist und noch sehr lange bleiben wird. Diese bestehenden Wiesen und ihr Potential mit Wiederkäuern zu nutzen ist in keinem Fall umstritten, sondern sinnvoll!! Zudem: In absehbarer Zeit wird der Sojaanbau in der Schweiz deutlich zunehmen.
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    1. Antwort von Basil Zürcher (Basil333)
      Sie sprechen von Wiesen über 1000 M.ü.M.? Ok, schwierig anders zu nutzen. Integriert man aber in diese Debatte noch das Wissen um die Treibgas ausstoßenden Nutztiere, verliert Ihre Strategie ziemlich schnell an Sinn, nicht?
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    2. Antwort von Christian Walther (Ch. Walther)
      Dazu kommen die tausenden Hektaren in den Talregionen, welche aufgrund topografischen Gegebenheiten nicht in die Fruchtfolge eingebunden werden können. Natürlich besteht bei den Nutztieren eine Treibhausproblematik. Fakt ist aber: Die Nachfrage nach Fleisch besteht. Nur ein Umdenken der Konsumgesellschaft könnte was daran ändern. Das ist jedoch kaum zu erwarten. Insofern ist die Nutzung bestehender Weideflächen für die Milch- und Fleischproduktion doch sinnvoll?
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    3. Antwort von Basil Zürcher (Basil333)
      So gesehen stimmt das, wobei all diese Flächen erst geschaffen worden sind, um Gras für die Nutztiere zu erhalten, oder? Und ja klar, nicht die Politik soll das regeln, nur wir Konsumenten können uns immer wieder entscheiden. Man kann nicht genug oft darauf hinweisen, dass es eleganter ist, in Freiheit Verzicht zu üben, statt sich irgendwann den Umständen unterordnen zu müssen.
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