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Session Jeder soll Organspender werden

Der Nationalrat will mehr Organspenden. Er hat sich dafür ausgesprochen, die sogenannte Widerspruchslösung einzuführen: Hat sich eine Person vor ihrem Tod nicht explizit gegen eine Organspende ausgesprochen, geht man von einer Zustimmung aus. Dem Bundesrat schwebte eine andere Lösung vor.

Geht es nach dem Willen des Nationalrats, soll sich in Zukunft jeder Bürger mit der Frage befassen müssen, ob er sich als potenzieller Organspender zur Verfügung stellen möchte. Dazu würde nach der Vorstellung von Motionär Laurent Favre (FDP/NE) eine Datenbank angelegt. Äussert sich eine Person nicht, soll von einer Zustimmung ausgegangen werden.

Der Vorstoss wurde vom Nationalrat klar mit 102 zu 65 Stimmen angenommen. Nun befasst sich der Ständerat damit.

Positive Erfahrungen in anderen Ländern

Favre verwies auf die positiven Erfahrungen in anderen europäischen Ländern, welche die Widerspruchslösung kennen. Von den zehn Ländern mit den höchsten Spenderquoten seien neun nach dem Widerspruchsmodell organisiert.

Ein Mensch mit einer Kühlbox mit der Aufschrift «Human Organ für Transplant».
Legende: Nach dem Tod Spenderorgane entnehmen: Nach dem Nationalrat soll das in der Schweiz künftig einfacher gehen. Keystone

Gesundheitsminister Alain Berset glaubt nicht, dass die Zahl der Organspenden mit der Widerspruchslösung merklich zunehmen würde. Ausserdem habe die automatische Organspende im Vergleich mit der heutigen Regelung ethische Defizite.

Auf Empfehlung der nationalen Ethikkommission verzichtete der Bundesrat deshalb darauf, die Widerspruchslösung weiterzuverfolgen. Mit dem im März dieses Jahres vorgestellten Aktionsplan setzt er stattdessen auf verbindliche Spendenprozesse in allen Spitälern, den Aufbau einer nationalen Stelle sowie die Information der Bevölkerung.

Heute dürfen Organe in der Schweiz nach dem Tod nur dann entnommen werden, wenn die betroffene Person zu Lebzeiten zugestimmt hat oder wenn es die Angehörigen erlauben. Im Jahr 2012 wurden 96 Menschen nach ihrem Tod eines oder mehrere ihrer Organe entnommen.

58 Kommentare

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  • Kommentar von Marianne Roe, Gwatt
    So kann das nicht gehen. Ich möchte nicht ausgenommen werden nach meinem Tod. Wie soll ich das nun Mitteilen, wenn ich irgendwo an einem Unfall sterbe und niemand meinen Ausweis findet. Muss ich mir das in der Herzgegend auftätowieren lassen ? Vielleicht wäre ein implantierter Chip das richtige. Nur weil man heute findet, dass jeder der eigentlich sterben würde, doch überleben soll, und dafür alle "spenden" müssen. Das wäre ja dann gar keine Spende mehr, sondern Raub!
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  • Kommentar von Theodor Kuglerh, 8413 Neftenbach
    Es gibt viele Argumente gegen eine Organtransplantation, aber auch einige dafür. Die Forschung hat zB aufgezeigt, dass das transplantierte Organ psychische Eigenschaften des Spenders auf den Empfänger übertragen kann. Das dürfte sich bei sehr negativen Eigenschaften äusserst problematisch auswirken. Umgekehrt kann es sehr positiv sein, wenn zB ein Mensch einem anderen aus Liebe eine Niere spendet. Mann muss die Freiheit lassen. Wenn ich mich melden muss, habe ich keine Freiheit.
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  • Kommentar von Beppie Hermann, Bern
    M.Otts+B.Meile,12.9./22.50+20.32,ist aus xGründen der letzte Wille unauffindbar,(un)absichtlich übersehen,das,bei einer vertrauten Person deponierte Doppel nicht rasch genug verfübar,der Hirntod des Patienten(un)beabsichtigt falsch od.zu früh als hirntot erklärt,werden Wartelisten manipuliert,s/Beiträge unten,kann man nicht behaupten,es sei so wie früher od.jeder habe es in seiner Hand.Bedenklich auch,viele unwiss.Spender wollen keine lebensverlängernden Massnahmen,das geht idR nicht zusammen.
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    1. Antwort von A.Käser, Zürich
      Und was wenn jemand seinen Willen ändert oder der Wille scheinbar"verfallen"ist,weil die Willenskundgebung zu lange her ist?Könnte ja noch eine Berichtigung vorhanden sein,oder?In diesem"Sumpfbereich"können sich manipulative Aspekte noch und noch"einschleichen".Was wenn jemand keinen Internet-Zugang hat oder total alleine lebt,keine Kontakte pflegt?Wenn schon,dann auch Legalisierung eines medikamentösen Freitodes für Sterbewillige,ungeachtet gesundheitlicher oder psychischer Beeinträchtigungen.
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