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Session Klares Ja zur Stiefkind-Adoption durch Homosexuelle

Die Stiefkind-Adoption soll künftig nicht nur für Eheleute, sondern auch für eingetragene Partnerschaften und im Konkubinat möglich sein. Der Ständerat will das Familienrecht den Realitäten anpassen. Dass das Kindeswohl im Zentrum stehen muss, betonen Befürworter und Kritiker der Vorlage.

Legende: Video Adoption für gleichgeschlechtliche Paare abspielen. Laufzeit 01:09 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 08.03.2016.

Es geht nicht darum, adoptionswilligen Eltern zu einem Kind zu verhelfen, sondern dass das Kind mit Eltern aufwachsen kann. Diese Haltung im Interesse des verstärkten Kindeswohls überwog im Ständerat die Bedenken konservativer Kreise, das Adoptionsrecht den neuen Realitäten anzupassen.

So soll es nach dem Willen der kleinen Kammer möglich werden, dass künftig auch Paare in eingetragener Partnerschaft wie auch Konkubinatspaare leibliche Kinder ihres Partners oder ihrer Partnerin adoptieren können.

Der Entscheid fiel mit 32 gegen 7 Stimmen überraschend deutlich aus. Die Vorlage geht nun an den Nationalrat.

Legende: Video Beat Rieder fürchtet Einführung von «gemeinschaftlicher Adoption» abspielen. Laufzeit 00:10 Minuten.
Aus News-Clip vom 08.03.2016.

Gegner sprechen von Salamitaktik

Gegen die Änderung stellte sich Beat Rieder (CVP/VS). Er zog in Zweifel, dass es tatsächlich um das Kindeswohl gehe, und sprach von Salamitaktik.

Homosexuelle könnten nämlich auf künstlichem Weg – durch Leihmutterschaft – zu einem Kind kommen und dieses dann vom Partner adoptieren lassen. Justizministerin Simonetta Sommaruga erwiderte, Leihmutterschaft sei verboten.

Claude Janiak (SP/BL) legte seine persönliche Betroffenheit bei diesem Thema offen. So lebe er bekanntlich in einer eingetragenen Partnerschaft. Es käme ihm aber nie in den Sinn, den Sohn seines Partners zu adoptieren, habe dieser doch eine Mutter. Falls diese aber sterben würde, möchte er die Gelegenheit zu diesem Schritt haben.

Legende: Video Claude Janiak: «Was, wenn die Mutter nicht mehr da ist?» abspielen. Laufzeit 00:47 Minuten.
Aus News-Clip vom 08.03.2016.

Es sei auch eigenartig, dass nur bei der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft die Betreuungsfrage immer so stark betont werde, als ob es in einer heterosexuellen Partnerschaft immer so einfach wäre.

Das Kindeswohl im Zentrum

Janiak erwähnte auch die hohen Auflagen, die an eingetragene Partner bei einer Adoption gestellt würden; etwa die erzieherische Eignung, die wirtschaftliche Lage und die Beweggründe insgesamt.

In der Schweiz gebe es nicht nur Regenbogen-Familien, die faktisch zusammenlebten, stellte Andrea Caroni (FDP/AR) fest. Vielmehr lebten hier auch Regenbogen-Familien, die sich ihre Status im Ausland rechtlich abgesichert hätten. Es sei deshalb fraglich, ob eine Diskriminierung der Schweizerinnen und Schweizer bestehen bleiben soll.

Wir sagen nicht, dass alle gleichgeschlechtlichen Paare das Recht auf eine Adoption haben. Aber wir heben deren absolute Untauglichkeit zur Adoption auf.
Autor: Andrea CaroniNationalrat, FDP/AR

«Kinder sind keine Luxusgüter, die man erwerben kann», betonte Damian Müller (FDP/LU). Die Vorlage aber sei im Sinne des Kindeswohls. Kinder von gleichgeschlechtlichen Paaren entwickelten sich zudem nicht anders als solche von verschiedengeschlechtlichen Paaren. «Mir ist es lieber, wenn Kinder in geregelten Verhältnissen bei einem gleichgeschlechtlichen Paar aufwachsen, als wenn ihnen die Perspektiven durch eine Fremdplatzierung genommen werden.»

Legende: Video Sommaruga: «Zweck, einem elternlosen Kind zu Eltern zu verhelfen» abspielen. Laufzeit 00:11 Minuten.
Aus News-Clip vom 08.03.2016.

Es ist bereits Realität

Justizministerin Simonetta Sommaruga betonte, dass die Hürden für adoptionswillige Personen heute zum Teil nicht mehr ganz zeitgemäss seien. Eine moderate Modernisierung sei deshalb angebracht, ohne Abstriche am Kindeswohl vorzunehmen. Massgebend sei dabei immer der Blickwinkel des Kindes.

«Wenn sie heute die Stiefkind-Adoption für alle ausserhalb der Ehe bestehenden Partnerschaften ablehnen, verhindern sie nicht, dass Kinder in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften leben», gab Sommaruga zu bedenken. Es gehe einzig darum, dass auch diese Kinder die nötige rechtliche Absicherung genössen, falls ihr leiblicher Vater oder ihre leibliche Mutter sterben würden: «Es wäre wohl schwierig zu erklären, warum solche Kinder unterschiedlich behandelt werden sollen.»

Wenn sie heute die Stiefkind-Adoption für alle ausserhalb der Ehe bestehenden Partnerschaften ablehnen, verhindern sie nicht, dass Kinder in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften leben.
Autor: Simonetta SommarugaJustizministerin

Adoptionsrechte für Homosexuelle - Länderüberblick

Stiefkind-Adoption
Andorra, Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Grossbritannien, Irland, Island, Israel, Kanada, Malta, Neuseeland, Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweden, Slowenien, Spanien
Gemeinsame Adoption eines fremden Kindes
Andorra, Argentinien, Australien (4/8 Bundesstaaten), Belgien, Brasilien, Dänemark, Finnland (ab März 2017), Frankreich, Grossbritannien, Irland, Island, Kanada, Kolumbien, Luxemburg, Malta, Neuseeland, Niederlande, Norwegen, Portugal, Schweden, Südafrika, Uruguay, USA (ausgenommen Nebraska und Mississippi)
Automatische Anerkennung der Elternschaft
Belgien, Dänemark, Grossbritannien, Irland, Malta, Niederlande, Spanien

Quelle: International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex Association (ILGA),

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44 Kommentare

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  • Kommentar von Beni Fuchs (Beni Fuchs)
    Es ist ein massiver Unterschied, ob zwei Männer / Frauen miteinander ins Bett hüpfen und sich vergnügen (mag ihnen diesen Spass gönnen) oder miteinander ein Kind erziehen. Denn in diesem Fall wird eine Drittperson ungefragt miteinbezogen, die in Ihrer Entwicklung dadurch massiv beeinflusst wird. Der Mensch kann Gesetze von heute auf morgen ändern, ganz nach belieben, aber Naturgesetze sind ewig. Es ist nun mal der 'Norm' der Natur entsprechend, dass die Fortpflanzung zwei Geschlechter erfordert.
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    1. Antwort von roland goetschi (pandabiss)
      Nach Ihrer Meinung dürften dann auch Kinderlose Paare keine Kinder bekommen. Was genau meinen Sie mit "die in Ihrer Entwicklung dadurch massiv beeinflusst wird". Könnten Sie das bitte etwas genauer erläutern, in welchen Bereiche werden die Kinder massiv beeinflusst?
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    2. Antwort von Beni Fuchs (Beni Fuchs)
      Hr Goetschi, ich bin gegen jede Art von künstlicher Fortpflanzung, aber für eine Adoption sind kinderlose Paare (Frau/Mann) die ideale Zielgruppe :-) Den zweiten Punkt können Sie sich, mit etwas nachdenken, selber beantworten...
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  • Kommentar von Stefan Gruber (steber)
    Welch traurige Kommentare man hier teilweise lesen muss. Ich moechte ja nicht wissen, was die Redaktion alles zurueckhalten musste. Die Gesellschaft veraendert sich nun mal, und das ist gut so. Vor 1971 haben die Maenner immer wieder das Frauenstimmrecht abgelehnt. Einmal kommt nun mal die Zeit um zeitgemaess zu sein. Viva Staenderat.
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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Für die Entwicklung eines Kindes ist Vertrauen/Geborgenheit wichtig. Ob ein Kind, dass bei einem homosexuellen Paar aufwächst, diskriminiert wird, ist ein gesellschaftliches Problem, dass Toleranz heisst. Offenheit und Toleranz hat noch keinem Kind geschadet. Unwahrheit und Verklemmtheit dagegen eher. Auch beim Frauenstimmrecht war die ach so moderne CH lange Schlusslicht. Wenn das gesellschaftliche/wirtschaftliche Umfeld stimmt, muss man sich keine Sorge um Fortpflanzung machen.
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