Online einkaufen im Ausland wird teurer

Einer der beliebtesten Online-Läden der Schweizer ist Amazon Deutschland. Dort kann bislang bis zu einem bestimmten Betrag mehrwertsteuerfrei eingekauft werden. Das soll bald ändern. Der Nationalrat hat einer Revision des Mehrwertsteuergesetzes zugestimmt.

Einkaufen bei Amazon könnte für Schweizer Kunden künftig etwas teurer werden. Denn im Nationalrat herrschte Einigkeit, auch ausländische Unternehmen, die in der Schweiz tätig sind, in die Pflicht zu nehmen.

Stimmt auch der Ständerat den Änderungen im Mehrwertsteuergesetz zu, müssen künftig auch ausländische Firmen, die in der Schweiz aktiv sind und weltweit über 100'000 Franken Umsatz machen, den Schweizer Kunden die Schweizer Mehrwertsteuer in Rechnung stellen.

Gleich lange Spiesse für alle

Das betrifft tausende ausländische Unternehmen, vor allem aber Amazon. Experten schätzen, dass der Onlinegigant hierzulande pro Jahr Waren im Wert von 350 Millionen Franken absetzt. Im Onlinegeschäft ist nur noch der Schweizer Elektronikhändler Digitec grösser. Es sind denn auch die Schweizer Onlinehändler, die von diesem Entscheid profitieren.

«Es ist wichtig, dass man endlich gleich lange Spiesse einführt», zeigt sich Daniel Röthlin, Chef von Ex Libris, zufrieden mit dem Nationalratsentscheid. Derzeit wird das gleiche Buch, wenn es bei Ex Libris und bei Amazon eingekauft wird, nur bei der Migros-Tochter besteuert. Künftig soll es auch beim ausländischen Onlinehändler mehrwertsteuerpflichtig sein.

Kaum Auswirkungen auf den Markt

Allerdings: «Man darf die Auswirkungen nicht überschätzen», mahnt der Ex Libris-Chef. Es gehe, etwa bei Büchern, um einen Steuersatz von 2,5 Prozent. Dies werde den Markt nicht verändern. Bei anderen Waren, wie etwa DVDs, beträgt die Schweizer Mehrwertsteuer 8 Prozent.

Bei einem einzelnen Einkauf sind für den Kunden die anstehenden Preisveränderungen also nicht markant. Für den Bund sollen durch die Gesetzesänderung Mehreinnahmen in Höhe von 40 Millionen Franken entstehen.

Weitere Änderungen beim Mehrwertsteuergesetz

Durch die Änderung im Mehrwertsteuergesetz werden neu schätzungsweise 30'000 ausländische Unternehmen in der Schweiz steuerpflichtig. Für die Umsetzung der Bestimmung müssen in der Steuerverwaltung rund 38 neue Stellen geschaffen werden. Eine weitere Änderung im Gesetz gibt es bei der Besteuerung von Kunstgegenständen, Antiquitäten und Sammlerstücken. Der fiktive Vorsteuerabzug soll durch eine Steuer auf der Differenz zwischen dem Ankaufs- und dem Verkaufspreis ersetzt werden. Hier rechnet der Bund mit Einnahmen in Höhe von 30 Millionen Franken. Auch diese vom Bundesrat vorgeschlagene Änderung des Mehrwertsteuergesetzes war in der grossen Kammer unbestritten. Keinen Widerstand gab es zudem gegen den reduzierten Satz von 2,5 Prozent für elektronische Zeitungen und Zeitschriften. Der Nationalrat nahm in die Vorschrift sogar noch die elektronischen Bücher auf.