Ständerat will die Korruption im Sport bekämpfen

Kein Wegsehen mehr im Sport: Auch für Sportfunktionäre sollen strengere Regeln in Finanzfragen gelten, beschliesst der Ständerat. Er will damit der Korruption vorbeugen.

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Bildlegende: Der Ständerat beschliesst strengere Regeln für Sportfunktionäre. Keystone/Archiv

Keine Wortmeldung, keine Diskussion: Der Ständerat hat die Teppichetage von Uefa, Fifa, IOC und Co. praktisch stillschweigend unter besondere Beobachtung gestellt. Banken, Treuhänder und andere Finanzanbieter müssten demnach künftig beim Fifa-Präsidenten, bei IOC-Mitgliedern oder beim Uefa-Generalsekretär etwas genauer hinschauen.

Monika Roth freut sich über den Entscheid. Die Finanzmarkt-Professorin von der Hochschule Luzern hatte sich für den Vorstoss eingesetzt. «Es ist ein wichtiges Signal, dass man auch hier bezüglich der Korruptionsbekämpfung etwas machen will. Es ist nicht das Ende der Geschichte, sondern der Anfang des Kampfes gegen Korruption im Bereich Sport.»

Strengere Prüfung der Finanzen

Beispiel Fifa-Präsident Sepp Blatter: Was würde sich ändern? Monika Roth erklärt: «Die Banken müssen die Herkunft seiner Vermögenswerte detaillierter prüfen. Und die Geschäftsleitung der jeweiligen Institute ist verpflichtet, diese Bewilligungen einmal im Jahr zu überprüfen und ja oder nein dazu zu sagen.» Das Ziel dieser Regeln ist: Die Banken sollen genauer abklären, ob die Gelder der Sportfunktionäre sauber sind.

Paolo Bernasconi war früher Staatsanwalt im Tessin. Er ist ein Experte für Geldwäscherei. Er erwartet, dass die Neuerung direkte Folgen hat: «Es wird sicher Banken geben, die nach diesem Beschluss sagen, wir wollen keine Geschäfte machen mit Personen, die zu dieser Kategorie gehören.» Manche Sportfunktionäre müssten sich dann wohl eine neue Bank suchen.

Was können diese Regeln bringen?

Die Fifa hat auf Anfrage von Radio SRF bislang zu den strengeren Regeln noch nicht Stellung genommen. Das IOC schreibt allgemein, es begrüsse alle Diskussionen und Massnahmen gegen Korruption. Doch wie wirksam wären die strengeren Regeln?

Hier sind Zweifel erlaubt; ist es doch so, dass bei Staatsoberhäuptern, Regierungschefs und ihren Familien die Banken heute bereits genauer hinschauen sollten. Trotzdem hatten die gestürzten tunesischen und ägyptischen Diktatoren Geld in der Schweiz. Auch der Sohn des abgesetzten ukrainischen Präsidenten konnte trotz Korruptionsverdacht in Genf geschäften. Bringt das Ganze also überhaupt etwas?

«Ich verstehe die Kritik. Mich erstaunt auch, dass Banken Gelder von diesen Potentaten entgegengenommen haben», sagt Finanz-Expertin Roth. «Man muss jedoch festhalten, dass es nicht alle Banken sind. Viele setzen diese Regulierung um.» Es brauche aber strengere Kontrollen bei den Banken.

Nationalrat am Zug

Nun muss noch der Nationalrat entscheiden, ob er hohe Sportfunktionäre unter die erhöhte Finanz-Beobachtung stellen will.

Es tut sich auch sonst einiges rund um Massnahmen gegen Korruption bei Sportverbänden. Der Bundesrat will, dass Bestechung zwischen Privaten zum Offizialdelikt wird. Das hätte konkret zur folge, dass wenn Vertreter eines möglichen Olympia-Austragungsortes etwa ein IOC-Mitglied bestechen würden, der Staat künftig von sich aus ermitteln müsste.

Für die Organisation Transparency International ist diese Änderung noch wichtiger als strengere Sorgfaltsregeln für die Banken bei Sportfunktionären. Auch darüber muss das Parlament noch entscheiden.