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Session Vaterschaftsurlaub: Das Volk solls richten

Der Nationalrat versenkt die bezahlte Zweisamkeit von Vater und Neugeborenem. Die Bevölkerung tickt in der Frage anders, glaubt Travail.Suisse – und fordert sogar vier Wochen. Das Echo bei den Befürwortern in Bundesbern ist verhalten.

Vater mit Neugeborenem
Legende: Die Bevölkerung sympathisiert mit dem Vaterschaftsurlaub, sagt Travail.Suisse. Aber stimmt sie auch dafür? Colourbox

Nach dem Nein aus der Politik soll es die Stimmbevölkerung richten. Und Matthias Kuert Killer von der Gewerkschaft Travail.Suisse ist überzeugt: Die Bevölkerung wird Ja sagen zu einem vierwöchigen Vaterschaftsurlaub: «Wir haben letztes Jahr eine repräsentative Umfrage durchgeführt. Und sie hat gezeigt: 80 Prozent der Bevölkerung stehen dem Vaterschaftsurlaub positiv gegenüber.»

Das Fazit des Gewerkschafters: «Wir denken, dass die Bevölkerung diesbezüglich offener ist, als es das Parlament wahrhaben will.»

Veto vom Fürsprecher im Parlament

Doch mit der Unterstützung der CVP kann Travail.Suisse bei ihrer Initiative nicht rechnen. CVP-Nationalrat Martin Candinas, der die zweiwöchige Auszeit für Väter ins Parlament gebracht hat und damit gescheitert ist, sagt: «Ich bin der Meinung, dass die CVP da nicht mitmachen soll. Wir haben immer zwei Wochen gefordert.» Man müsse differenzieren, so Candinas: «Wir wollen einen Vaterschaftsurlaub. Aber wir kennen auch Grenzen und wissen, was finanzierbar ist.» Und vier Wochen seien nicht finanzierbar.

Gebremste Euphorie im linken Lager

Anders die SP. Sie hat ihre Hilfe beim Unterschriftensammeln bereits zugesichert. Doch hält sich die Begeisterung für die Gewerkschaftsinitiative auch dort in Grenzen, wenn auch aus ganz anderen Gründen. Nationalrat Cédric Wermuth: «Die zwei Wochen, über die wir abgestimmt haben, und die vier Wochen der Initiative sind nicht unser Wunschprogramm.»

Die SP wolle sich stattdessen für eine flexible Elternzeit einsetzen, so Wermuth. In dieser hätten beide Elternteile «die Möglichkeit, aber auch die Pflicht, sich über eine längere Zeit aus der Arbeit zurückzunehmen und sich um ihre Kinder zu kümmern. Trotzdem sei die Initiative ein erster Schritt, und verdiene deshalb volle Unterstützung. Nach dem Nein im Bundeshaus wird nun also auf der Strasse über einen Urlaub für frischgebackene Väter debattiert.

24 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Müller (Confoederatio)
    Ein Vaterschaftsurlaub kann man auch als Attrakrivitätssteigerung des Werkplatzes Schweoz verkaufen. Die Familie benötigt allein die ersten zwei Wochen, um einigermassen mit der geänderten Situation zurecht zu kommen. Urlaub ist das eigentlich nicht.
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (robo)
    Wer also nicht zu laufend neuen sozialen Hängematten oder sonstigen neuen Saatsregulierungen zustimmt, ist nicht "offen"! So jedenfalls, nennnen es die Gewerkschaften, linken Geldverteiler und deren Wasserträger! Ob dieses erneute kostspielige "offen" - sein, die Stimmbürger(innen) an der Urne mehrheitlich auch so sehen und sein wollen, wird das Resultat dann zeigen! Als 76-jährigen Gruft kann mir die ewige Aufblähung der Staatsausgaben eigentlich langsam gleichgültig sein! Den Jungen aber??
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  • Kommentar von Peter Escher (Peter)
    Alex Bauert (A. Bauert), Bern / .. " denn Frauen, die arbeiten wollen, zahlen auch Steuern " - aha, STEUER - ZAHLERINNEN sind wichtiger, als die Mutter bei den Kindern ?! - dann gehören Kinder zur " Standart - Ausrüstung " und zum GUTEN Ton ...
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    1. Antwort von roland goetschi (pandabiss)
      Was haben Sie denn eigentlich gegen ein bis zwei Tage Kinderkrippe? Damit die Mutter auch mal etwas anderes sieht und ihrem Beruf nachgehen kann. Es ist gut für die Mutter und den Kindern tut ein anderes Umfeld auch ganz gut. PS: Die Fünfziger Jahre sind vorbei.
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    2. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      Es gibt auch noch eines zu bedenken. Es ist wunderbar wenn Männer sich später Zeit nehmen,die Kinder zu betreuen. Aber...sie betreuen die Kinder sehr gut, aber nur das. Den Haushalt lassen sie liegen. Da sind sie keine grosse Hilfe.Wir können doch nicht zwei Dinge zur gleichen Zeit machen. Also bleibt schlussendlich die ganze Arbeit bei den Frauen. Oder:ich weiss gar nicht ,warum ihr euch immer beklagt, das ist doch absolut keine anstrengende Arbeit. Also lieber später einen Krippenplatz.
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