Zu Krebserkrankungen sollen Daten gesammelt werden

Hirntumor, Prostata- oder auch Brustkrebs: Jährlich erkranken gegen 40'000 Menschen in der Schweiz an einer Krebsart. Um mehr über die Krankheit zu erfahren, soll ein landesweites Register angelegt werden. Der Nationalrat hat das entsprechende Gesetz klar gutgeheissen.

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Bildlegende: Ein Arzt untersucht das Röntgenbild einer Brustkrebspatientin. Nationale Krebsregister sollen die Behandlung verbessern. Keystone

Das geplante Register ist keine komplette Neuerfindung: Bereits in 1970-er Jahren entstanden in der Westschweiz erste kantonale Krebsregister. Schon damals wurde eine nationale Registrierung diskutiert. Aber es fehlte jahrzehntelang an einer Koordination.

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Krebsregister

Mit dem Register soll sich zeigen, ob gewisse Faktoren das Krebsrisiko beeinflussen und so Diagnose und Prävention verbessern.

Dazu würden Angaben zur Person, Diagnose und Behandlung, sowie zum Verlauf der Krankheit erfasst. Diese Daten sollen anonymisiert im Register abgelegt werden.

Patienten können der Registrierung widersprechen.

Die bisherigen Daten sind unvollständig

Seit ein nationales Gesetz ernsthaft diskutiert wird, haben verschiedene Kantone reagiert. Die kantonalen Register decken im Moment 94 Prozent der Krebserkrankungen ab. Bea Heim, Fraktionschefin der SP, stört sich aber an der jetzigen Praxis: «Die Meldung von Krebsfällen erfolgt auf freiwilliger Basis. Zudem sind die Meldungen unvollständig, weil Angaben fehlen: Jene zur Behandlungsqualität, zu den Unterschieden bei den Krebsdiagnosen zwischen den Kantonen, Regionen und sozialen Schichten.»

Auch für den Bundesrat ist klar, dass gewisse Zusammenhänge nur mit vollzähligen und vollständigen Daten abklärbar seien. Beispielsweise ob Atomkraftwerke und verkehrsreiche Wohnanlagen einen Einfluss auf das Krebsrisiko hätten oder ob das Rauchverbot im öffentlichen Raum zu einem Rückgang der Neuerkrankungen führe.

Zudem könne nur mit einem nationalen Register überpüft werden, ob der Zugang zur Behandlung bei allen Patientinnen und Patienten unabhängig von Alter, Geschlecht, Wohnort oder sozialer Lage gleich sei. Das unterstreicht auch Nationalrätin Marina Carobbio.

«Kein Forschungsgesetz»

Das Register soll in erster Linie Erkrankungen vorbeugen und die Grundlage schaffen, damit in der Politik verlässliche Entscheide im Kampf gegen Krebs getroffen werden können. Carobbio betont aber: «Das Krebsregistergesetz ist kein Krebsforschungsgesetz.» Die meisten ihrer Ratskolleginnen und -kollegen möchten der Forschung aber trotzdem entgegenkommen: Auf Antrag der Gesundheitskommission stimmte der Nationalrat einer langen Datenspeicherung diskussionslos zu. Bei Erwachsenen bis 30 Jahre und bei Kindern bis 80 Jahre nach dem Tod.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Nationalrat stimmt für nationales Krebsregister

    Aus Tagesschau vom 8.12.2015

    Mit klarer Mehrheit hat der Nationalrat ein Gesetz gebilligt, das die Einführung eines nationalen Krebsregisters vorsieht. Bisher werden in 23 Kantonen auf unterschiedliche Weise Daten zu Krebserkrankungen gesammelt.

  • Wieso sich ein nationales Krebsregister lohnt

    Aus 10vor10 vom 4.12.2015

    Für Kinder gibt es bereits ein nationales Krebsregister. Fachleute sind überzeugt, dass das Register wichtige Erkenntnisse über die Ursachen von Krebs liefern kann.