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Diskussion um Inländervorrang Zu starres Lohnsystem in den Gesamtarbeitsverträgen?

Im Gastgewerbe und in der Baubranche gibt es viele arbeitslose Inländer. Wie kommt das?

Legende: Audio Junge Zuwanderer bevorzugt abspielen. Laufzeit 04:15 Minuten.
04:15 min, aus Echo der Zeit vom 30.11.2016.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Ältere Hilfsarbeiter auf dem Bau werden oft durch jüngere ersetzt.
  • Häufig sei das Lohnniveau der Älteren zu hoch für eine neue Firma.
  • Die Gewerkschaften fordern besseren Kündigungsschutz.
  • Im Gastgewerbe werden häufig ältere Zuwanderer durch neue Fachkräfte mit besseren Sprachkenntnissen ersetzt.
  • GastroSuisse investiert in die Weiterbildung von Inländern.

Um einheimische Bauführer, Vorarbeiter oder Poliere macht sich Bruno Sauter keine Sorgen. Sie fänden leicht einen Job, sagt der Leiter des Zürcher Amts für Wirtschaft und Arbeit und Präsident des Verbands Schweizerischer Arbeitsmarktbehörden.

Sorgen hingegen macht sich Amtschef Sauter um Bauarbeiter, die ohne grossen Bildungsrucksack unterwegs seien. Ältere Mitarbeiter würden durch Jüngere ersetzt. Zum Zug kommen häufig jüngere Zuwanderer, zum Beispiel aus Portugal.

Starres Lohnsystem

Martin A. Senn, Vizedirektor des Baumeistervebandes, ist anderer Meinung. Nicht die Zuwanderer seien das Problem der älteren Bauarbeiter, sondern der Lohn: «Unsere Gesamtarbeitsverträge sehen vor, dass Leute auf dem Lohnniveau, auf das sie aufgestiegen sind, weiter angestellt werden müssen, auch von einem nächsten Unternehmen.»

Ältere Bauarbeiter seien ihr Geld wert, widerspricht Nico Lutz von der Gewerkschaft Unia. Die Gewerkschaften rufen nach mehr Kündigungsschutz für ältere Arbeitnehmer. Das würde auch die Nachfrage nach neuen Zuwanderern drosseln, sagen sie.

«Ich bin überzeugt, dass es vor allem Bereich von Hilfsarbeitern ein Potential gibt.»

Verdrängung früher Eingewanderter auch im Gastgewerbe

Nicht nur auf dem Bau wächst spätestens ab 45 der Druck auf die Mitarbeiter. Das gilt auch für Küchen, Gaststuben und Hotels. In früheren Jahren eingewandertes Personal sei im Gastgewerbe Schritt für Schritt verdrängt worden, beobachtet Bruno Sauter, der Vertreter der Schweizer Arbeitsmarkbehörden. Ersetzt hätten sie neue, jüngere Zuwanderer, die meist besser Deutsch sprächen.

Casimir Platzer, der Präsident des Branchenverbands GastroSuisse, streitet nicht ab, dass Zuwanderer verdrängt würden. Doch seine Branche reagiere auf den politischen Druck, sagt er. Die Arbeitslosenquote im Gastgewerbe liegt zweieinhalb Mal über dem Schweizer Durchschnitt.

Die Branche investiere in die Weiterbildung und wolle künftig wieder vermehrt Arbeitslose anstellen, statt sich im Ausland umzuschauen. «Ich bin überzeugt, dass es vor allem Bereich von Hilfsarbeitern ein Potential gibt.»

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    CH sollte aufhören, Baufachleute auszubilden. Wozu denn? Ich höre ständig, wie neu Zugewanderte, aus Süd-OstEU damit prahlen, dass sie 2x so schnell arbeiten, als die faulen Einheimischen... Ja, klar, für die "Neuen", meistens U30 ist es das Paradies hier, müssen sich 2-4 Jahre anstrengen, dann kehren sie nach Hause und kaufen ihr Wohneigentum, eröffnen ihr Geschäft, leben schön. Der CH aber bleibt hier und würde bei dem Tempo nach 15J zum IV-Fall. CH-Fachkraft kann hier nur den Kürzeren ziehen.
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  • Kommentar von W Streuli (Wernu)
    Schön zu wissen das Sie sich Sorgen machen Hr.Sauter ( ZH Amt für Wirtschaft ) dieses Phänomen ist nicht neu, das auf dem Bau ältere Einheimische durch junge Handwerker wie u.a Portugal vorgezogen werden. Auch wenn ältere zu Lohnkonzessionen bereit wären, ändert dies nichts an der Sachlage und dies nicht nur auf dem Bau & Gastgewerbe. Aber das ist ja ein Tabu Thema, das man lieber unter den Tisch kehrt
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  • Kommentar von HP Korn (HaPeChe)
    All das offenbart die "Mechanik" der Marktwirtschaft - die ja nicht nur das Wohl der Unternehmen (von klein bis gross) sondern auch der "Arbeitskräfte", also der Menschen, bestimmt. Die "Soziale Marktwirtschaft" ist, weil zunehmend als dirigistisch abgestempelt, weitgehend gescheitert und auch, weil sich im Gegensatz zum globalen Markt von Produkten und Kapital kein globales Sozialsystem und Sozialstandard entwickelt hat. Also: Die Schwachen verdrängen die noch Schwächeren.
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