Zum Inhalt springen

Schweiz SNB-Entscheid: Gewerkschaftsbund will Taten sehen

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund schlägt Alarm. Mit der Aufgabe des Euro-Mindestkurses sieht man ganze Industriezweige in Gefahr. Für den SGB liegt der Ball nun bei der Regierung und der Nationalbank. Selber Hand bieten für Firmen in Schieflage will der SGB nur gegen harte Gegenleistungen.

Legende: Video «Der Franken muss nützen – statt schaden» abspielen. Laufzeit 1:20 Minuten.
Aus Tagesschau vom 06.02.2015.

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) redet Tacheles. Der Entscheid der Nationalbank (SNB), den Euro-Mindestkurs aufzuheben, mutiere zu einer der grössten wirtschaftspolitischen Fehlleistungen der letzten Jahrzehnte.

Die explosionsartige Aufwertung der Heimatwährung bringe ganze Wirtschaftszweige ins Wanken, schreibt der SGB in einer Mitteilung. Die Folge: Tausende von Arbeitnehmern müssten um ihren Job bangen. Angesichts der Tatsache, dass der Franken gegen 25 Prozent überbewertet sei, bestehe dringender Handlungsbedarf.

Am besten zurückrudern

Die Nationalbank und der Bundesrat seien nun gefordert, «ihren geld- und konjunkturpolitischen Auftrag wahrzunehmen». Für die Arbeitnehmer-Organisation ist klar, was das für die Nationalbank zu bedeuten hat.

Die SNB müsse den Franken wieder «auf ein tragbares Niveau bringen, das die Löhne und die Arbeitsplätze schützt». Das wirksamste Instrument sei ein expliziter Mindestkurs oder ein ausdrückliches Kursziel – bei Bedarf ergänzt durch Negativzinsen oder notfalls Einschränkungen des Frankenhandels. Nicht weniger deutlich sind die SGB-Forderungen an die Regierung.

Der Bundesrat müsse klare Zeichen setzen, dass in der Schweiz Schweizer Löhne bezahlt würden und Eurolöhne illegal seien. «Eurolöhne für Grenzgänger und Grenzgängerinnen drücken auf die Löhne aller Beschäftigten und öffnen dem Lohndumping Tür und Tor», wird Vania Alleva zitiert.

Auch die Vermögenden sollen bluten

Für die Co-Präsidentin der Unia und SGB-Vizepräsidentin seien die zahlreichen Ankündigungen von Firmen, die Löhne zu senken, pures Gift für die Volkswirtschaft. Da die Löhne nur gerade 20 Prozent der Gesamtkosten ausmachten, könne mit Lohnsenkungen in der Industrie kaum effektiv Kosten gespart werden. Zudem würde die Nachfrage gedrückt.

Trotz aller Kritik fehlt es der Gewerkschafterin nicht an Verständnis für Firmen, die wegen des SNB-Entscheids in die Bredouille geraten sind. Zu Verhandlungen bereit ist Alleva allerdings nur, wenn die Arbeitgeber ihrerseits Zugeständnisse machen. Und hier sind die Ansichten des SGB dezidiert.

Alleva verlangt Gegenleistungen wie einen Kündigungsschutz, Standortgarantien und den Verzicht auf Auszahlungen von Dividenden. Zudem müssten die Firmen die Kosten- und Kundenstruktur vollständig offenlegen. Forderungen, die vor dem Hintergrund des kraftstrotzenden Frankens besonders schmerzhaft ausfallen dürften.

SNB am Intervenieren?

Der Wert der Devisenreserven der SNB ist im Januar gemessen am Vormonat trotz Aufgabe des Euro-Mindestkurses um 2,7 Mrd. gestiegen. Dies deutet darauf hin, dass die SNB auch im Januar relativ viel Devisen dazugekauft hat, um den Franken zu schwächen.

SGB-Chefökonom im Gespräch

SGB-Chefökonom im Gespräch
Legende: Keystone

Historisch gesehen sei der Franken eine durch die SNB gesteuerte Währung, sagt SGB-Chefökonom Daniel Lampart im Tagesgespräch. Es sei unverständlich, weshalb sie die Negativzinsen erst nach der Aufhebung des Mindestkurses eingeführt habe und nicht zu dessen Erhalt. Statt gekämpft zu haben, sei die SNB eingeknickt.

56 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Jawohl, richtig - Der Franken muss nützen, statt schaden. Aber die Strategie der Linken nützt dem Staat nichts. Die Forderungen sind realitätsfremd und basieren auf denn "Neid der Besitzlosen".
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von F. Muster, Zürich
      @Marlene Zelger, 6370 Stans: So besitzlos sind die Linken im Übrigen nicht. Im Gegenteil; einigen von ihnen geht es blendend. Darum können sie auch so Forderungen stellen, die ihrer Wähler-Basis eigentlich schadet, denn sie haben es ja.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von H.P. Stückelberger, Basel
    Verflixt nochmal, kommt vielleicht endlich jemand auf die Idee, dass man – anstatt für MEHRERE HUNDERT Milliarden absturzgefährdete Währungen zu kaufen – mit etwa EINEM(!!!) PROZENT dieser Riesensummen, sämtliche Betriebe in der Schweiz, die Probleme wegen des hohen Frankens haben, DIREKT unterstützen könnte und damit alles gelöst wäre? Übrigens, niemand anders als Herr Grübel (ex UBS- und CS-Chef) hatte das in der Arena vor ein paar Wochen selber gesagt („Das hätten Sie billiger haben können“)!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von K. Räschter, Thurgau
    Wie wäre es, wenn die Gewerkschafts-Führung als Zeichen der Solidarität auf einen Teil ihres sehr guten Lohnes (man hört von ca. CHF 200'000.--) verzichten würden. Finde es sowieso zuviel, was sich die Führung der Gewerkschaften in den eigenen Sack steckt. Wo sind denn ihre Taten für diesen Lohn? Jedenfalls ein bisschen nach Mindestlohn schreien oder mit fragwürdigen Forderungen und Aktionen Arbeitsplätze vernichten oder gefährden rechtfertigt diese Löhne jedenfalls nicht.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen