So verteidigt der Mowag-Chef seine Radpanzer

Vom Export von Kriegsmaterial profitiert auch die Mowag mit Sitz im Thurgau. Sie stellt vor allem Panzerfahrzeuge und Transporter her, zum Beispiel den grünen Duro-Transporter der Schweizer Armee. Geschäftsführer Oliver Dürr rechtfertigt ein umstrittenes Geschäftsfeld.

Ein sandfarbener Radpanzer in der Sandwüste. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Mowag hat Piranha-Radpanzer u.a. auch nach Saudi-Arabien geliefert. mowag

In einer grossen Fabrikhalle wird gehämmert, gelötet und geschweisst. Mowag-Chef Oliver Dürr schreitet mit grossen Schritten voran und gewährt Einblick in die Produktion des Piranha-Radpanzers. Das Fahrzeug ist auch in der Schweizer Armee im Einsatz. Insgesamt rund ein Drittel aller bei der Mowag hergestellten Produkte bleibt in der Schweiz.

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Export leicht gestiegen

Export leicht gestiegen

Das Geschäft mit Waffenverkäufen läuft gut: Im ersten Halbjahr 2016 haben die Kriegsmaterialexporte aus der Schweiz um 11 Prozent zugenommen. Pakistan, Indien und Südafrika zeigen sich als wichtige Märkte. Lesen Sie hier mehr.

«Die Schweizer Armee ist für uns ein sehr wichtiger Kunde», betont Dürr, der die Geschäfte der Firma seit zwei Jahren führt. Für ausländische Militärs ist es ein Zeichen von Qualität, wenn das von der Mowag hergestellte Kriegsmaterial auch von der heimatlichen Armee geschätzt wird. Dies sei das «Eintrittsbillett» für Bestellungen aus dem Ausland.

Arbeit dank Duro-Sanierung

Das gilt auch für den Duro. Längst ist der geländegängige Transportlastwagen auch in anderen Armeen als der schweizerischen im Einsatz. Nun wird die Duro-Flotte der Schweizer Armee für über eine halbe Milliarde Franken saniert. Damit sind mehrere hundert Arbeitsplätze auf Jahre hinaus gesichert. Dieses Argument überzeugte in der entscheidenden Abstimmung im Ständerat auch die Bundespolitiker.

Dürr gibt zu, mit einer entsprechenden Liste im Bundeshaus lobbyiert zu haben. «Wir durften das; es war unsere Pflicht», sagt er. Er habe aufgezeigt, dass der Auftrag landesweite Bedeutung habe, weil mindestens 170 Schweizer Firmen und 500 Personen in 20 Kantonen profitierten. Nur die Endmontage bleibt bei der Mowag. Vor diesem Hintergrund verblasse die Kritik, dass neue Fahrzeuge günstiger zu haben gewesen wären.

«  Unsere Fahrzeuge helfen mit, in der Welt Ordnung zu schaffen. »

Oliver Dürr
CEO Mowag

Dürr ist ein hemdsärmeliger Typ. Der Offizier der Schweizer Armee nimmt kein Blatt vor den Mund, etwa wenn er von Rüstungsgegnern dafür kritisiert wird, dass er mit Panzern – also mit Kriegswaffen – sein Geld verdient. «Wir schützen Menschenleben», betont er. «Unsere Fahrzeuge helfen mit, in der Welt Ordnung zu schaffen.»

Moralische Bedenken oder ethische Einwände wischt der 44-jährige CEO vom Tisch. Sein Unternehmen leiste keinerlei Schwarzzahlungen, um Aufträge zu erhalten. «Wir haben sehr hohe ethische Standards in unserem Unternehmen.» Ausserdem halte man sich an die geltenden Gesetze.

Dürr will «gleich lange Spiesse»

Die Mowag ist ein Tochterunternehmen des US-Konzerns General Dynamics, einer der weltgrössten Rüstungshersteller. Für Dürr sind die Schweizer Rüstungsexport-Regeln zu streng. Er vermisst «gleich lange Spiesse» im Vergleich etwa mit Deutschland. Er versuche, diese Tatsache zusammen mit Branchenverbänden den Politikern in der Schweiz aufzuzeigen.

Sieben von zehn gepanzerten Fahrzeugen liefert die Thurgauer Rüstungsfirma ins Ausland. Anfang Jahr erhielt die Mowag einen grossen Rüstungsauftrag aus Dänemark. Für 600 Millionen Franken baut sie für das dänische Militär über 300 Radpanzer des Typs Piranha. Die Bestellung sichert in Kreuzlingen 200 Arbeitsplätze während fünf Jahren.

Kompetenzzentrum für Radpanzer

Insgesamt arbeiten derzeit 620 Personen bei der Mowag, dem grössten Arbeitgeber in der Stadt am Bodensee. Damit das auch so bleibt, wolle man in der Panzer-Entwicklung innerhalb des General-Dynamics-Konzerns weiterhin führend sein, betont Dürr. «Wir gelten als Kompetenzzentrum innerhalb des Konzerns, was Radpanzer angeht.»

So geht es dem Rheintaler denn auch darum, dem Mutterhaus in den USA zu zeigen, dass der Schweizer Standort in Kreuzlingen durchaus konkurrenzfähig ist. Deshalb kämen der Duro-Auftrag aus der Schweiz und die Panzer-Bestellung aus Dänemark gerade zum richtigen Zeitpunkt.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Streit um Armeefahrzeug «Duro»

    Aus Tagesschau vom 9.1.2016

    Der Lastesel der Schweizer Armee, der Geländewagen «Duro», soll aufgerüstet werden. Dies kostet allerdings rund 250‘000 Franken pro Fahrzeug. Die hohen Kosten werfen Fragen auf, unter anderen, ob es nicht günstiger wäre, neue Fahrzeuge zu beschaffen.