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Aktionsplan gegen den Terror So will der Bund Dschihadisten bekämpfen

Die Task Force des Bundes erweitert das Spektrum bei der Terrorbekämpfung. Bis Ende Jahr soll ein Aktionsplan vorliegen.

Legende: Video Kampf den Dschihadisten abspielen. Laufzeit 2:04 Minuten.
Aus Tagesschau vom 14.03.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Schweiz verstärkt die Instrumente zur Terrorismusbekämpfung.
  • Aus Sicht der Task Force des Bundes sollte dabei mehr Gewicht auf die Deradikalisierung gelegt werden.
  • Bis Ende Jahr wollen Bund, Kantone und Gemeinden einen nationalen Aktionsplan vorlegen.

«Die Versuchung ist gross, zu reinen Sicherheitsmassnahmen zu greifen», schreibt Nicoletta della Valle, Direktorin des Bundesamtes für Polizei (fedpol) im Vorwort zum dritten Bericht der Task Force «Tetra».

Gefahr droht von Einzeltätern

Es gebe aber kein Patentrezept und keine simplen Lösungen für den dschihadistischen Terrorismus. Um Lösungen zu finden, müsse weit über den Wirkungsbereich der Sicherheitsbehörden hinausgegangen werden. Gefragt seien fachübergreifende Lösungen auf allen Ebenen. In der Task Force «Tetra» koordinieren die Schweizer Behörden Massnahmen gegen Terrorismus und Dschihad-Reisen.

«Tetra» sieht die grösste Bedrohung für die Schweiz in Anschlägen mit geringem logistischen Aufwand, ausgeführt von Einzeltätern oder Kleingruppen. Als Täter kämen vor allem in der Schweiz radikalisierte Personen oder Dschihad-Rückkehrer in Frage.

Umgang mit Rückkehrern

Das effizienteste Instrument der Terrorismusbekämpfung sei die Verhinderung einer Radikalisierung, heisst es in dem Bericht. Aus diesem Grund hat der Sicherheitsverbund Schweiz in Zusammenarbeit mit Bund, Kantonen, Gemeinden und Städten beschlossen, einen nationalen Aktionsplan zu erarbeiten.

Darin sollen sich Empfehlungen von Massnahmen zur «Verhinderung und Bekämpfung von allen Formen der Radikalisierung zum Terrorismus» finden. Explizit werde auch auf Massnahmen zur Deradikalisierung und Resozialisierung eingegangen, heisst es weiter. Der Plan soll im dritten Quartal 2017 von den politischen Gremien verabschiedet werden.

81 Dschihad-Reisende registriert

Derzeit führt die Bundesanwaltschaft rund 60 Strafverfahren gegen Personen, die sich Organisationen wie dem sogenannten Islamischen Staat angeschlossen oder entsprechende Schritte unternommen haben.
Der NDB hat bisher insgesamt 81 Dschihad-Reisende aus der Schweiz gezählt, davon 30 Personen mit Schweizer Pass. 60 Fälle sind bestätigt, bei 21 Fällen handelt es sich um Verdachtsfälle.

Lücken sieht der Bundesrat bei den derzeit verfügbaren präventiv-polizeilichen Massnahmen, wie es im Bericht weiter heisst. Das fedpol schnüre deshalb ein Paket von Massnahmen ausserhalb der Strafuntersuchung: Dazu zählen die Verpflichtung zum persönlichen Erscheinen auf dem Polizeiposten, der Entzug von Ausweisen oder auch die Möglichkeit, Verdächtige verdeckt im Schengener Informationssystem zu registrieren.

Rekord bei überprüften Asyldossiers

Um Personen zu erkennen, die sich radikalisieren, beobachtet der Nachrichtendienst heute die Kommunikation in sozialen Medien. 2016 hat der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) 497 auffällige Internetnutzer identifiziert, die in der Schweiz Propagandamaterial zur Verherrlichung der dschihadistischen Ideologie verbreiteten.

Massiv gestiegen ist die Zahl der überprüften Asyldossiers durch den NDB. Während 2014 noch 2488 Dossiers auf eine Gefährdung der inneren Sicherheit der Schweiz untersucht wurden, waren es im letzten Jahr bereits 5202. Aber einzig in 14 Fällen empfahl der NDB, ein Asylgesuch abzulehnen.

In diesem Bereich prüft das Bundesamt für Justiz, ob eine Meldepflicht für private Betreuungspersonen von Asylsuchenden geschaffen werden muss. Der Bundesrat habe sich für die Prüfung einer solchen Meldepflicht ausgesprochen, schreibt «Tetra».

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Terrorabwehr funktioniert nur als komplexes Zusammenwirken des Rechtsstaats. Und da haben einige Staaten mit ihrer falsch verstandenen Toleranz zur Bildung von sicheren Gebieten für Terroristen seit Jahren beigetragen. Es ist nicht verwunderlich, dass z. B. die Terroristen vom 9/11 in Europa lebten. Und es ist kein Wunder, dass heute wieder Keimzellen für hunderte oder tausende Gefährder in ganz Europa zu finden sind. Terrorismusbekämpfung ist Gesellschaftspolitik, nicht Sicherheitspolitik.
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  • Kommentar von Werner Christmann (chrischi1)
    Auch nichts Neues unter der Sonne. Es ist wohl bereits ein Terroristensanatorium im 5-Sterne-Bereich in Planung.
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  • Kommentar von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
    Ein wichtiger Teil fehlt im Aktionsplan: So lange noch Zeit bleibt, müssen die säkularisierten Muslime zur Problemlösung mit ins Boot geholt werden. Sie sind diejenigen, die Beispiel abgeben können für die Vereinbarkeit von Glauben und Rechtsstaatlichkeit. Wollen sie nicht unter den Generalverdacht fallen, müsste es in ihrem eigenen Interesse sein, sich aktiv einzuschalten.
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    1. Antwort von Peter Sprecher (b8ilys)
      Auch jeder Imam sollte das machen.
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