Sonne statt AKW – retten Bauern die Energiewende?

Solaranlagen auf Landwirtschaftsbetrieben sollen den Atomstrom kompensieren. Das verlangt der Luzerner Nationalrat Leo Müller. Eine Studie der Solar Agentur Schweiz bestätigt das grosse Energiepotenzial der Bauernhöfe.

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Sonne statt AKW – retten Bauern die Energiewende?

9:03 min, aus Rundschau vom 12.10.2016

«Wenn 14'500 Bauernhöfe mit einer Solaranlage ausgestattet werden, könnten sie so viel Strom produzieren wie das AKW Mühleberg», sagt Nationalrat Leo Müller (CVP LU) in der «Rundschau».

Er verlangt im Nationalrat mit einer Motion, dass der Bund die Erstellung grossflächiger Solaranlagen stärker fördert, «weil das Potenzial gigantisch ist.» Solaranlagen könnten auch auf Gewerbe- und Mehrfamilienhäusern günstig Strom produzieren: überall dort, wo grosse ungenutzte Dachflächen vorhanden sind.

Solardächer statt AKW

Die Solar Agentur Schweiz, geleitet von Umwelt-Lobbyist Gallus Cadonau, hat zur Motion Müller eine Begleitstudie erarbeitet. Gemäss der Studie könnten 43'000 Landwirtschaftsbetriebe – also 80 Prozent des Schweizer Bestands – mit Solardächern so viel Strom wie die AKWs Beznau I und II sowie Mühleberg produzieren.

Wenn zudem noch 30 Prozent der Gewerbebauten und die Hälfte der Mehrfamilienhäuser mit Solardächern bestückt würden, ergäbe das sogar eine jährliche Stromproduktion von 130 Terawattstunden (130'000 Gigawattstunden), was der fünffachen Jahresproduktion aller Schweizer AKWs entspricht.

Gebäude-Isolierung hat weiteres Potenzial

Weiteres Energiepotenzial ortet die Studie bei der Gebäude-Isolierung. Der Gesamtenergieverbrauch der Schweiz beläuft sich auf umgerechnet rund 250 Terawattstunden pro Jahr (TWh/a), inklusive Industrie und Motorfahrzeugverkehr.

Die Hälfte davon, 125 TWh/a, wird von den drei Millionen Gebäuden in der Schweiz konsumiert. Die Gebäude verlieren jedoch rund 80 Prozent dieser Energie durch Wärmeverluste. Das Einsparpotenzial durch Effizienzmassnahmen (Dämmung nach Minenergie-P-Standard) liegt gemäss der Studie bei 100 TWh/a.

Gebäude, die nach den neusten Standards gebaut oder saniert werden, generieren heute schon ein Mehrfaches ihres eigenen Energiebedarfs. Sie liefern Strom ins Netz und können zum Beispiel auch Batterien von Elektrofahrzeugen aufladen. Dieses Potenzial des Gebäudesektors, bemängelt Gallus Cadonau von der Solar Agentur Schweiz, werde vernachlässigt und spielte bei der Debatte um die Energiewende im Parlament kaum eine Rolle.

Albert Rösti an der «Rundschau»-Theke

8:21 min, aus Rundschau vom 12.10.2016

SVP-Präsident greift Bundesamt frontal an

An der «Rundschau»-Theke wies SVP-Präsident Albert Rösti den Vorwurf zurück, als Präsident des Dachverbands der Treibstoffhändler Swissoil und als Präsident der Wasserwirtschaft die Solarenergie aus Lobby-Gründen zu torpedieren. Wenn die Sonne scheine, könne zwar Strom produziert, so Rösti, aber dies setze die Wasserkraft unter Druck. Diese dürfte nicht in Frage gestellt werden, weil sie 60 Prozent des Strombedarfs ausmache. Die Rentabilität von Pumpspeicherwerken sei zudem schlecht.

Die SVP habe das Referendum gegen die Energiestrategie 2050 auch deshalb ergriffen, weil das Bundesamt für Energie «den Bürgern weismachen wolle», die Energiewende bringe nur eine Erhöhung von 100 Franken. In Tat und Wahrheit werde jeder Haushalt mit 3200 Franken jährlich belastet. Auf die Frage, ob er denn den Bau eines neuen Kernkraftwerkes befürworte, sagte Rösti: «Diese Frage stellt sich nicht.» Er verwies damit auf die drei Energiekonzerne, die heute ihre Rahmenbewilligungsgesuche für Ersatz-Kernkraftwerke zurückgezogen haben.