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Schweiz «Sozialhilfe gehört zum Erfolgsmodell Schweiz»

Überdurchschnittlich oft sind alleinerziehende Mütter und ihre Kinder auf Sozialhilfe angewiesen. Sozialhilfe müsse denn auch mehr sein als blosse Überlebenshilfe, ist die Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe überzeugt – und hält am Konzept des sozialen Existenzminimums fest.

Legende: Video Skos warnt vor Abstrichen abspielen. Laufzeit 1:56 Minuten.
Aus Tagesschau vom 03.01.2014.

Schon seit 50 Jahren stellt die Schweizerische Gesellschaft für Sozialhilfe SKOS Richtlinien auf über die Art und die Höhe von Sozialhilfe. Ausgerechnet im Jubiläumsjahr 2013 aber kamen diese vermehrt unter Beschuss: Zahlreiche Gemeinden leiden unter den wachsenden Sozialausgaben, vier von ihnen traten mit viel Getöse aus der SKOS aus.

Das sei angesichts der insgesamt über 600 in der SKOS zusammengeschlossenen Gemeinden keine sehr grosse Zahl, relativierte Geschäftsführerin Dorothee Guggisberg die Austritte nun vor den Medien in Bern. «Hingegen muss man schon sagen, dass das mediale Echo gross war.»

Gesellschaftlichen Ausschluss verhindern

SKOS-Präsident Walter Schmid seinerseits betonte, dass der Sozialhilfe-Betrag zur Deckung des Grundbedarfes seit zehn Jahren nicht mehr angehoben worden sei. Er betrage «ganze 15 Franken pro Tag und Kopf.»

Zwar genüge für das blosse Überleben wohl ein noch tieferer Betrag, räumt er ein. Aber in der reichen Schweiz müsse es doch für alle möglich sein, an der Gesellschaft auch wirklich teilzuhaben: Das Mitmachen in einem Verein, ein kleines Geschenk oder auch das Erlernen eines Musikinstruments müsse mit der Sozialhilfe möglich sein.

Armut habe eben viel zu tun mit gesellschaftlichem Ausschluss – und den gelte es nach Möglichkeit zu verhindern, so Schmid weiter. Dies sei umso wichtiger, als jede und jeder dritte Sozialhife-Bezüger ein Kind ist. Ihnen zu helfen sei eine Aufgabe, die sich die reiche Schweiz leisten könne und müsse. Derzeit sind in der Schweiz rund 235'000 Menschen auf Sozialhilfe angewiesen.

Steuern erhöhen oder Sozialausgaben kürzen?

Schmid bringt die Steuersenkungen ins Spiel, welche in den letzten Jahren vielerorts in der Schweiz vorgenommen worden seien. Vielleicht müssten die Steuern am einen oder anderen Ort nun halt wieder etwas erhöht werden, «um unsere Aufgaben wieder in einer guten Art und Weise wahrnehmen zu können.»

Doch viele Gemeinden gehen den gegenteiligen Weg. Sie kürzen die Sozialausgaben. Schmid findet das kurzsichtig. Denn dank eines gut ausgebauten Sozialstaates könnten viele Menschen ihre Potentiale besser ausschöpfen. Auch werde der soziale Friede so gewährleistet.

Sozialer Friede ist ein Standortvorteil

So gesehen sei die Sozialhilfe ein Standortvorteil wie viele andere auch. Schliesslich brauche es auch eine Verkehrs- oder Kommunikationsinfrastruktur oder ein Bildungswesen. «Das Sozialwesen ist dem beizufügen – als wichtiger Bestandteil unseres Erfolgsmodells.»

Dafür will sich die SKOS auch im 51. Jahr ihres Bestehens einsetzen. Mit Unterstützung der meisten Gemeinden, Kantone und Verbände; und gegen den Widerstand von ein paar wenigen.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Lena Meier, Aarau
    Hier sind klare Zahlen fällig: wieviele Prozent Alleinerziehende, wieviele Alte, wieviele Kinder, bzw. klare Aufschlüsselung nach Altergruppen und danach mit wie vielen anderen Kindern und Erwachsenen die Wohnung geteilt wird. Weiter klare Aufteilung nach Schweizer, Secondos, Einwanderer nach Aufenthaltsbewilligung. Klar gibt es Leute, die das System nicht kapieren und es missbrauchen und klar ist auch, dass eine alleinerziehende Mutter mit 2 Kleinkindern keine anderen Möglichkeiten hat.
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  • Kommentar von Reto Munteler, Zürich
    "Sozialhilfe nicht um jeden Preis"... Da fragt sich einfach, was für Alternativen jemand hat, der zu wenig zum Leben verdient. Diebstahl? Suizid? Verhungern? In der Präambel der BV steht, dass sich die Stärke des Volkes am Wohle der Schwachen messen würde. Bei einem Durchschnittsvermögen von 83'000.-- CHF pro Kopf und zig Millionären in der CH sollte diesem Vorsatz noch knapp Folge geleistet werden können. Man denke auch an die 80'000 Kinder, die ein Teil unserer Zukunft sind.
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  • Kommentar von D. Schmidel, St. Gallen
    Es ist das Erfolgsmodell des Misserfolgs. Immer mehr Alleinerziehende sind kein Erfolg für diesen Staat. Die Hürden den Partner zu verlassen und beim Staat anzuklopfen sind zu klein. Zu viele haben schwarz noch andere Einnahmequellen und der Staat zahlt trotzdem.
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    1. Antwort von Lena Meier, Aarau
      Die Familien sind heute viel zu sehr belastet: trotz hohem Lohn reicht es nur knapp, früher reiche ein Handwerker-Einkommen, heute geht das schlicht nicht mehr. Folge: beide Eltern immer gestresst, wenig Schlaf, die Kinder schon in der Primarschule unter enormem Leistungsdruck - kein Wunder knallt es da ständig und viel zur oft wird im Lauf der Zeit zu viel Geschirr zerschlagen. Das haben wir vom vermeintlichen Wirtschaftswunderland Schweiz nun.
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    2. Antwort von Marlies Artho, Schmerikon
      L. Meier Familien waren schon früher mit drei Kinder belastet, wenn "nur" der Mann arbeitete aber man stellte nicht so hohe Ansprüche, man musste lernen mit dem Geld sorgsam umzugehen. Was anders war als heute, man konnte sich nicht leisten den Mann einfach zu verlassen, weil man wusste, dass man keine Sozialhilfe bekommt und es Finanziel beiden schlechter gehen würde. Also musste man Eigenverantwortung übernehmen. Man war vielleicht auch eher Stolz dies selbst zu schaffen, ohne Unterstützung.
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