Sporthändler ächzen unter den Temperaturen

Sonne pur und kein Niederschlag. Das Wetter mag zwar schön sein, Skifahr-Stimmung kommt aber kaum auf. Das bekommen auch die Sporthändler zu spüren – ihre Umsätze schmelzen.

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Schleppendes Weihnachtsgeschäft

3:35 min, aus 10vor10 vom 23.12.2015

Die warmen Temperaturen verleiten die Schweizer und Schweizerinnen derzeit eher zum Glacé-Essen als zum Skifahren. Die Berge sind grün statt weiss, die Skigebiete halb leer, und einige Bergbahnen denken bereits über Kurzarbeit nach.

Das Wetter treibt Fridolin Karrer die Sorgenfalten auf die Stirn. Er betreibt eines der grössten Einzelhandel-Sportgeschäfte der Region Basel und vermietet in einem guten Winter rund 25'000 Paar Skis an seine Kunden. Er versteht, wenn die Leute keine Lust haben, in ein Skigebiet zu fahren, in dem es nur grün ist.

Umsatzeinbusse von 20 Prozent

Karrer sagt zwar, dass er eine treue Kundschaft habe, aber trotzdem sei ein Geschäftsrückgang zu spüren. Er geht aktuell von einer Umsatzeinbusse von 10 bis 20 Prozent aus. In seinem Geschäft in Basel ist es für den Weihnachtsendspurt erstaunlich ruhig.

Viele von Karrers Kunden kommen später zur Skimiete als in anderen Jahren. Andere mieten die Bretter nur für wenige Tage anstatt für mehrere Wochen. Eine solche Situation wie heute habe Karrer in seiner 30-jährigen Geschäftstätigkeit noch nie erlebt.

«Attraktive Sonderangebote» schon vor Weihnachten

Bei den Sport-Ketten sieht die Lage ähnlich aus. Migros lässt verlauten: «Aktuell können wir die tiefen Vorjahresumsätze im Bereich Hartwaren dank attraktiven Sonderangeboten halten.» Es sind also schon vor Weihnachten sogenannte «attraktive Sonderangebote» nötig, um mit dem Vorjahr mithalten zu können.

Claudio Schoch, Filialleiter von SportXX in Bülach (ZH), räumt ein, dass das Wintergeschäft nicht hervorragend läuft. Dennoch gebe es Unterschiede. Bei der Ski- und Winterbekleidung entspreche die Nachfrage sicher nicht den Erwartungen. Dafür seien die Temperaturen zu hoch, sagt Schoch. Bei den Hartwaren sehe es aber anders aus. «Da gibt es sehr viele Kunden, die die neuen Modelle fahren wollen und auch kaufen.» Ausserdem laufe auch die Miete von Skis und Snowboards noch besser als im Vorjahr.

Wander- statt Schneeschuhe

Ähnlich trifft es den Konkurrenten Athleticum. Auch er klagt über starke Einbussen im Wintersport-Segment. Bereits würden die Wanderschuhe wieder prominent nach vorne gestellt werden.

Eines ist jetzt schon klar: Der Winter – der bisher keiner ist – wird vielen Sporthändlern schwere Zeiten bescheren.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Schneemangel bedrängt Tourismusbranche

    Aus Tagesschau vom 23.12.2015

    In Bündner Skigebieten herrscht Schneemangel, was zu Verlusten und Kurzarbeit führt. Dafür drängen sich die Schneesportler im Gletschergebiet Glacier 3000.