Sprachrohr der Bischöfe neu ausgerichtet

Unter den Schweizer Bischöfen tobt ein Richtungsstreit: Wie stark soll sich die Bischofskonferenz in aktuelle gesellschaftliche und politische Diskussionen einmischen? Nachdem zuletzt vieles auf eine stärkere Öffnung hindeutete, organisiert das Gremium die Medienarbeit neu.

Der Churer Bischof Vitus Huonder von hinten mit einem purpurnen Pileolus vor einem Kreuz. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das Bistum Chur unter Bischof Vitus Huonder vertritt eher reaktionäre Standpunkte. Keystone

Gleich mehrere Angestellte der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) haben in den vergangenen Tagen ihre Stelle verloren. Darunter auch der Informationsbeauftragte der SBK, Simon Spengler. Damit habe sie eine rote Linie überschritten, sagt Werner De Schepper. Er ist Präsident der Medienkommission, die die SBK berät.

Man habe seine Kommission «hinterrücks» übergangen, sagt er. «Hinterrücks, weil das offensichtlich längst von Generalsekretär Erwin Tanner geplant war. Dieser war wohl überfordert von der schnellen Art, wie Simon Spengler kommuniziert hat.»

De Schepper spricht in diesem Zusammenhang von einem regelrechten Richtungsstreit innerhalb der Bischofskonferenz. Ein Streit, den die progressiven Kräfte rund um Simon Spengler gegen die Konservativen verloren hätten.

Mehrere Gesichter der katholischen Kirche

«Das Bistum Chur hat natürlich längst ein Sperrfeuer mit ihren reaktionären Meinungen in der Schweizer Presse lanciert», fährt De Schepper fort. «Und Simon Spengler hat versucht zu zeigen, dass die Kirche Schweiz viel mehr Gesichter hat.»

Spengler gilt als liberaler und progressiver Kommunikator. Er war auch Teil jener Gruppe um Bischof Markus Büchel, die die Schweizer Politiker vor der Aufkündigung der Menschenrechtskonvention warnte. Spätestens seit damals war Spengler für viele zu liberal. Sie forderten ein Umdenken in der Kommunikation der Bischofskonferenz.

Es kam zum Richtungsstreit, wie auch Willi Anderau, Spenglers Vorgänger, sagt: «Es sind im Prinzip wieder die alten Spiele. Es wird nicht mehr auf Transparenz gemacht, sondern es wird nur noch darauf geachtet, dass Werte kommuniziert werden. Werte, die den Bischöfen aus irgendwelchen Gründen sehr wichtig sind.»

Neuausrichtung, aber kein Rechtsrutsch

Tatsächlich geht die neuste Kündigungswelle mit einer Neuausrichtung der SBK im Informationsbereich einher. Die Kompetenzen der Informationsstelle und des Generalsekretariats werden neu geregelt. Von einem Rechtsrutsch – befeuert durch das Bistum Chur und flankiert durch die Freiburger, wie Kritiker sagen – will man bei der SBK laut Aussage des Generalsekretärs Erwin Tanner aber nichts wissen.

«Einen Richtungsstreit gibt es in dieser Art, wie er in den Medien propagiert wird, nicht», sagt Tanner. Es gebe selbstverständlich – wie in jeder Organisation – verschiedene Meinungen. So auch in der Bischofskonferenz: «Ich denke, Differenzen sollten zugelassen werden, sei es von dieser oder der anderen Seite.»

Die Entlassung Spenglers habe rein organisatorische Gründe, sagt Tanner weiter: «Die Kommunikation soll nach innen, innerhalb der Kirche gestärkt werden. Sei es unter den Bischöfen, den Diözesen, aber auch gegen aussen.» Dass es in so einem Fall zu Spekulationen in den Medien komme, sei nachvollziehbar.