Barrierefreies Fernsehen SRG verdoppelt Angebot für Sinnesbehinderte

  • Die SRG hat mit sieben Verbänden für sinnesbehinderte Menschen ein neues Abkommen abgeschlossen.
  • Es regelt, welche Sendungen untertitelt, welche Inhalte mit Hörkommentaren ergänzt oder in Gebärdensprache übersetzt werden.
  • Heute bietet die SRG rund die Hälfte der rund 60'000 Programmstunden mit Untertiteln an. In den nächsten fünf Jahren will sie das Angebot auf 80 Prozent erhöhen.
  • Die akustischen Bildbeschreibungen sollen von heute 420 Stunden auf 900 erhöht werden.
  • In Gebärdensprache übersetzt werden künftig 1000 Stunden, aktuell sind es 440.

Sendungen mit Bildkommentaren, sogenannten Audiodeskriptionen, bedeuten natürlich mehr Aufwand, wie Mariano Tschuor von der SRG-Generaldirektion erklärt. «Es sind mindestens drei Personen an einer solchen Produktion beteiligt: Die Person, die spricht, der Regisseur und eine blinde Person, die zuhört, es abnimmt und dann sagt: ‹Jetzt habe ich's verstanden›.»

Ein Vorteil für alle

Doch die Audiodeskriptionen seien ein Gewinn für alle, sagt Olivier Maridor vom Schweizerischen Blinden- und Sehbehinderten-Verband. «Für mich als Sehbehinderter sind sie ein riesiger Vorteil. Da werden Details beschrieben, die ich nicht sehe – das diese sind zum Teil sehr wichtig.»

Und auch Sehende könnten davon profitieren: Falls sie mal ein entscheidendes Detail verpassten, erhielten sie es vom Audiodeskriptor.

Sieben Millionen Franken mehr

Die neue Vereinbarung sieht vor, dass die SRG bis 2022 ihr Angebot für Sinnesbehinderte verdoppelt. Von heute knapp 10 Millionen Franken dürften die Kosten auf 17 Millionen Franken steigen.

Auf den ersten Blick sei das zwar viel Geld, schaue man genau hin, realtiviere sich dies, meint Tschuor. «Die Gemeinschaft der Sehbehinderten, Blinden, Schwerhörigen und Gehörlosen zahlen die Gebühren und haben deshalb ein normales Anrecht auf ein Angebot. Zudem sind sie Teil der Gesellschaft.»

Normales Programm für alle

Die SRG habe in ihren Werten den Begriff der «Inklusion» sehr stark unterstrichen. Deshalb müsse sie nun auch den Beweis erbringen, so Tschuor weiter. Inklusion bedeutet, Behinderte nicht als Sonderfälle, sondern als Menschen zu betrachten, die wie alle gewisse Stärken und gewissen Schwächen haben.

Für die SRG bedeutet Inklusion aber auch, nicht nur spezielle Sendungen für Seh- oder Hörbehinderte anzubieten, sondern das normale Programm allen zugänglich zu machen. Das ist ganz im Sinn von Olivier Maridor: «Es wird eindeutig viel mehr Sendungen geben und vor allem werden sie zur Prime Time zugänglich sein – eine unserer Hauptforderungen.»

Auch das Online-Angebot der SRG soll besser zugänglich gemacht werden – mit einer einfacheren Navigation und indem auch reine Web-Inhalte zum Teil in Audiodeskription angeboten werden.