- Im Baselbieter Kantonshauptort Liestal gilt auf einem Platz im Zentrum ein Alkoholverbot. Dieses ist befristet auf einen Monat.
- Die Stadtbehörden reagieren auf eine neue Szene mit Alkohol- und Drogenkonsum sowie Streitereien.
- Die Situation soll damit in einem ersten Schritt beruhigt werden. Langfristig will die Stadt jedoch zusammen mit den Betroffenen eine nachhaltige Lösung suchen.
Der Wasserturmplatz im Zentrum von Liestal ist ein Platz, wie es viele gibt in Schweizer Kleinstädten. Im Zentrum gibt es eine Bushaltestelle, rundherum Läden, Restaurants, Bänke und auch eine Filiale eines Discounters, bei dem man sich günstig und bis 22 Uhr mit Bier und anderen Getränken eindecken kann.
Streit, Lärm, Littering
Dieses Angebot wird offenbar rege genutzt von unterschiedlichen Gruppen. Sie decken sich mit Alkohol ein und konsumieren diesen gleich auf dem Platz. Doch in den letzten Wochen ist es nicht nur beim gemütlichen gemeinsamen Biertrinken geblieben.
«Es ist zu lautstarken Auseinandersetzungen gekommen, zu Tätlichkeiten innerhalb der Gruppierung und zu starkem Littering», sagt René Frei, Bereichsleiter Sicherheit und Soziales der Stadt Liestal.
Die Folgen seien weit über die eigentliche Gruppe hinaus spürbar gewesen. Passantinnen und Passanten hätten den Platz zunehmend gemieden, Beschwerden seien bei der Stadt eingegangen. «Es sind Leute gekommen und haben gesagt: Ich getraue mich nicht mehr auf den Wasserturmplatz», so Frei.
Konsumverbot – vorerst befristet
Die Stadt habe zunächst versucht, die Situation mit anderen Mitteln zu entschärfen. Gespräche mit den Betroffenen, der Einsatz eines Sicherheitsdienstes sowie Platzverweise hätten jedoch keine nachhaltige Wirkung gezeigt.
Deshalb habe die Verwaltung nun eine Sofortmassnahme ergriffen und den Alkoholkonsum im betroffenen Perimeter verboten, wie die Zeitung «bz Basel» als erste darüber berichtete. Das Verbot gilt vorerst bis zum 22. August.
Unterstützung erhält die Stadt von Gewerbetreibenden rund um den Platz. Optiker Siegfried Biermann spricht von einer notwendigen Massnahme: «Es war leider unumgänglich.» Die Aufenthaltsqualität habe in den vergangenen Monaten stark gelitten.
Kundinnen und Kunden hätten nachgefragt, ob es bestimmte Tageszeiten gebe, zu denen der Platz weniger unangenehm sei. «Die Aufenthaltsqualität auf dem Platz war einfach nicht mehr gegeben», sagt Biermann.
Auch Urs Heinis, dessen Familie eine Liegenschaft am Wasserturmplatz besitzt, begrüsst das Verbot. Gleichzeitig betont er, die betroffenen Personen hätten «eine Existenzberechtigung».
Einbrüche und «Alkoholleichen» im Keller
Das Problem seien nicht einzelne Menschen gewesen, sondern die Grösse der Gruppe und die damit verbundenen Konflikte. «Wir hatten mehrere Einbrüche im Haus und Alkoholleichen im Keller», beschreibt Heinis.
Alkohol ist eine Sucht. Die, die trinken wollen, werden immer trinken.
Sowohl die Stadt als auch die Betroffenen vor Ort gehen nicht davon aus, dass das Verbot die Ursachen des Problems beseitigt. «Alkohol ist eine Sucht. Die, die trinken wollen, werden immer trinken», sagt Heinis. Auch Biermann befürchtet, dass sich die Szene teilweise an andere Orte verlagern könnte.
Wir wollen sie nicht vertreiben.
Für René Frei steht deshalb fest, dass langfristig andere Lösungen nötig sind. Nach den Sommerferien will die Stadt Gespräche mit Betroffenen führen. Einige Personen hätten bereits signalisiert, gemeinsam nach Lösungen suchen zu wollen. «Wir wollen sie nicht vertreiben», sagt Frei. «Aber wir wollen die Störung der Ruhe und Ordnung nicht mehr.»