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Alkoholverbot in Brugg AG Mit Alkoholverbot will Brugg gegen Gewalt im Zentrum vorgehen

Wer im Aargauer Städtchen Brugg unterwegs ist und im öffentlichen Raum ein Bier trinken will, muss aufpassen, wo er dies tut. Die Brugger Stadtregierung hat vor einer Woche auf ihrem zentralen Neumarktplatz ein Alkoholkonsumverbot verhängt.

Der Begriff «Brugglyn» machte dieses Jahr im Aargau die Runde. Mit Anspielung auf das New Yorker Stadtviertel Brooklyn, welches früher für seine hohe Kriminalitätsrate berüchtigt war, wurde das Aargauer Städtchen Brugg von manch einem als «Brugglyn» bezeichnet.

Schiesserei im Stadtzentrum

In der Tat: Es gibt mehrere Probleme, welche die Bruggerinnen und Brugger verunsichern. Im Frühling wurde bei einer Familienfehde an einem Samstagnachmittag in der beschaulichen Stadt geschossen. Eine Drogenszene im Zentrum sorgt seit Jahren für Unruhe.

Neumarktplatz Brugg
Legende: Auf dem Neumarktplatz bildete sich eine Alkohol- und Drogenszene. SRF / Alex Moser

Dazu kommen Gruppen, die bereits tagsüber im Einkaufsviertel am Neumarktplatz Alkohol trinken. Oft mischten sich die Gruppierungen, es kam zu lautstarken oder sogar gewalttätigen Auseinandersetzungen.

Aus unserer Sicht war der Alkohol für die Auseinandersetzungen wie der Sauerstoff für ein Feuer.
Autor: Andreas Lüscher Regionalpolizei

Das Sicherheitsgefühl der Einheimischen habe unter all diesen Vorfällen gelitten, heisst es bei den städtischen Behörden. Um dieses wieder zu verbessern, setzt Brugg nun unter anderem auf ein Alkoholkonsumverbot auf dem gut frequentierten Neumarktplatz. Andreas Lüscher von der Regionalpolizei erklärt: «Aus unserer Sicht war der Alkohol für die Auseinandersetzungen wie der Sauerstoff für ein Feuer.»

Verbot zeigt bereits Wirkung

Es gehe dabei nicht darum, dem Alkoholkonsum an sich den Kampf anzusagen, sagt die Brugger Stadtpräsidentin Barbara Horlacher. «Es geht uns darum, die Aggressionen, die wir hier in den letzten Wochen und Monaten beobachtet haben, zu reduzieren.»

Schild zum Alkoholverbot
Legende: Seit dem 22. August 2025 gilt auf dem Brugger Neumarktplatz ein Alkoholkonsumverbot. Das Verbot gilt bis Ende Oktober. SRF / Alex Moser

Das Alkoholkonsumverbot ist temporär und gilt bis Ende Oktober. Doch bereits jetzt habe sich dank dieses Verbots eine Verbesserung eingestellt, sagt eine Parfumverkäuferin, welche beim Neumarktplatz arbeitet: «Die Leute laufen wieder ohne Angst, man fühlt sich wieder sicherer hier.» Einen Eindruck, den auf Nachfrage auch die Regionalpolizei bestätigt.

Brugger Stadtpräsidentin will Gassenküche

Doch es gibt auch Kritik – mit Repression würden die Probleme mit Drogen- und Alkoholabhängigen nicht gelöst, sondern lediglich verlagert. Das sieht auch die Brugger Stadtpräsidentin Barbara Horlacher so. Sie möchte einen Schritt weiter gehen und plant eine Gassenküche samt Konsumraum. «Dort sollen die Menschen die Möglichkeit haben, zu konsumieren.» Ausserdem sollen sie in der Gassenküche verpflegt, beraten und auch medizinisch versorgt werden.

Wir haben ein Konzept für eine Gassenküche.
Autor: Barbara Horlacher Stadtpräsidentin Brugg

Allerdings: Konsumräume und Gassenküchen gibt es im Aargau bis jetzt noch nicht. Die kantonale Politik will nun die Grundlagen dafür schaffen und die Probleme mit suchtkranken Menschen auf der Strasse anpacken. Doch bis ein entsprechendes Gesetz gilt, kann es gut und gerne zwei Jahre dauern.

Gesucht: Raum für Gassenküche

So lange will Brugg nicht warten. Die Stadt plant, schon vorher eine Gassenküche zu eröffnen – als Pilotprojekt sei dies rechtlich möglich, heisst es. Wo diese Gassenküche hinkommen soll, ist bis jetzt noch nicht klar. Es brauche dazu einen überdachten Raum, vielleicht würde sogar eine simple Garage genügen, heisst es in Brugg.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 28.8.2025, 17:30 Uhr ; 

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