Einstiges Prestige-Projekt Steht das Fifa-Museum am falschen Ort?

Ein Jahr nach der Eröffnung steht es schlecht um die Ruhmeshalle des Weltfussballs. Die Fifa denkt an die Schliessung.

3000 Quadratmeter Ausstellungsfläche auf drei Stockwerken, tausende Ausstellungsobjekte, ein 180-Grad-Kino, eine Fussballbibliothek, Bar, Restaurant. Alles topmodern auf Hochglanz poliert. Satte 30 Millionen Franken hat der Weltfussballverband in sein «Fifa World Football Museum» in Zürich Enge investiert.

Rund zehn Monate nach der Eröffnung sagt der Zürcher Stadtrat Gerold Lauber, zuständig für das Departement Sport, die Fifa habe wohl ein wenig gar dick aufgetragen: «Die ersten Schritte waren ein bisschen zu mutig. Der Mietzins ist derart hoch, dass längerfristig der Betrieb des Fifa-Museums in der Stadt Zürich zu diesen Bedingungen nur schwer finanzierbar ist.»

Schon im letzten Herbst hat die Fifa bekanntgegeben, dass sie im ersten Betriebsjahr des Museums mit einem Defizit von etwa 30 Millionen Franken rechnet. Ein Grund dafür: Es kommen nicht so viele Besucher wie geplant. Gut 11'000 Eintritte verzeichnet das Museum pro Monat. Die Fifa hat eigentlich mit fast so doppelt so vielen gerechnet.

Fifa-Museum in der Fussball-Provinz?

Daniel Meier, der sich als Präsident des Verbands Pro Sport Zürich für die Anliegen der Stadtzürcher Sportverbände einsetzt, hat eine Vermutung, weshalb die Besucher ausbleiben: Zürich biete international gesehen keinen Spitzenfussball.

Besucher stehen vor Info-Tafeln im Fifa-Museum. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Gerüchte halten sich hartnäckig: Kaum eröffnet, könnte das Fifa-Museum bald wieder schliessen. Keystone

Deshalb ziehe Zürich auch nur wenige Fussballtouristen an, anders als Fussballstädte wie Manchester, München oder Mailand, so Meier: «Wenn sie vorne dabei sind – sogenannt Champions-League-würdig – dann kommen die Zuschauer.»

Solange man im Mittelfeld sei, kämen die Leute eben nicht – und das Fifa-Museum habe momentan noch nicht das nötige Renommee, sagt Meier: «Aber man muss ihm Zeit geben.»

Auch Fifa-Medien-Chef Giovanni Marti sagt: Das Museum brauche einfach noch Zeit, um sich zu entwickeln: «Die Besucherzahlen muss man relativieren. So schlecht sind sie nämlich nicht. Die jüngsten Zahlen zeigen, dass das Museum seine Besucher langsam findet.»

«  Man sollte den Teufel nicht an die Wand malen.  »

Fifa-Sprecher Marti
Zu den Gerüchten über die Schliessung des Museums

Gianni Infantino an einer Medienkonferenz. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Gianni Infantino scheint die Begeisterung seines Vorgängers Sepp Blatter für das Museum nicht zu teilen. Keystone

Trotzdem sieht der neue Fifa-Präsident Gianni Infantino jetzt schon Handlungsbedarf beim Fussballmuseum: Bereits letzten Oktober, nur gerade acht Monate nach der Eröffnung, hat die Fifa den Museumsdirektor ausgewechselt. Es gab unterschiedliche Auffassungen über die künftige Ausrichtung des Museums.

Alles wird durchleuchtet – auch das Fifa-Museum

Nun arbeitet eine Fifa-interne Arbeitsgruppe an neuen Ideen für das Museum. Das hartnäckige Gerücht, Infantino wolle das Museum ganz schliessen lassen, kommentiert Fifa-Sprecher Marti nicht.

Aber es gehe derzeit natürlich um die Frage, wie viel Geld die Fifa überhaupt für den Betrieb eines Museums einsetzen wolle: «Fakt ist, dass man mit der ganzen Umstrukturierung bei der Fifa sämtliche Abteilungen finanziell durchleuchtet hat. Denn man will viel Geld in die Fussballentwicklung investieren.»

Zu den Abteilungen der Fifa gehöre auch das Museum. Aber, so Marti, man solle die entsprechende Task Force arbeiten lassen: «Man sollte den Teufel nicht an die Wand malen. Schauen wir mal, wie sich das weiterentwickelt.»

Lange muss man nicht darauf warten: Heute und morgen Dienstag trifft sich in Zürich der Fifa-Rat. An dieser Sitzung präsentiert auch die Arbeitsgruppe erste Ergebnisse, ob und wie es mit dem prunkvollen Fifa-Museum in Zürich weitergehen soll.