Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Steuerbefreiter Zustupf? Rechtsprofessoren warnen: Auch Banker könnten Trinkgeld wollen

Kellnerinnen und Kellner müssen derzeit nur Sozialabgaben und Steuern auf das Trinkgeld bezahlen, wenn dieses einen wesentlichen Bestandteil des Lohns ausmacht. Das Parlament will das nun vereinfachen und Steuern und Abgaben auf Trinkgeld ganz abschaffen.

Doch Rechtsprofessoren warnen: Auch andere Berufsgruppen wie Banker könnten davon profitieren wollen.

Sozialabgaben und Steuern auf Trinkgeld

Besteht das Trinkgeld aus Münzen und Scheinen, ist nicht so transparent, wie viel sich zusammenläppert, ob es also versteuert werden muss. Im Zweifelsfalle wohl eher nicht. Elektronisches Trinkgeld hingegen hinterlässt zweifelsfreie Spuren. Sobald es zehn Prozent des Einkommens übersteigt, sind heute Sozialabgaben und Steuern fällig.

Hand in der Nähe eines Smartphones mit Zahlungsanzeige und Trinkgeldoptionen.
Legende: Die zuständige Nationalratskommission will darum wie der Ständerat Trinkgeld generell von Sozialabgaben und Steuern befreien. KEYSTONE/Gaetan Bally (Archiv)

«Die Kommission will nun nicht, dass es zu einer Diskriminierung kommt zwischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die das Trinkgeld nach wie vor in bar erhalten, und solchen, die es über die digitale Bezahlung erhalten», sagt Regina Sauter, Präsidentin der Sozialkommission des Nationalrat.

Experten warnen

Doch in einem Brief ans Nationalratsbüro warnen Arbeits- und Sozial­versicherungs­professorinnen und -professoren: Sozialabgaben auf Trinkgeld ganz abzuschaffen, führe nicht nur zu einer schlechteren Altersvorsorge, sondern auch zu einer verfassungswidrigen Sonderbehandlung einer Einkommensart.

Wenn man eine Ausnahme mache bezüglich Trinkgelder und sage, Trinkgelder seien nicht steuer- und AHV-pflichtig, dann könnten auch andere Branchen kommen und sagen, bei uns sei das auch Trinkgeld. «Inklusive Banker mit ihren Boni», erklärt Thomas Geiser, emeritierter Professor für Arbeits- und Sozialversicherungsrecht an der Universität St. Gallen. «Weil die Boni freiwillig sind, ist die Bank nicht verpflichtet, Boni zu bezahlen», sagt Geiser.

Trinkgelder sind eine zusätzliche Anerkennung der Gäste.
Autor: Regina Sauter Präsidentin der Sozialkommission des Nationalrat

Regine Sauter erklärt, dass es in der Diskussion in der Kommission klar um den Gastrobereich gegangen sei, wo eben Trinkgelder gegeben werden. Dort habe man einen fixen Lohn. «Trinkgelder sind eine zusätzliche Anerkennung der Gäste, dies im Gegensatz zu anderen Branchen, in denen man als Bestandteil des Lohns zum Beispiel auch eine Gewinnbeteiligung, einen Bonus, abmacht, der dann eben Lohnbestandteil ist», erklärt Sauter.

Thomas Geiser erwartet Interesse aus weiten Kreisen. «Zum Beispiel könnten plötzlich auch Zahnärzte sagen: ‹Wir stellen nur noch eine niedrigere Rechnung, und der Kunde gibt uns ein Trinkgeld, das müssen wir nicht versteuern.›»

Tagesschau, 4. Juli 2026, 19:30 Uhr

Meistgelesene Artikel