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Studie der Universität Zürich Jeder dritte junge Mann hat ein problematisches Männerbild

  • Fast jeder dritte junge Mann in der Schweiz hat ein problematisches Männerbild – das zeigt eine Studie der Universität Zürich.
  • Zudem befürchtet rund die Hälfte der jungen Männer, dass die «echte Männlichkeit» zunehmend verdrängt und marginalisiert wird.
  • So zeigen junge Männer häufiger eine Akzeptanz von Gewalt sowie frauen- und queerfeindliche Einstellungen.

Repräsentative Studie «Männlichkeit im Wandel»

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Für die repräsentative Studie «Männlichkeit im Wandel» befragten Forschende des Jacobs Center for Productive Youth Development der Universität Zürich mehr als 6000 Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren in der Schweiz. Die Untersuchung entstand in Zusammenarbeit mit dem Dachverband der Schweizer Männer- und Väterorganisationen «männer.ch».

Im Zentrum der Studie standen Fragen zu Geschlechterrollen, Partnerschaft, Sexualität und Gleichstellung. Es sei das erste Mal, dass solche Daten für die Schweiz vorliegen, teilte die Universität mit.

Sieben Empfehlungen für einen anderen Umgang mit Männlichkeit

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  1. Männlichkeitsbilder hinterfragen: Jungen und Männer sollen die Möglichkeit erhalten, über Rollenbilder zu sprechen und diese kritisch zu reflektieren. «Eine wichtige Botschaft lautet, dass man sein Mannsein so gestalten kann, wie es zu einem passt», sagt Markus Theunert, fachlicher Leiter und Co-Geschäftsführer von «männer.ch» im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
  2. Schulen stärker in die Pflicht nehmen: Schulen sollen Themen wie Geschlechterrollen, Gleichstellung und Gewaltprävention stärker verankern. Jugendliche müssten lernen, Konflikte gewaltfrei zu lösen und unterschiedliche Lebensentwürfe zu akzeptieren.
  3. Den Einfluss sozialer Medien thematisieren: Viele Jugendliche begegnen Männlichkeitsbildern heute auf Plattformen wie Tiktok, Instagram oder Youtube. Die Forschenden empfehlen, junge Menschen für die Mechanismen von Algorithmen und die Botschaften sogenannter «Manfluencer» zu sensibilisieren. Ziel sei es, problematische Inhalte besser einordnen zu können.
  4. Beziehungs- und Sexualkompetenz fördern: Sexualaufklärung sollte nach Ansicht der Forschenden mehr umfassen als biologische Fakten. Ebenso wichtig seien Kommunikation, gegenseitiger Respekt, der Umgang mit Zurückweisung und eine kritische Auseinandersetzung mit Pornografie.
  5. Gewaltprävention ausbauen: Programme zur Prävention von Gewalt sollen stärker berücksichtigen, welche Rolle traditionelle Männlichkeitsnormen spielen können. Das betrifft etwa Gewalt in Beziehungen, in der Familie oder im öffentlichen Raum.
  6. Unterstützung in schwierigen Lebenslagen: Besondere Aufmerksamkeit empfehlen die Forschenden für junge Männer mit schlechten Bildungs- oder Berufsperspektiven. Bildung, Ausbildung und gesellschaftliche Teilhabe könnten helfen, Frustration und Ausgrenzung entgegenzuwirken.
  7. Väter stärken: Auch die Rolle von Vätern sehen die Forschenden als zentral. Frühzeitige Unterstützung und Angebote für Väter könnten dazu beitragen, dass Männer sich stärker in Familie und Erziehung einbringen.

Forscher messen den «Faktor M»

Um diese Haltungen messbar zu machen, entwickeln die Forschenden einen neuen Indikator, den «Faktor M». Er bündelt verschiedene Einstellungen: die Zustimmung zu traditionellen Geschlechterrollen, die Wahrnehmung einer Bedrohung männlicher Identität, Skepsis gegenüber Gleichstellung sowie frauen-, homo- und queerfeindliche Ansichten. Hohe Werte stehen für ein Weltbild, das Männlichkeit stark mit Dominanz, Härte und Abgrenzung verbindet.

Person in rotem T-Shirt trainiert mit Battle Ropes im Fitnessstudio.
Legende: Fast jeder dritte junge Mann in der Schweiz hat ein problematisches Männerbild. Getty Images / Jordi Salas

Besonders auffällig sind die Ergebnisse bei den Männern im Alter von 18 bis 24 Jahren. Dort gehören 31 Prozent zur Gruppe mit den höchsten Faktor-M-Ausprägungen. Über alle Altersgruppen hinweg fällt jeder fünfte Mann in diese Kategorie. Bei den Frauen sind es sieben Prozent.

Zusammenhang mit Gewalt

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Die Studie zeigt, dass Männer mit hohen Faktor-M-Werten deutlich häufiger Gewalt als legitimes Mittel der Kindererziehung betrachten. Zudem sind sie überdurchschnittlich oft von konflikthaften Partnerschaften betroffen. Die Autoren verweisen auf einen engen Zusammenhang zwischen dominanzorientierten Männlichkeitsvorstellungen und Gewalt in Beziehungen.

Auffällig ist das Bedrohungsgefühl vieler junger Männer. Fast jeder zweite 18- bis 24-Jährige gab an, besorgt zu sein, dass «richtige Männer» an den Rand der Gesellschaft gedrängt würden. Diese Zahl überraschte auch die Forschenden.

Tiktok, Youtube und Corona

Warum die Werte bei jungen Männern so hoch ausfallen, ist noch nicht geklärt. Als mögliche Erklärungen verweisen die Autoren auf die digitale Sozialisation der jüngsten Männergeneration. Plattformen wie Tiktok oder Youtube verbreiten Männlichkeitsbilder, die Dominanz, Härte und Status betonen.

Gleichzeitig fielen wichtige Jahre der Identitätsbildung dieser Altersgruppe in die Zeit der Corona-Pandemie.

Deutschschweiz stärker betroffen

Weit verbreitet ist der Faktor M bei Männern mit tieferer Bildung, geringerem Einkommen und niedrigerem beruflichen Status. Unter den 18- bis 24-jährigen Männern mit Berufslehre gehört laut Studie fast jeder Zweite zur Gruppe mit den höchsten Faktor-M-Ausprägungen. Bei Gymnasiasten und Hochschulabsolventen ist der Anteil mehr als dreimal so tief.

Auch Region und Herkunft fallen ins Gewicht: In der Deutschschweiz sind die Werte bei jungen Männern höher als in der Romandie und im Tessin, auch zeigen sich Unterschiede bei der familiären Herkunft. Die Forschenden untersuchten sieben Herkunftsregionen der Väter der Probanden, wobei Herkunftsländer mit sehr kleinen Fallzahlen nicht berücksichtigt wurden. Die höchsten Faktor-M-Werte zeigen sich bei Männern mit familiären Wurzeln im ehemaligen Jugoslawien: Knapp jeder Zweite gehört dort zur Gruppe mit den höchsten Ausprägungen. Laut Studie unterscheiden sich die Werte der Herkunftsregion Ex-Jugoslawien statistisch signifikant von allen anderen Gruppen.

Die Unterschiede liessen sich aber nicht allein auf Kultur oder Religion zurückführen. Als mögliche Faktoren nennen die Studienautoren unterschiedliche Sozialisationsbedingungen in Herkunftsregionen und Diasporagemeinschaften, Erfahrungen von Ausgrenzung und Diskriminierung, verschiedene Geschlechterrollen sowie die Orientierung an traditionellen Männlichkeitsidealen als Bewältigungsstrategie in prekären Lebenslagen.

SRF 4 News, 16.6.2024, 12 Uhr ; 

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