Swisscoy: «Die Bevölkerung im Kosovo schätzt uns»

Der Nationalrat hat den Einsatz von Schweizer Soldaten im Kosovo bis 2017 verlängert. Nun fehlt nur noch das Ja des Ständerats. Der Kommandant des aktuellen Swisscoy-Kontingents erzählt von den Aufgaben seiner Soldaten vor Ort.

Ein Swisscoy-Soldat beobachtet Kollegen, die einen Wagen kontrollieren. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Schweizer Soldaten sind vor allem im Nordkosovo im Einsatz. Keystone/Archiv

Die sogenannten Swisscoy-Truppen sind vor allem im Nordkosovo im Einsatz. Dort gilt die Lage als fragil, Serben und Kosovaren geraten immer wieder aneinander. Hubert Kiser ist Oberst im Generalstab und Kommandant des aktuellen Swisscoy-Kontigents in der kosovarischen Hauptstadt Pristina.

SRF: Wie gefährlich ist die Lage für die Swisscoy-Truppen vor Ort?

Kiser: Im Süden des Kosovo ist die Lage ruhig und stabil. Auch im Norden ist es ruhig, situativ ist die Lage dort zwischen Kosovaren und Serben aber sehr angespannt.

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Schweiz im Kosovo

Schweiz im Kosovo

ZVG

Oberst Hubert Kiser ist Kommandant des Swisscoy-Kontingents 29, das im Oktober 2013 für sechs Monate die Schweizer Präsenz in der multinationalen Kosovo Force KFOR übernommen hat. Die Swisscoy ist seit 1999 im Kosovo tätig. Rund 5400 Armeeangehörige nahmen seither freiwillig an einem Einsatz teil. Seit 2002 werden die Einsätze bewaffnet geleistet.

Wie muss man sich das vorstellen?

Es kommt regelmässig zu kleinen Scharmützeln. Dies lässt sich mit in der Vergangenheit Erlebtem erklären. Ein weiterer Grund ist der Staat, den die Kosovaren gegründet haben. Er wird im Norden von den serbisch-stämmigen Einwohnern nicht akzeptiert.

Was tut die Swisscoy, damit die Situation im Norden nicht eskaliert?

Wir haben dort verschiedene Teams im Einsatz, die in der Bevölkerung vermitteln. Swisscoy sucht das Gespräch mit lokalen Schulen, mit der Polizei und mit öffentlichen Organisationen. Die Teams fühlen den Puls vor Ort und vermitteln in Gesprächen.

Wie reagiert Swisscoy, wenn sich die Stimmung aufheizt?

Der Grundsatz lautet: Wenn Gefahr besteht, dann ziehen wir uns zurück. Das Team meldet den Vorfall dann der von der Nato geführten internationalen Schutztruppe KFOR, damit die Lage sauber beurteilt werden kann. Wenn nötig, trifft die KFOR weitere Vorkehrungen betreffend Sicherheit.

Das Schweizer Kontingent ist klein, verglichen mit den anderen Kontingenten. Denken Sie, dass die Swisscoy tatsächlich zur Befriedung des Nordkosovo beitragen kann?

Swisscoy-Kommandant Hubert Kiser im Gespräch

3:56 min, aus SRF 4 News aktuell vom 14.03.2014

Wir sind zwar klein, doch haben wir die besten Mittel: Das beginnt mit unserer Neutralität. Auch haben wir ein sehr hohes Ansehen, was die Vermittlung betrifft. Und wir sind bezüglich historische Vergangenheit nicht vorbelastet. Das alles führt dazu, dass wir sehr geschätzt sind und uns die Bevölkerung akzeptiert. Im Weiteren haben wir beste Transportmittel, sowohl auf der Strasse als auch in der Luft. Und wir verfügen über spezielle Mittel in der Militärpolizei und in der Minenräumung.

Hat die Swisscoy denn andere Mittel als die anderen KFOR-Truppen?

Es sind mehr oder weniger die gleichen Mittel. Unsere sind aber von einer besseren Qualität.

Das Gespräch führte Salvador Atasoy.