Telefonische Medizinberatung aus Deutschland?

Medgate, einer der führenden Telemedizin-Anbieter der Schweiz, will die Patienten am Telefon künftig von Ärzten aus dem Ausland beraten lassen. Doch die Idee stösst nicht nur auf Begeisterung.

Symbolbild: Eine Ärztin vor dem Computer-Bildschirm in der Medgate-Telefonzentrale, fotografiert von hinten. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Medgate möchte, dass künftig auch ausländische Ärzte Telefonberatungen durchführen dürfen. Keystone

Wegen des Ärztemangels in der Schweiz wäre es sinnvoll, wenn auch Ärzte aus dem Ausland Schweizer Patienten telefonisch beraten könnten, findet Andy Fischer. Er ist Geschäftsführer des Telemedizin-Anbieters Medgate. Er bestätigt einen Bericht des «St.Galler Tagblatts», wonach bereits erste Abklärungen in diese Richtung laufen.

Deutsche Ärzte in der Schweiz

Bereits heute würden ja viele deutsche Ärzte in Schweizer Spitälern arbeiten, sagt er. «Die Schweizer Spitäler würden gar nicht mehr funktionieren ohne ausländische Fachpersonen.» Solange diese die hohen Anforderungen der Schweiz erfüllten, sehe er keinen Anlass dazu, dass nicht auch ausländische Ärzte Schweizer Patienten per Telefon beraten könnten.

Allerdings ist es ein Unterschied, ob ein deutscher Arzt in der Schweiz lebt und arbeitet und mit den hiesigen Begebenheiten vertraut ist oder ob ein Arzt in Hamburg sitzt und per Ferndiagnose Schweizer Patienten berät. Skeptisch äussert sich deshalb Marc Müller, Präsident von Hausärzte Schweiz. Er fürchtet, dass das Vorgehen im Krankheitsfall unnötig verkompliziert werde. Patienten könnten tendenziell häufiger ins Spital oder zu Spezialärzten geschickt werden als eigentlich nötig wäre.

Wer haftet im Schadenfall?

Medgate-Chef Fischer nimmt diese Bedenken ernst. Man wolle nur mit ausländischen Ärzten zusammenarbeiten, die das Schweizer Gesundheitssystem gut kennen, beteuert er. Es sei klar, dass man Schweizer Patienten nicht von Ärzten betreuen lassen könne, welche die notwendigen Voraussetzungen nicht erfüllten. «Das ist eine Herausforderung, die gemeistert werden muss.»

Ausserdem stellt sich die Frage der Haftung: Die Ärztevereinigung FMH verlangt eine Antwort darauf, wer allfällige Schäden in einem Haftpflicht-Fall bezahlen würde. Zum Beispiel, falls nach einer medizinischen Beratung aus dem Ausland beim Patienten Probleme auftauchen.

Grundversicherung zahlt keine Leistungen im Ausland

Zudem stellen sich juristische Fragen: Normalerweise übernehmen die Krankenkassen medizinische Behandlungen im Ausland nur in Notfällen oder wenn die Leistung in der Schweiz nicht erbracht werden kann. Beides sei bei einem Telemedizin-Angebot mit ausländischen Ärzten aber nicht der Fall, betont das Bundesamt für Gesundheit in einer schriftlichen Stellungnahme. Deshalb könnten solche Beratungen auch nicht zu Lasten der obligatorischen Krankenversicherung abgerechnet werden.

Die Diskussion ist also angestossen. Doch die Pläne für eine telemedizinische Beratung durch Ärzte im Ausland werden sich wohl nicht so schnell realisieren lassen, wie das Medgate gerne möchte.