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Schweiz Therapien gegen Hausarzt-Mangel bleiben umstritten

Die Schweiz bildet zu wenig Ärztinnen und Ärzte aus: rund 900 statt die benötigten 1300 jährlich. Darum will der Bundesrat 100 Mio. Fr. für zusätzliche Ausbildungsplätze investieren. Heute berät der Nationalrat darüber. Auch die ETH Zürich will neu Mediziner ausbilden. Hausärzte sind skeptisch.

Hausärztin bandagiert einen Fuss
Legende: Hierzulande fehlen Hausärzte. Nun buhlen Universitäten um die zusätzlichen Ausbildungsplätze. Keystone

Für den obersten Hausarzt der Schweiz, Marc Müller, ist klar: Die 100 Millionen Franken Bundesgelder müssen vor allem die Grundversorgung stärken. Das heisst: Mit den zusätzlichen Studienplätzen sollen vor allem Hausärztinnen und Hausärzte ausgebildet werden.

Dass auch die ETH Zürich neu eine Medizin-Ausbildung anbieten will, ärgert den Präsidenten der Hausärzte Schweiz, Marc Müller: «Wir denken, dass gerade eben so naturwissenschaftlich zentrierte Interessen nicht unbedingt prädestinieren, um Hausärzte zu werden.» Und genau dies, zusätzliche Berufskollegen, fordert der Verband Hausärzte Schweiz seit Jahren.

Ankündigung der ETH

Tatsächlich kündigte die ETH letzten Herbst an, sie wolle mit dem Medizin-Bachelor unter anderem die Zahl der klinischen Forscher erhöhen. ETH-Rektorin Sarah Springmann beruhigt aber: «Ich bin völlig überzeugt, dass von unseren etwa 100 Studierenden im Jahr einige schon in die Grundversorgung gehen. Und nicht alle nur in den technologischen Bereich.»

Klar ist, dass der medizinische Nachwuchs sich nicht in den Hausarzt-Beruf zwingen lässt. Aber: Die Ausrichtung eines Studiengangs kann eine Rolle spielen.

Luzern und St. Gallen als Gegenentwürfe

Die Universitäten St. Gallen und Luzern zum Beispiel, die ebenfalls neu in die Medizin-Ausbildung einsteigen wollen, richten ihre Projekte stark auf die Hausarzt-Medizin aus.

Für die kantonalen Gesundheitsdirektoren ist dieses Modell sinnvoller als die ETH-Pläne. Generalsekretär Michael Jordi: «Wir denken, dass es notwendig ist, dass man zusätzliche Gelder dort einbringt, wo auch ein Versorgungsbedarf besteht. Und das ist in der Grundversorgung.» Mit dem Ziel, den Mangel an Hausärztinnen und -ärzten zu beheben.

Prüfung der Hochschul-Gesuch läuft

Die eingereichten Gesuche der Hochschulen werden zur Zeit geprüft; Anfang nächstes Jahr will die Schweizer Hochschulkonferenz entscheiden, welche Institutionen welche zusätzlichen Medizin-Ausbildungsplätze anbieten kann.

Heute entscheidet der Nationalrat bereits über die Finanzierung: Die 100 Millionen Franken für das Sonderprogramm Humanmedizin ist der des Kredits zur Förderung von Bildung, Forschung und Innovation für die Jahre 2017-20.

1 Kommentar

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  • Kommentar von Klaus Fitzgerald (Fitzgerald)
    Die haben doch keine Ahnung, inkl. dem sog. "obersten Hausarzt". Als ob es darauf ankommt, ob ein Student im Studium mehr oder weniger Chemie hatte. Die Jungen wollen sich primär aufgrund von monetären Interessen zu sog. Spezialisten ausbilden lassen. Mehr verdienen, weniger arbeiten und das alles bei besserem gesellschsftlichen Ansehen. Dort muss man den Hebel ansetzen.
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